Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite IS lfbi$ # w^t" Nr. 42 Wien. Jüdisch-akademische Verbindung „Ivria", IX., Hörigasse 10. C bargen wählen: jur. A. Schönhof, Präses; ing. J. Groag, Vizepr.; jur. A. Lanzer, Schriftführer. Serajewo. Der Selbstbildungsverein der jüdischen Jugend veranstaltet Sonntag den 22. Oktober 1905 im Festsaale des Vereinshauses unter Mitwirkung der k. u. k. Regimentsmusik Nr. 68 eine Simchath-Thora-Unterhaltung. Kassaeröffnung 7 Uhr abends. Beginn 8 Uhr abends. Das Reinerträgnis ist zur Vergrösserung der Vereinsbibliotheken bestimmt. Karten vor verkauf in der Buchhandlung B. Buchwald & Co. Czernewitz. Jüd.-nat. akad. Verbindung „Zephirah8. Chargenwahlen für das XVII. (Winter-) Semester: M. Schapira, Präses; Ch. Gabor, Vizepr; Schi. Drimmer, Schriftführer. Zionistisches Massenmeeting in Pretoria. Am 17. September fand in der Trocadero Hall eine Versammlung der Zionisten von Pretoria statt, die, wie die „Prätoria News1* berichten, an Begeisterung und Zahl der Besucher einzig dasteht. Rabbiner M. Rosenberg, der Präses der „Pretoria Zionist Associationführte den Vorsitz, sprach einleitend über den gegenwärtigen Stand des Zionismus und stellte die Redner des Abends vor. Sodann wurde eine Resolution zur Verlesung gebracht, in welcher die Versammlung ihr striktes Festhalten an den Beschlüssen des siebenten Kongresses und das vollste Vertrauen zu den neugewählten Führern der Bewegung zum Ausdruck brachte. Zur Resolution sprachen der Vorsitzende der südafrikanischen Feredation S. Goldreich und A. M. Abrains, deren Reden begeistert aufgenommen wurden. Auch die Worte des Rabbiners Dr. Landau, der deutsch sprach, erweckten Stürme von Beifall. Er setzte sich besonders für eine streng nationale Erziehung der jüdischen Jugend ein. Die Resolution wurde sodann einstimmig angenommen. Nach einer Vertrauenskundgebung an die Leitung der Federation und den Vorsitz wurde eine Sammlung für den Nationalfonds eirgeleitet, die das schöne Resultat von 21 g ergab, und die Versammlung sodann in begeisterter Stimmung geschlossen. Die Veranstaltung der Versammlung war musterhaft, ihr Verlauf würdig und erhebend. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Unsere jüdische Parteipresse in Galizien hat einen Zuwachs zu verzeichnen. Nebst dem Tagblatt in Lemberg und dem Wochenblatt in Czernowitz wird nunmehr auch in Krakau, also für den westgaiizischen Distrikt, eine Wochenschrift erscheinen. Die Zeitung führt den Tjtel „Der Jud* und enthält in der ersten Nummer, die uns vorliegt, eine Reihe von sehr guten Beiträgen, welche in Uebereinstimmung mit dem kurzen und schneidigen Programm zeigen, wie ernst unsere Krakauer Gesinnungsgenossen ihre Aufgabe auffassen. Ein leitender Artikel beschäftigt sich mit „Jüdischer Politik" und beleuchtet die ökonomischen und politischen Verhältnisse der galizischen Juden. folgen <1aan Artikel über „Sonntagsruhe", die Jüdische" Sozialdemokratie, die jüdische Kultusgemeinde in Krakau und mehrere vorzüglicn geschriebene Korrespondenzen. In den Mit»eilungen des Krakauer zionistischen Distriktskomitees ist unseren westgaiizischen Gesinnungsgenossen ein Mittel gegeben, über den Stand der Bewegung und die laufenden Arbeiten ihres Distrikte« aufs beste informiert zu sein. Wir wünschen dem neuen Blatte weiteste Verbreitung; diese allein kann dazu beitragen, dass las hohe Zi"l, das dem Blatte gesteckt wurde: Auffrischung, Aufrichtung und Stärkung de« jüdischen Volksgeist'S, am ehesten erreicht werde. Glückauf! B. „Oer Weg" (Nr. 44) schildert die peinliche Lage der jüdischen Mittelschüler im Königreiche Polen, die sich ohne Ueb-rlegung und gehörige Vorbereitung dem allg meinen Schulstreik abgeschlossen haben. Gar manchem von ihnen mochte es später emgel uchtet haben, dass. er für eine fremde nationale Sache gek.änäpft, schwere Opfer bracht habe, und so erhoben sich unter ihnen Stimmen, s die Juden als besondere Nationalität eigene derungen zu stellen hätten. Den Polen missfiel es natürlich. Die Juden sollten sich gegen eine Assimilation mit den Russen auflehnen, aber in ihnen, dem edlen Polenvolke spurlos und uneigennützig aufgehen. _ Das wäre schön! Und sie lehnten jede Forderung der Juden ab, die sich dann selbständig organisierten. Aber die Vereinigung der jüdischen Schüler war zu schwach; die „jüdische" Gesellschaft verhielt sich ganz gleichgültig und die Assimilanten, die sich in dieselbe einschlichen, sorgten für ihren raschen Untergang. Die arme jüdische Schuljugend befinde sich in einer kritischen Lage und könne sich weder für den Schulbesuch noch für den Streik entscheiden. Die Verantwortung aber falle auf alle jene Versorger, die es unterlassen haben, dieser Jugend einen festen und sicheren nationalen Bolen zu schaffen. Nebst Sokolow, dem Redakteur der „Hazefirah«, Wurde auch Herr Ginzburg, einer der Herausgeber des „Fraind" in Petersburg, zur Sitzung des Komitees für Pressreformen eingeladen. Der erste referierte über die volkserziehliche Bedeutung der neuhebräischen Literatur und Presse und forderte für sie die Gleichstellung mit der russischen, der letztere schilderte im allgemeinen die Zustände der jüdischen Presse und klagte über deren Einschränkung durch die Z>npur. Von vielen Mitgliedern des Komitees wurden den Exp rten detaillierte Fragen gestellt, die sie eingehend beantworteten. Zum Schlüsse dankte ihnen Wereschtschagin für ihre Mitteilungen, die er sich in einem schriftlichen Referate vorlegen iiess. Dieses Referat ist bereits überreicht worden und wird nach Anhörung der lokalen Z^n^urb-hörden erledigt werden. Wie man dem „Fraind aus W ar s c h a u telegraphiert, wird die Kandidatur N. Sokolows in die Reichsduma von den fortschrittlichen polnischen Parteien kräftig unterstützt. Die „Hazefirah" bringt eine verbürgte Mitteilung aus dem Unterrichtsministerium, dass man daselbst prinzipiell geneigt sei, die prozentuelle Einschränkung der Juden an den Universitäten aufzuheben, dass dies j doch gegenwärtig auf gesetzlichem Wege noch nicht geschehen könne. Der Minister könne vorläufig nur die Bitten einzelner Universitätsbehörden als Ausnahmefälle berücksichtigen. Dagegen werde ein Referat über die Aufnebung des einschränkenden Gesetzes vorbereitet, das der Duma unterbreitet werden soll. Demselben Blatte zufolge wurde in der Sitzung der Presskommission des „Kobeko" über die Gleichstellung der jüdischen mit der allgemeinen Presse des Landes verhandelt. Bei dieser Gelegenheit äusserte sich die Kommission, sie hätte bisher gar nichts gewusst von dem Vorhandenlein dieses individuellenKulturelementes und dass es notwendig wäre, dem russischen Publikum die Kenntnis der neueren jüdischen Literatur und ihrer historischen Entwicklung zu eröffnen. Nach einer Mitteilung des „Fraind" beschäftigt sich das russische Finanzministerium mit einem Projekte, betreffend neuerliehe Beschränkungen bei der Gründung von Spar- und Vorschusskassen in den Städten des An sie dlungsrayons. Es sollen nicht weniger als zwei Drittel der Mitglieder in den Verwaltungskörpern solcher Institute Christen sein, Vorsitzende absr dürfen nur Christen sein. Eine Ausnahme sollen die Städte bilden, deren jüdische Bevölkerung 80 Prozent der Einwohnerschaft beträgt. Da es aber keine einzige Stadt mit einer solchen jüdischen Bevölkerung gebe, würden die Beschränkungen sich faktisch auf das ganze „Ansiedlungsgebiet" erstrecken. B. „Unsere Hoffnung." Die jungen Leser dieser Zeitung haben in kurzer Zeit den Betrag von 174 K 80 h für N.-F. zusammengebracht und sammeln weiter. Dort ist Usus, das jeder Abonnent für den N.-F. spendet. Zur Nachahmung empfohlen! Die rührige Hebrew Literatury Society in New York gibt eine neue Monatsschrift „The Literary Ray* heraus, welche zur Hälfte englisch, zur Hälfte in Hebräisch erscheinen wird. Die Leiter des englischen Teiles sind Josef Gros 8 und Matthew Taplinger, während der jüdische Teil von Dr. Max Barbour und David Apotheker re Hgiert wird. Die Konferenz, die Witte mit fünf der hervorragendsten Juden Amerikas hatte, bildet noch immer den Gegenstand lebhafter Diskussion. Win der „American Israelite" und der „Jewish Exponent" berichten kam es unlängst, als Präsident Kraus der B n e i Brith über die Konferenz in Chicago Bericht erstattete, zu stürmischen Szenen, da zählreiche russische Einwanderer, ihrem Unwillen über diese Intervention lebhafte?! .Ausdruck gaben. Auch der „Mäccabean" nimmt zu dieser Frage Stellung, indem er die Konferenz abfällig beurteilt: Die fünf Männer waren jeder