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Die Welt · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 „Die # w^it11 Seite 11 Ad 3 sind folgende Anträge eingelaufen: a) Baldige Einberufung eines ausserordentlichen österr. Zionistentages, b) Wiederherstellung des § 2 des Bielitzer Statutes, ^Provisorische Neuwahl des L.-K. und der Revisoren für die Zeit bis zum nächsten Zionistentage, d) Zuweisung der Agenden des innerösterr. D.-K. an das L.-K. Am Vorabende der Verbandskonferenz (Dienstag den 31. d. M., halb 9 Uhr) findet im Kongressbureau eine Vorbesprechung der Delegierten statt, an der auch die Wiener Vertrauensmänner teilnehmen werden. * * Gegen den Befähigungsnachweis für die Handelsgewerbe. Der Gewerbeausschuss des Abgeordnetenhauses hat den Befähigungsnachweis für die Handelsgewerbe beschlossen, eine Massregel, welche ihre Spitze vor allem gegen das jüdische Erwerbsleben richtet. Die Juden sind von altersher auf den Handel angewiesen; fast alle übrigen Erwerbsz weige sind ihnen verschlossen; durch die antisemitische Boykottbewe gung sind sie vielfach in die Zwangslage versetzt, aus einer Branche in die andere überzugehen. Ueberdies wird erfahrungsgemäss der Befähigungsnachweis zuungunsten der Juden gehandhabt. Aus allen diesen Gründen erscheint eine entschiedene Stellungnahme gegen die Beschlüsse des Gewerbdausschusses geboten. Der Vorstand der „Oesterreichisch-Israelitischen Union"- beruft für Dienstag den 24. Oktober, Vt.8 Uhr abends, in den grossen Saal des Hotel „Post", L, Fleisch markt 16, eine Versammlung ein, in welcher Herr Dr. Fri edrich Hertz die Diskussion über den Befähigungsnachweis im Handelsgewerbe durch ein Referat einleiten wird. An di.e jüdischen Kaufleute ergeht die dringende Aufforderung, sich zu dieser Versammlung zahlreich einzufinden, damit dieselbe sich zu einer achtunggebietenden Kundgebung gegen diese neuerlich beabsichtigte Einschränkung des Wirtschaftslebens gestalte« * * * Personalnachrichten. Am 25. Oktober d. J. findet in Köln, Dasselstrasse 58, die Vermählungsfeier von Fräulein Helene Seligmann und Herrn Bernhard Wolpe-Frankfurt statt. Wir gratulieren herzlichst. Todesfälle. Ein Meister der hebräischen Sprache, ein durch Wissen und schöne Bescheidenheit hervorragender Mann, Hermann Horowitz in Sopron, mit dem literarischen Namen ist am 8. Oktober 1. J. 4 Uhr früh aus dem Leben gescnieden. Lange und viele Jahre als Religionslehrer wirkend, war er der Begründer des dortigen Misrachi Vereines, stets bestrebt überall den jüdischen Volksgedanken im zionistischen Sinne zu wecken. Friede seiner Asche! Brief aus Lemberg. Die bange Ungewissheit, mit der die Zionisten Galiziens dem Verlaufe des VII. Kongresses entgegensahen, ist allmählich einer viel zuversichtlicheren Stimmung gewichen. Ein erhebender Moment war die Einmütigkeit, mit der das Häuflein unserer Kongressveitreter für die ursprüngliche Reinheit des palästinensischen Zionsgedankens in die Schranken trat. Die Mehrzahl der Delegierten hat bereits ihren Wählern in zu diesem Zweck einberufenen Versammlungen über den durch seine weitgehenden prinzipiellen Beschlüsse so bedeutungsvollen Kongress erschöpfenden Bericht erstattet. Ueberaus erfreulich ist der in letzter Zeit für das Wachstum des Nationalfondes im ganzen Lande bekundete Eifer. Die allwöchentlichen Spenden ausweise unserer Parteiorgane „Welt" und „Wschöd* sprechen hierfür eine beredte Sprache. GrosseRührigkeit bekundet unter anderen die Nationalkommission des hiesigen Vereines „Dorsche Schlom Zion'S deren Leiter Herr Josef Sprecher unentwegt darauf bedacht ist, neue Einnahmequellen ausfindig zu machen. Da die Organisierungder zionistischen Selbstbesteuerungin Lemberg unmittelbar bevorsteht, dürften sich unsere Leistungen für den Nationalfonds noch günstiger gestalten, um so mehr als alle diese Bestrebungen durch den Eifer der Jugend lebhaft gefördert werden. Trotz Wetter und Wind standen unsere wackeren Mittelschüler während der Busstage unter den vielen Bedürftigen am Friedhof und hielten den Besuchern des Gottesackers ihre Nationalfondsbüchsen entgegen. Ebenso sah mau sie am Vortage des Jomkipur zum Minchagebete vor den Eingängen der grossen Synagoge postiert. Diese jungen Studenten, die Triarier unseres grossen Herzl, sie bilden das heranwachsende Material unserer Partei, übertreffen oft die Akalemiker an Eaergie, stellen sich auf jeden Wink freudig zur Arbeit, lernen fiUissig Hebräisch und jüdische Geschichte, sammeln für die Nation albibliothek und verpflichten sich zu Leistungen für die Kolonialbank. Für Ende Oktober ist eine Konferenz der zionistischen Hochschüler Galiziens hierher einberufen. Die Ergebnisse ähnlicher, in vergangenen Jahren stattgefundener Veranstaltungen gingen leider nur wenig über die Theorie hinaus, um so wünschenswerter erschiene es, wenn diesmal, praktischere Resultate erzielt würdpn. Die Abhaltung der für voriges Jahr geplanten, aus formellen Gründen unterbliebenen zionistischen Landeskonferenz bildet den Gegenstand ernster Erwägung innerhalb der Parteileitung. Auf anderen jüdischen Gebieten ißt leider nur wenig Neues zu verzeichnen. Der Verband jüdischer Religionslehrer Galiziens, eine seit Jahresfrist im Interesse der Hebung des jüdischen Unterrichtes wie au<;h der Lehrerschaft verdienstvoll wirkenden Institution ist an die Herausgabe einer fachlichen Monatsschrift „Haoru geschritten. Das von unserem Gesinnungsgenossen Mayer Ballaban redigierte Blatt bringt in seiner ersten Nummer ein aus dessen Feder stammendes, sehr warm gehaltenes Begrüssungswort an die Kollegen. Leider fand sich in den letzten Tagen ein niedrig gesinntes Individuum, das aus elenden, hier nicht zu erörternden Geschäftsrücksichten die Tätigkeit desVeibandes im antisemitischen „Slowo polskie" begeifert, wobei es an Denunziationen gegen die „zionistische Vereinsleitung" wimmelt. Das Präsidium der Kul'usgemeinde hat den Bau zweier monumentaler Synagogen in* Auge gefasst, von denen je eine dem fortschrittlichen und konservativen Ritus dienen soll. Wie man die Ripsenkosten hierzu aufzubringen gedenkt, ohne dass gleichzeitig ^ine Reihe hochwichtiger jüdischer Bedürfnisse für lange Zeit vernachlässigt werden, bleibt vorläufig eine Frage. Harren ja die wichtigsten Punkte unseres Kultusgemeindeprogrammes noch immer ihrer Erledigung seitens des Gemeinderegimes. Schliesslich sei noch berichtet, dass die Bestrebungen behufs Errichtung von Heimstätten für jüdische Hoch-und Mittelschüler einige Fortschritte aufzuweisen haben. Der jüdische Rigorosanten verein hat bereits ein sehr günstig gelegenes Grundstück käuflich erworben, auf dem das Akademikerheim erbaut werden soll. Für den Bau eines S^hülerheims ist im Laufe einer kurzen Zeit ein Stammfonds von K5000 aufgebracht worden» Die Angelegenheit beschäftigt den Verein zur Unterstützung jüdischer Mittelschüler, dessen Ausschuss vor kurzem dem Kuitusvorstand ein Memorandum wegen Ueberlassung eines Bauplatzes überreicht hat. Leider bringt die jüdische Bourgoisie diesen wichtigen Projekten wenig Interesse entgegen. Ben Zion. ftus der )ieifr*äai)£. Gedenket des Sehekels! Wien. Am 28. Oktober (Samstag abends) findet eine grosse zionistisch« Studentenversammlung statt. Tagesordnung, Ort, Referate werden rechtzeitig bekannt gegeben werden. Die Wiener studentischen Korporationen werden ersucht, den Abend freizuhalten und nach erfolgter Mitteilung der näheren Details für regste Agitation zu sorger. Die Einberufer.

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