Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-10-20 · 42 (20.10.1905) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
42 (20.10.1905)
Date
1905-10-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316175--47426-3342297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

/ Seite 10 „Die & W^lt11 Nr. 42 heimkehrende Soldaten von den russischen Behörden ausgesetzt werden, so muss man zugeben, dass sogar der weitestgehende Pessimismus in bezug auf die künftige Gestaltung der Lage der Jud«n in Russland gerechtfertigt ist. Doch der krasseste Fall auf dem Gebiete der Verfolgung jüdischer Soldaten, welche in der Mandschurei ihr Blut für Russlaad vergossen haben, spielte sich, wie die .Nascha Schisn* meldet, dieser Tage in Moskau ab Der jüdische Soldat Wolf Schwarz zeichnete sich in mehreren Schlachten, auch am Yalu und bei Mukden so tapfer aus, dass Ihm zweimal das Georgs kreuz und eine Tapferkeitsmedaille verliehen wurden. Mit Wunden in der Brust und an den Beinen traf Wolf Schwarz auf seiner Rückreise vom mandschurischen Kriegsschauplatz in Moskau ein, um Verwandte zu besuchen. Aber die russische Polizei untersagte dem jüdischen Soldaten den Aufenthalt in Moskau und befahl ihm, binnen 24 Stunden die alte Zarenstadt zu verlassen. Das Bestrebe:, Juden zu verfolgen und ihnen jedwedes Meoschenrecht abzusprechen, zieht sich übrigens wie ein roter Faden durch die ganze moderne Praxis der russischen Zivil- und Militärbehörden. Der Polizeichef von T u 1 a, Oberst U w a r o w, verhaftete einen Juden und unterwarf ihn, wie die „Wetschercaja Potschta" meldet, der Folter, um von ihm ein Geständnis zu erpressen. Als derUnglückliche sich den unerträglichen Torturen durch die Flucht entzog, verhaftete Oberst ü w a r o w die Gattin und die fünf kleinen Kinder des Flüchtigen, um sie als Geiseln zu behalten . . Erst auf Intervention der Oberstaatsanwaltschaft wurden sie entlassen, aber in schrecklichem Zustand . . . Und diese Polizeibeamten handeln nur so wie die Gouverneure. Zur Beleuchtung der Gesinnung der Gouverneure den Juden gegenüber bringen die „Nowosti" folgende charakteristische Reminiszenz: Als der Gouverneur von Ufa, General Sokol ewsky, durch die auf ihm abgegebenen Revolverschüsse schwer verwundet und in bedenklichem Zustand in seine Wohnung gebracht wurde, erschien dort als erster zur Hilfeleistung der Arzt Samuel K a p 1 a n. Als der General ihn erblickte, schrie er: .Hinaus mit dem Juden!" und begleitete diesen Ausruf mit einer Flut von beleidigenden und schimpflichen Worten. Dr. Kaplan musste hierauf die Stadt Ufa gänzlich verlassen. Angesichts dieser Strömungen ist es begreiflich, wie schwer unsere Volksgenossen in Russland der Tod eines ehrlichen und bewährten rassischen Kämpfers für Freiheit und Gleichheit trifft. Und einen solchen Tod beklagen die Juden in Russland in diesem Augenblicke. Der Rektor der Moskauer Universität Professor Fürst Trubetzkoi ist in Petersburg plötzlich gestorben. Fürst Trubetzkoi war der erste Rektor, welcher gleich nach seinem Amtsantritte di§ sofortige Aufnahme aller jüdischen Petenten in die Universität verlangte und die gänzliche Aufhebung der Beschränkungen für die Aufnahme von Juden forderte- Seinem Baispiele folgten auch die anderen Rektoren der russischen Universitäten, so dass das Ministerium für Volksaufklärung sich gezwungen sah, vorderhand zwar nur für dieses Jahr, alle jüdischen Petenten aufnehmen zu lassen. Die Frage der gänzlichen Aufhebung der Beschränkung sollte dieser Tage in Beratung gezogen werden und dieser ward auch Fürst Trubetzkoi zugezogen. Die Juden werden sein Andenken immer ehren. Gt. Ifribüw. (Für diese Rubrik ht die Redaktion nicht verantwortlich.) Briefmarken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den Nationalfond.« Briefmarken gespendet: Wien: Jollan Austerlitz, stud. Holzer, A. Silberberg, Frl. Rabinowitz, H. Bing, stud. Eisig Sacher. Zlin: Frl. Lilly Meisel. Czortkow: Gesinnungsgenossin. Budapest: E. Kraus. Jablonitza: Frl. Berta und H. Schärf. Kolomea: Frl. S. Ehrlich. Essegg: ,,Makkabäa*. Krakau: Frl. S.Horn. Gwozdzi«c: Wolf Sperber. Stryj: A.J.Stern. Misslitz: A. Neumann. Pressburg: S. und A. Fleischmann. Boryslaw: M. Schmer. Wilna: Durch Herrn Goldberg; Geschwister Zitrot>; Benjakob, Handelsgesellschaft J. B. Segal, Vereine „Hatchiah", „Dorschei Zion*, „Poale Zionu. Basel: Brietmarkensammelstelle des Schweizerischen Zionisten Verbandes, Frl. 1. Ebstein. Allen Spendern besten Dank und Zionsg r u s e! Die Philatelie-A bteilu ng der Nationalfond skommission. Briefkasten der Philatelie-Abtatlung Frl. Ulli Meisel, Zlin. Für Ihre schöne Sendung besten Dank. Das Zentrum der vereinigten Lehrer in Palästina beehrt sich die Mitteilung zu machen, dass von demselben ein Auskunfts- und Vermittluagsbureau gegründet wuid*. Dasselbe empfiehlt Lehrer i i Palästina und erteilt Auskünfte an Lehrer, die dorthin kommen wollen, gegen Einsendung von Postmarken für das Antwortschreiben. Gleichzeitig wird mitgeteilt, dass gegenwärtig kein Bedarf an Lehrern vorhanden ist. Die Adresse des Bureaus lautet: Mr. J. Adler, Rechoboth pr. Jaffa, Palästina. * * * Anregung für den Nationailonds. Für die meisten grösseren Geschäftshäuser, welche ohnedies dem Clearingverkehr angehören, sind die ihnen von anderen Firmen zugesendeten Postsparkassenschecks meistens überflüssig und wandern als wertlos in «ien Papierkorb; nachdem wir nun der Ueberz-^ugung sind, dass durch das planmässige Sammeln solcher Schecks dorn Nationalfonds ganz beträchtliche Summen zugeführt werden könnten, möchten wir hier diese Anregung der Öffentlichkeit übeigeben; es wäre insbesondere Sache und Aufgabe der zionistischen Vereine, solche Sammlungen vorzunehmen und sie dann von Zelt zu Zeit der Zentralstelle einzusenden; zur Sichtung, zweckmässigen Veränderung etc. könnte eine ähnliche Organisation ins Leben gerufen werden, wie sie die Philatelieabteilung besitzt. Jüd.-akad. Ferialverbindung ..Gamala* i n G ö d i n g. * * * Wien. Das gefertigte Komite hat die Gründung eines Vereines namens „Jehuda Halevy" beschlossen, der sioh nebst der Organisation der nichtorganisierten Zionisten die Errichtung einer Lesehalle und Bibliothek und die Pflege der jüdischen Kultur, Literatur usd hebräischen Sprache zur Aufgabe ©teilt. Die Statuten sind bereits von der Behörde genehmigt worden. Beitrittserklärungen sind an folgende Herren zu richten, welche auch Auskünfte erteilen: Ch. Neumann, XX., Treustrasse 3, T. 9, oder I. S.Grosg, IL, Grosse Schiffgasse 10, Tür 12. Das Gründungskomitee des Vereines „Jehuda Hai e vyK. Mitteilungen des österr. Landeskomitees. Entsprechend dem Beschlüsse des Prager Parteitages im Oktober oder November d. J. eine Verbandskonferenz in Wien abzuhalten, wird dieselbe hiermit für Mittwoch den 1. November, 9 Uhr vormittags ins Kongressbureau, IX. Turkens.trasse 9, einberufen. Tagesordnung: Beratung und Beschlussfassung über das Organisationsstatut, Referent Herr Dr. Leopold Meisel, Prag. 2. Beschlussfassung über die Dotierung des L.-K. 3. Eventuelles. An derVerbandskonferenz nehmen teil: a) mit Sitz und Stimme die Mitglieder des L.-K., je drei Delegierte der D.-K. und die österreichischen Mitglieder des A.-K. b) mit beratender Stimme die übrigen Mitglieder der D.-K'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.