Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 42 (20.10.1905)
- Date
- 1905-10-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. -4jB „bie # w*it,f Seite 9 ist damit dem Liberalismus der Todesstoss versetzt. Die Nationalitäten würden ihre Vertreter im Parlamente sehen und durch das Wahlrecht der unteren Klassen dürften die radikalen Strömungen in der Gesellschaft mehr.zum Ausdruck gelangen. Beides birgt in sich die Gefahr des Antisemitismus eine Gefahr, die sich allerdings auch bei Nichteinführung des Wahlrechtes bei den heutigen Verhältnissen nicht aufhalten liesse, Li—, Aus dem Korrespondenzblatte des „Zentralbureaus für jüdische Einwa^derungsangelegenheiten Auszug aus dem argentinischen Efnwanderungsgesetze. Vergünstigungen für Einwanderer nach •Arge n t i n i e n. 1. Nach dem Gesetze wird jeder ausländische Taglöhner, Handwerker, Gewerbetreibende, Ackerbauer und Lehrer, falls er jünger als 6ü Jahre ist und seime Rechtschaffenheit und Befähigung etinigtermassein nachzuweisen vermag, als Einwanderer angesehen, wenn er im Zwischendeck oder in II. Kajüte mit der Absicht in das Land kommt, sich niederzulassen;. 2. Jedem Einwanderer, der in befriedigender Weise seine gute Führung und seime Befähigung für irgend einen nützlichen Erwerbstzweig 'nachzuweisen vermag, steht — von seiner Ankunft im Lande an — das Recht auf folgende Vergünstigungen zu: 3. Er kann beanspruchen, während fünf auf seinen Ausschiffungstag folgenden- Tagein auf Staatskosten anständig beherbergt und beköstigt zu werden. 4. In den Städten Buenos-Ayres und Rosario wie auch in den Städten, wo ein starker Verkehr von Einwanderern es erheischen sollte, finden die Einwanderer Aufnahme in besonderen, zu diesem Zwecke bestimmten Gebäuden. 5. An den Orten, in welchen besondere Ein wände rungshäuser nicht bestehen, haben die dortigen Kommissionen für Herberge und Beköstigung der Einwanderer in öffentlichen Gasthäusern oder in sonstigen geeigneten Anstalten Sorge zu tragen. 6. Auf Staatskosten nach dem Punkte des Landes befördert zu wierden, an welchem er sich niederlassen will. 7. Gebrauchsgegenstände, Kleider, Hausgeräte, Werkzeuge und Geräte seines Erwerbszweiges sowie ein Jagdgewehr für jeden erwachsenen Einwanderer (auch Frauen) im von der Regierung zu bestimmenden Gesamtwerte, abgabefrei einzuführen. 8. Die Bestimmungen des vorstehenden Artikels werden, soweit es zulässig ist, auf die Frauen und Kinder des Einwanderers ausgedehnt, falls jene) gleichfalls ihre gute Führung und Erwerbsfähigkeit nachzuweisen vermögen. 9. Der Einwanderer, welcher es vorziehen sollte, sich, in einer der inneren Provinzen der Republik oder in einer ihrer Kolonien niederzulassen, wird sofort mit seiner Familie und seinem Gepäcke kostenfrei an-den gewählten Bestimmungisort befördert. 10. Begibt sich der Einwanderer nach einer Provinz, so ist er berechtigt, von der Einwanderungskornmiss'ion' seines Bestimmungsortes für die Zeit von 10 Tagen kostenlos beherbergt und beköstigt zu werden. Anmerkung. Es ist gut, wenn sich die Auswanderer mit Pässen oder irgend welchen Ausweispapieren versehen, aus denen ihre Erwerbsfähigkeit und ihre gute Führung hervorgeht. Die Auswanderung nach Argentinien. (Bericht der Jewish Colon ization Assoc i a t i o n.) Die starke Auswanderung jüdischer Emigranten nach Argentinien hält an; man spricht von 1200—1500 Ankömmlingen im Monate., Jedoch sind die Nachrichten, welche' wir darüber von der Direktion in Argentinien erhielten, geeignet, die Besorgnis zu mildern, welche dieses Hinzuströmen von Leuten ohne Mittel nach einem Lande, wo das jüdische Element noch so schwach ist, in uns hervorgerufen hat. Man schreibt uns tatsächlich, dass dank einer sehr einfachen Organisation die Emigranten ohne Schwierigkeiten placiert werden, dass besonders diejenigen, welche ein Handwerk verstehen, leicht Arbeit finden, ja dass sie sogar von den Meistern sehr begehrt werden, die ihren Fleiss und ihr gutes Betragen rühmend anerkennen. Aus Briefen aus Buenos-Ayres geht hervor, dass die bisherigen Verhältnisse keinen Anlass zu Bedenken geben. Sehr günstig wirkt der Umstand ein, dass manche Emigranten sich weiter in das Innere des Landes begeben, was den doppelten Vorteil hat, dass einerseits Buenos-Ayres nicht überfüllt wird und dass andrerseits sich Zentren bilden, die in der Folge zur Aufnahme neuer Emigranten dienen. Uebrigens nimmt die Prosperität des Landes täglich zu. Dank der guten Ernte und den erhöhten Preisen, weiche man in der letzten Zeit für das Getreide erzielte, ferner dank der guten Entwicklung der Viehzucht wächst der Wohlstand der Bevölkerung. Die Liebig-Gesellschaft geht daran, eine Fabrik für Konserven und Fleischextrakt ganz in der Nähe unserer Kolonien in Entre Rios zu begründen und die Eisenbahngesellschaften dehnen ihr Netz nach dort aus, wodurch der Wert des Bodens steigt. Selbstverständlich haben unsere Kolonien ihren Anteil: an dem -allgemeinen Gedeihen des Landes. Anmerkung. Wenn auch mit diesem Berichte der Ica im grossen und ganzen die Nachrichten übereinstimmen, die unserem Bureau zugehen, so muss doch gesagt werden, dass in der letzten Zeit sich eine starke rückläufige Bewegung bemerkbar macht; viele jüdische Emigranten verlassen Argentinien wieder, weil es ihnen nicht gelungen ist, dort Arbeit zu finden, ausserdem sind viele hunderte von jüdischen Arbeitslosen, z. B. in Buenos-Ayres. Aus Russland. Erst jetzt, nach Beendigung des Krieges mit Japan erfuhr man in Russland, welchen Heldenmut die jüdischen Soldaten auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze bekundet haben. Verschiedene Reßnmenfckommandanten und viele Abteilungschefs, welche dieser Tage, vom Kriegsschauplatze heimkehrend, in Moskau, Petersburg und Kiew eingetroffen sind, erzählten von der von den jüdischen Soldaten auf dem mandschurischen Kriegsschauplatze bekundeten Bravour und Todesverachtung wahre Wunderdinge. Diese Erzählungen übertreffen in vieler Hinsicht die, welche man über den Heldenmut der jüdischen Soldaten in der Mandschurei in dem bekannten Buche „Die Wahrheit über den Krieg" von T a b u r r o, dem Kriegskorrespondenten der antisemitischen „Nowoje Wremja", findet. Von grösster Wirkung ist j«doch der jüngste Tagesbefehl, welche General Zerepitzki, der Chef des 4. Korps in der Mandschurei, neulich erlassen hat. Der Tagesbefehl ist den Wundertaten des Kanoniers Leiser Lichtermacher gewidmet. General Zerepitzki erzählt in ergreifenden Worten, wie dieser jüdische Kanonier in allen Schlachten und in vielen Gefechten unter beispielloser Todesverachtung den Japanern unermesslichen Schaden zugefügt hatte, wie dieser Jude sogar nach erfolgter Amputierung der linken Hand, welche er mit beispiellosem Heroismus überstand, den Frontdienst wieder versah und einarmig die Kanone auch ferner mit unübertrefflicher Präzision und Treffsicherheit bediente. General Zerepitzki fügt dem Tagesbefehle bei, dass er in Kenntnis von Tatsachen sei, welche beweisen, dass in der russischen Armee viele Lichtermacher vorhanden sind. Erfährt man aber, < welchen Verfolgungen und Schikanen jüdische, vom mandschurischen Kriesschauplatz