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Die Welt · 1905-10-13 · 41 (13.10.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
41 (13.10.1905)
Date
1905-10-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bie & Weit Nr. 41 jüdischen Studenten aus Russlarid von der Presse immer mehr bestärkt. Nun werden sie ihre beschämende Ansicht vom Idealismus auf deutschen Universitäten zu Haus6 behalten. Man hat gnädig gestattet, dass sie sich zu Hause plagen dürfen auf den Schulen, die vom Steuergeld ihrer Väter immer erhalten wurden, auch wenn man die Söhne ins Ausland schickte. Pessimisten haben die Meinung ausgesprochen, dass die Regierung das Treiben ihrer Studenten im Auslande schon lange mit scheelen Augen angesehen hätte und es nun vorziehe, sie unter den Augen und an der festen Hand zu haben. Mögen die Hunderte, die eine Erleichterung gefunden haben, jedenfalls in ihrem von uns bewunderten Idealismus die Gelegenheit benützen, um sich zu Führern und Lehrern ihres schwergeprüften Volkes auszubilden. Der Unterrichtsminister war zwar freundlich — nicht ganz, denn das Sieb der Zulassung an öffentliche Schulen ünd Gymnasien ist bestehen geblieben — aber der Minister des Innern war es nicht und er hat mit keiner Freiheit den hungernden Massen das Brot geboten, wie sein Kollege einigen hunderten Menschen das Brot des Geistes. Wir im Westen warten gespannt auf die Mithilfe der starken, im Kampfe gestählten brüderlichen Geister Russlands, die sich jetzt in Moral, Ethik und Wissen heranbilden, damit wir zusammen die Möglichkeiten aus der Welt schaffen, uns geistig zu unterdrücken. Möge die Lösung der russischen Universitäsfrage ein Hilfsmittel werden, die Frage der jüdischen Universität zu lösen. J. Upfimny. Lieber als Australneger. Manchmal schlägt die Weltgeschichte,, die ernst durchs Feld der Schicksale schreitende Göttin, Kapriolen. Besonders wenn sie ihren Weg durch jüdische Quartiere nimmt, gefällt sie sich in exzentrischen Turnerstückchen, Und dann erweist es sich, dass wir wirklich ein auserwähltes Volk sind, im günstigen und ungünstigen Sinne des Wortes: so durch die Krümme, so jenseits aller Berechnung, alier Kombination wird doch kein anderes Volk seinen Weg geführt. Ein Jules Verne oder ein H. G. Wells werden gebeten, aus der Prämisse „Russland führt Krieg mit Japan und wird besiegt" den Schluss zu ziehen, der sich ihrer wildesten, unlogischesten Phantasie aus dieser Prämisse für die Juden ergibt. Sie mögen sich anstrengen, so viel sie wollen, und raten und rätseln ,so viel sie können. Ihr utopistischer Roman wird wahrscheinlicher klingen, als der Bericht der Wirklichkeit: Australien wendet sich an Japan und bittet es, ihm seine russisch-jüdischen Gefangenen zu überlassen. Das ist nämlich die wahre Wirklichkeit. Mr. F. Jones, der Generalkonsul des Staates Queensland (Australien) im fernen .Osten, der sich vor einiger Zeit im Auftrage seiner Regieiung nach Tokio begab, um mit der japanischen Regierung über eine Reihe von Fragen des australischen Exports nach. Japan zu unterhandeln, hat unter anderem auch die Mission, der Tokioter Regierung einen Antrag in bezug auf ihre Juden zu stellen. „Ihre"' Juden heissen in diesem Falle die russischjüdischen Soldaten, die im Kriege zu Gefangenen gemacht und in Japan interniert worden waren. Es gibt ihrer eine stattliche Anzahl, sie haben sogar, wie man vor einiger Zeit hörte, einen zionistischen Verein gegründet und sammeln fleissig Schekolim. Gute Juden also, deren künftiges Schicksal uns im hohen Grade interessiert. Mr. Jones will nun, einer Meldung des; Shanghaier „Israels Messenger4' zufolge, von der Tokioter Regierun gdieErlaubniser wirken, diesen Juden eine neue Heimat in Australien anzubieten. Natürlich nur jenen, die nicht gerne nach Russland zurückkehren möchten. Mr. Jones konferierte vor seiner Abreise nach Ja.pa.rL. mit mehreren Mitgliedern der Shanghaier Juden^emeinäe;%^er seinen Plan, der vom „Japan Chronicle" in:.folgender Weise kommentiert wird: „Es lässt sich daran zweifeln, ob die6£apanische Regierung einen solchen Plan begünstigen wird, der; fein Präzedenz schaffen und int künftigen Fällen Verwicklungen, hervorrufen könnte, indem den kriegführenden" Parteien die-Entscheidung über die Zukunft der in ihre Hände gefallenen Streitkräfte anheimgestellt würde. .Andrerseits darf .man woht äie Frage aufwerfen, ob die russische Regierung irgend welche Einwendungen dagegen erheben würde, von einem Teile ihreniüdischen Bevölkerung befreit zu werden." Die Meldung von dem Schritte der Queensländer Regierung ist merkwürdig genug, um uns nach weiteren Einzelheiten begierig zu macheu. Wir finden solche, in einem Thterviewr das der Gehilfe des Londoner Generalagenten für Queesland einem Vertreter des „J. Chr." gewährte. Wir erfahren da, dass Queensland sich heftig nach Ansiedlern mit agrikultureller Vorbildung und wenn auch nur geringen Kapitalsmitteln sehnt — kein Wunder, wenn man bedenkt, dass das ganze,, riesig grosse Australien eine Bevölkerung von nur vier Millionen hat, dass die Städte übervölkert, das flache Land aber schwach besetzte ist. Wir hören ferner, dass Ansiedler den Boden zu sehr niedri- . gen Preisen erhalten, dass Queensland Zucker, Kaffee^. Tabak, } Weizen, Gerste (in besonders guter Qualität) und Hafer produziert; dass starke Mengen von Bananen, Orangen usw. nach Sydney und Melbourne verkauft werden; dass ein Settlement. etwa 400 Pfund Sterling Anlagekapital erfordern würde. Sehr interessant ist. die - Vorgeschichte des von Queensland bei der japanischen Regierung unternommenen Schrittes, Der Generalagent gestattet freimütig Einblick in die Kulisse der Motive. Bisher rekrutierte sich die Majorität der Landarbeiter aus dem australischen Eingeborenenstamme der Kanakas, die auf den Zucker- und Kaffeeplantagen für einen Monatslohn von 12 Shilling (14 Kronen 40 Heller) arbeiteten. Leute, die ihre Arbeit für solchen Schundlohn hergeben, passten aber der Arbeiterpartei (Labor party) nicht, und diese einflussreiche Partei erwirkte die Entfernung der Kanakas, obwohl deren.jetzige Gereration bereits, in Queensland geboren ist und englisch spricht. Dagegen hätte (meint der Gewährsmann des „J.Chr.£k) die Arbeiterpartei keine Handhabe gegen die Heranziehung weisser Ansiedler, die keine solchen Lohndrücker wären, wie die Kanakas. Das Einwanderungsgesetz von 1901 ist denn auch in der Hauptsache gegen farbige Einwanderer gerichtet. Der Einwanderer muss die Kenntnis einer europäischen Sprache nachweisen können. Ob der russische Judenjargon dabei als europäische Sprache anerkannt würde, wusste der Gewährsmann nicht anzugeben. Im übrigen schliesst das Immigratiönsgesetz solche Einwanderer aus, von denen vorausgesetzt werden kann, dass sie in kurzer Zeit der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen würden. Dagegen lässt sich's die Regierung etwas kosten, wenn sie die richtigen, geeigneten Ansiedler bekommen kann. Die schon ansässigen Ansiedler können nämlich ihre Freunde und Verwandten aus der Heimat nachkommen lassen und die Regierung beteiligt sich mit zirka zwei Dritteln an den Ueberfahrtskosten. Es würde demnach, erklärte der Australier schliesslich, auf keine Schwierigkeiten stossen, wenn jüdische philanthropische Organisationen eine Immigration nach Queensland einleiten würden — vorausgesetzt,: dass diese Organisationen die richtigen Ansiedler auswählen u n d ruhig arbeiten. Soweit das bisher vorliegende informierende Material zu der auf jeden Fall merkwürdigen Angelegenheit, deren Besprechung wir mit ein paar bescheidenen Bemerkungen schliessen wollen. Nach Uganda — Australien. Ein von Herzl formuliertes Gesetz erhält jetzt die abrundende Bestätigung. Länder, wo die jüdische Bevölkerungsbeimischung den Sättigungsgrad erreicht,

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