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Die Welt · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 „ble # Welt" Seite 15 Das Geschenk Qlicensteins an das jüdische Volk. [rinke Seitenansicht. L (Siehe Separafausgabe der Welt Pom 7. Kongr. 3fid. Kunst am Kongress p. — y.) j Jetzt, da ich dies schreibe, weiss ich, dass das Kalb nicht den Mittelpunkt der Schöpfung bildet: Beweis ist> dass daa Kalb schon geschlachtet wurde und die Welt doch weitergeht. Damals aber meinte ich, dass alles Dasein sich im Kälblein konzentriert, dass alles nur gleichsam seine Verkörperung, ein Schatten seines Wesens -sei* Am nächsten Abend fand ich, als ich nach Hause kam, den Schlächter mit der Mutter unterhandeln —- im Laufe des Gespräches kaufte er von ihr das Fell des Kälbleins. Damals schwieg ich, denn meine Mutter hatte mir gestern gesagt, dass ich ein Tor sei — aber mein Geist tobte in mir und mein Herz pochte wie ein Hammer. Dann dachte ie£; „Sin ich denn wirklich ein Tor? Warum? Wer kann sagen, dass man sich dieses schönen Kälbleins nicht erbarmen soll? Meine Mutter sagte so oft, man solle sich aller Lebewesen erbarmen Und nicht grausam sein. Nicht grausam sein und schlachten? Sich erbarmen und schlachten? Meine Matter sagte so» Aber wer kann sagen, dass sie recht hat? Doch wie? Dort die Mutter? Können Mütter irren? Herr der Weltl In deiner Hand sind beide, meine Mutter und das Kälblein, warum hast du den Hauch des Lebens in das Kälblein gegossen und ins Herz meiner Mutter den Wunsch, es zu töten? Herr der Welt! Dieses Kälblein, das du gebildet mit all seinen Gliedern und Adern, dem du die Kraft und Zähigkeit verliehen hast, viele Jahre auf der Erde zu leben: warum wird es geschlachtet? Gott und Herr, vor dir ist es ja offenbar, dass dieses Kalb geschlachtet wird und jenes nicht: warum hast du dann jene Kälber geschaffen, die nur zur Schlachtung da sind, warum hast du ihnen Kraft gegeben, um noch Leben zu zeugen? Und

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