Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 „bi$ # W$lt" Nn 40 Das Qesqhcnk Qlicensteins an das jüdische Volk. -"W';:^- ~ ■ ■ W.'M X* ' * 4 ■ . is :wk-r- & : «-w 1 . '/i'*. *^nrjr< 4 5V ' V *l^vf$'v <*•"';." -V- . V ' Vr' /■ 5 flElS QENIU3 Rechte Seitenansicht. ^_(Siehe Separatausgabe der Welt vom 7. Kongr. Süd. KunstramKongress v. — y.)^ Als ich wieder in die Küche kam, um das Kälblein zu besuchen, die Lust meines Sehnens und die Liebe meines Herzens, und als ich seine Augen sah, die auf mich gerichtet waren und gleichsam um Milde und Erbarmen flehten, da überströmten meine Augen von Tränen, voll In brüst stürzte ich hin, betastete sein Fell — heisse Tropfen fielen auf seinen Hals — ich küsste es und hörte nicht auf zu weinen. In jener Nacht kamen mir viele Gedanken. Da empfand ich wie nie zuvor, als ob ein Vogel tief in meinen Kopf sich eingebohrt hätte und darin mit scharfem Schnabel nagte. Und ich glaubte eine Stimme zu hören: „Chophni, wozu ist dieses Kälblein zur Welt gekommen? Um geschlachtet zu werden? Und wann wird man es schlachten? Und wenn es nur dazu geboren würde, konnte es nicht hässliche Borsten tragen und schwarz wie Tinte sein. Und man will meine Mutter es schlachten lassen? Und wer gab ihr das Recht, dieses schöne Kälblein zu schlachten?* In dieser Nacht gelobte ich achtzehn Kopeken für die Kasse Rabbi Meirs, des Wundertäters, dass er das Herz meiner Mutter zum Guten wende für das Knablein. Dann schlief ich ein. — Im Traume war das Kälblein gebunden, cjer Schächter stand vor ihm, das Messer in der Hand, ein Augenblick — das Kälblein zuckte und verblutete. Morgens, als ich vom Bette aufstand, lief ich sofprt in den Stall und fand noch zu meiner Freude mein Kälblein daliegen in friedvollem Schlummer, lebendig und gesund, seine Mutter beugte sich herab und leckte sein Fell, strich durch seine Härchen, Reihe um Reihe.