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Die Welt · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bie $ w^it Nr. 40 sechste Kongress das Angebot der englischem Regierung in Erwägung zog, obwohl ihm bekannt war, dass von den zionistischen Fonds absolut nichts in Ostafrika verwendet wer dien sollte. Damals wäre die Gründung einer Organisation von Vorteil gewesen, die den Zweck gehabt hätte, bei günstigem Ausfalle des Kommissionsberichtes -die Kolonisation zu leiten und zu finanzieren. Aber Zangwiil wartete damit so lange, bis er endlich sicher war, dass man das Anerbieten nicht annehmen könne. Tatsache sei, dass Zangwiil die Kongressresolutionen ebenso missverstehe, wie Ussischkin das Ostafrikaangebot. Ussischkin fa.sste den Ostafrikaplan als ein Aufgaben Palästinas auf, Zangwiil sehe in den Beschlüssen des Kongresses ein Aufgeben des politischen Zionismus. Beides sei unrichtig. Tatsächlich habe Ussischkin bereits zugegeben, dass der siebente Kongress uns bezüglich des Baseler Programmes keine Aeiiderung gebracht habe und ebenso sei es sicher, dass wir in politischer Beziehung zielbewusst weiter arbeiten werden, trotzdem dies durch Zangwills Assoziation etwas erschwert werde. Denn wenn dieselbe überhaupt einen Einfluss auf den Zionismus haben werde, so könne dies kehr anderer seinv als unsere Organisation zu schwächen. Wenn schon kein anderer Schaden entstehe, so werden uns Zangwills und seiner Anhänger wertvolle Arbeitskraft entzogen. Jedoch ist Greenberg der Ansicht, dass Zangwiil. nach reiflicher Ueberlegung einsehen werde, dass seine Differenzen mit der zionistischen Organisation so geringfügiger Natur seien, dass sein Platz innerhalb des Zionismus sei. Zu den brennenden Streitfragen innerhalb der russischen Judenhe-.it gehört die Frage des Schulbesuches. Die Vorgänge an der Moskauer und Petersburger Universität und die nach vollständiger „akademischer Freiheit" aussehenden Resultate geben dem „Fraind" Anlass zu folgenden Betrachtungen: „Das ganze akademische Leben bleibt nach wie vor beschränkt und es kann von einer akademischen Freiheit absolut keine Rede sein. Die Behörden au den Lehranstalten hängen noch immer von der Bureaukratie ab und die Studenten, wenn sie noch so frei denken, müssten immer auf Zusammenstösse mit dieser rechnen. Das beweist die Frage der jüdischen Studentenschaft. Bekanntlich haben die Moskauer Studenten sich an die Universitätsbehörde mit der Bitte gewiendet, 80 jüdische Kollegen, die infolge prozentueller Einschränkung zurückgewiesen wurden, aufzunehmen. Da das Petersburger Professorenkoliegium letztens beschlossen hat, alle Juden, die den Eintritt verlangen, zuzulassen, ist vorauszusetzen, dass auch die Moskauer Professoren die 80 Bittsteller nicht abweisen werden. Aber was nützen solche: Beschlüsse, wenn der Minister für Unterricht sie nicht bestätigen kann? Dieser steht auf dem Boden des Gesetzes und er kann den Professoren die Ueberschreitung eines Gesetzes nicht gestatten. Aber selbst wenn der Minister in dem einen Falle „Gnade üben" und jüdische Studenten heuer gegen das Gesetz zur höheren Bildung zulassen wollte, was wird im nächsten Jahre und an anderen Universitäten auch noch heuer geschehen? Es müssten wieder einmal Professoren und Studenten für die jüdischen Studenten betteln gehen und sich aus Kämpfern für Freiheit zu Bittstellern bei der Bureaukratie verwandeln. Dadurch würden sie die akademische Freiheit mit eigenen Händen in ihren Grundfesten untergraben. Der „Hazefirah" zufolge werden in vielen jüdischen Genieinden Pusslauds Vorbereitungen für die Wahlen in die R e i c h sd irm a getroffen, mit Ausnahme von Petersburg, wo in dieser Beziehung nach der Mitteilung ihres Korrespondenten wenig geschehen ist. Dagegen werde dort die Kandidatur d.ps Barons David Ginzburg lebhaft diskutiert, da derselbe ein guter Jude und in jüdischen Disziplinen gut unterrichtet und so berufen sei, in der Judenfrage mitzusprechen. F:erzu bemerkt die Redaktion, dass es nicht genüge, einen unterrichteten und kundigen offiziellen Vertreter zu entsenden, es müssen vielmehr in möglichst erreichbarer Zahl Juden gewählt werden, die jüdisch erzogen wurden, jüdisch denken und fühlen und ihr Leben dem Judentum widmen.. Bezüglich der Wahlverhältnissc im Königreiche Polen macht die „Hazefirah" aufmerksam, es seien von. den 36 auf das Land entfallenden Abgeordneten 6 bis 7 Juden zu wählen und diese müssten Vertreter sein, die lleii Anforderungen des jüdischen Lebens entsprechen. Es müssten unter ihnen je einer aus Warschau und Lodz sein. Es sei Pflicht, diese 6 bis 7 Mandate zu erkämpfen. Der Redakteur der „Hazefirah", unser Gesinnungsgenoss.c Herr N. S o k o 1 o w, ist mit einem Schreiben des Gehilfen des Staatssekretärs Wereschtschagin nach Petersburg berufen worden, um an der Sitzung der Kommission f ü. r d i e P r e s s r e f o r m e n teilzunehmen und über die hebräische Presse im Russland zu referieren und Vorschläge zu machen,. B. Die Brünneiri „Jüdische Volksstimme" bemerkt in folgendem Artikel anlässlich der aufgeregten politischen Kämpfe zwischen den Deutschen und Tschechen sehr richtig: Der deutsche Volkstag in Brünn. Die Deutschen berufen für den 1. Oktober einen grossen VöL'kstag nach Brünn, um geeen die Begründung einer tschechischen Universität in Brünn Stellung zu nehmen. Der; Aufruf, der die Deutschen Mährens auffordert, an dem Volkstage teilzunehmen, ist auch von einigen jüdischen Bürgermeistern unterzeichnet. Wir haben die Juden dies öfterem aufgefordert, sich in dem Kampfe zwischen Deutschen und Tschechen neutral zu verhalten und bedauern lebhaft, dass einige jüdische Bürgermeister sich dazu hergaben, den deutschen Antisemiten Handlangerdienste zu leisten. Noch mehr wundert es uns, dass jüdische Bürger-' meiste«" sich dazu hergeben, am 1. Oktober, das ist am jüdischer Neujahrstage, deutsehnationale Politik in dem Sinne zu tetreilen, dass sie die Juden, die leider noch immer nicht zum Bewusstsein gekommen sind, dass sie nicht Deutsche, sondern nur Juden sind, auffordern am Rosch-haschonoh sich an dem deutschen Volkstage zu beteiligen. Ein Beweis, wie unangenehm die Juden den Einberufern des deutschen Volkstages sind, ist folgender vielsagender Fall: Wie bereits eingangs erwähnt, haben die Bürgermeister der deutschen Gemeinden den Aufruf unterfertigt und sind die Namen dem Alphabete nach geordnet. Der Zufall wollte es, dass ein jüdischer Bürgermeister, Herr M. Abeles aus Nikoisburg, als erster in der Liste hätte angeführt werden müssen. Natürlich passte dies den deutschnationalen und liberalem Antisemitein nicht in den Kram. Es wurde in diesem Falle ganz einfach ein Arier an erste Stelle gesetzt. Wir glauben hierzu nichts hinzufügen zu müssen und glauben, dass es höchste Zeit ist, dass unsere Stammesgenossen! zum Bewusstsein kommen und sich von diesen versteckien und offenen Antisemiten lossagen. Wir fordern hiermit die Juden der Provinz und Brünns aufA sich an dem deutschen Volkstage nicht zu beteiligen, sowie sich jeder fremdnationalen Politik fernzuhalten. „Frankfurter Israelitisches Familienblatt". Einem „Ungarischen Briefe'* dieses Blattes entnehmen wir folgende Nachricht: „Der „Ungarische Handwerker- und Ackerbauverein" hat in seiner letzten Generalversammlung einen wichtigen Beschluss gefasst Die Tätigkeit des Vereines erstreckte sich Zeit seines Bestehens vornehmlich auf die Förderung des Handwerkes unter den Juden, während ihm die Förderung des Ackerbaues bisnun nur in sehr kleinem Masse gelungen ist. Es liegt das darin, dass es sehr schwer wird., ein ganzes Volk-wieder einem Berufe zuzuführen, dem es gewaltsamerweise entrissen worden ist. Ausserdem stösst die Ausbildung von tüchtigen Bauern insofern auf grosse Schwierigkeiten, da hierzu eine grosse agrarische Versuchsstation nötig ist, die wieder mit immensen Kosten verbunden ist. Um aber doch auch auf diesem Gebiete vorwärtszukommen, hat nun die Generalversammlung beschlossen, in der nächsten Zeit das Augenmerk auf einen bestimmten Teil der Agrikultur zu richten, und zwar auf dje Gartenbauwirtschaft. Laut Beschluss der Versammlung soll eine grössere Kolonie für Gartenbau errichtet werden, in welcher berufsmässige Gärtner ausgebildet werden sollen. Unter den'vielen Arten der Gartenkultur soll der Gemüse- und Blumenkultur die grösste Aufmerksamkeit zugewendet werden. Es ist auf diesem Gebiete wohl ein grösserer Erfolg zu erwarten, da diese Art Gärtnerei durch intensive Kultur auf verhältnismässig kleinem Areal möglich ist. Des weiteren ist der Bedarf an den durch diese Gärtnerei zu erzielenden Produkten sowohl im Lande im Steigen begriffen, wie auch der Export an diesen Artikeln von Jahr zu Jahr wächst. 1904 betrug die Ausfuhrziffer an Gartenbauprodukten 34V2 Millionen Kronen.44 W*^@bi»oi)il<. Ein deutscher Verein, der sich wegen des Rosehhaschonohfestes am deutschen Volkstage nicht beteiligen kann. Wie mitgeteilt wird, erging an den Verein der „96er 4 in Altbrünn die Aufforderung, anlässlich des deutschen Volkstages in Brünn sich an den Demonstrationen zu beteiligen. Der Ausschuss berief zu diesem Behuf© eine Ausschusssitzung ein und der Ausschuss des deutschein Vereines lehnte die Beteiligung mit der Motivierung ab, am jüdischen Neujahrs tage Demonstrationen nicht mitmachen zu können. Die Leute, diie das ganze Jahn Wotan anbeten, wollen wenigstens einmal jährlich dem Gölte Israels dienen. Die skandinavischen Juden. Mit Ausnahme von Spanien und Portugal hat kein Land Europas eine so geringfügige jüdische Bevölkerung, wie die Länder der skandinavischen Halb-

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