Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 40 (6.10.1905)
- Date
- 1905-10-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 „blt # Welt Nr. 40 Jüdischer Volksverein in Teplitz-Schönau. Der Beschluss des österreichischen Parteitages, die Selbstbesteuerung betreffend, wurde in einem Zirkulär sämtlichen Gesinnungsgenossen vermittelt. Gleichzeitig wurden zu diesem Zwecke geeignete Sammelbüchsen verteilt. Am 27. Juli war Herzlfeier. Die Festrede hielt Gesinnungsgenosse S. Steiner. An den Kongress wurde ein ßegrüssungstelegramm abgesandt. Für den Nationalfonds wurde gesammelt und der Kongresspräsident Dr. Max Nordau ins Goldene Buch eingetragen. Am 21. August erstattete Gesinnungsgerosse Dr. Emil Margulies in kleinem Kreise kurzen Bericht über den Kongress. Nationalfondssammlung. Am 16. September Vereinsversammlung. Bericht dea Delegierten Herrn Ludwig Steiner, Vereinsobmann. Folgende Resolution wurde beschlossen : Der jüdische Volksverein „Zion" Teplitz-Schönau spricht nach Anhörung des Berichtes des Kongressdelegierten diesem den wärmsten Dank und das Vertrauen aus. Der Verein „Zion" hat mit freudiger Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass der VIL Kongress das Baseler Programm unverändert erhalten und befestigt hat. Er hat das volle Vertrauen für die neue Leitung und ist erfreut, den Freund unseres verstorbenen Führers, Herrn D. Wolffsohn, an der Spitze der Bewegung zu sehen. Diskussion und Nationalfondssannmlung. Krems a. D. 23. d. Hauptversammlung des „Zion". Sehr gut besucht. Tendenzrede jur. L. Friedmann („Ivria") beifällig aufgenommer. Neue Mitglieder gewonnen. Neuwahl: Obmann J. Sachs, Obmannstellv. S. Kolb, Kassier O. Auspitz, Schriftf. I. Rephan, Kontrollor L. Schlesinger. N.-F. K 7.80. Neumarkt in Gaiizien. 27. August „Bnei Zion" Herzl- Gedenkfeier in imposanter Weise. Der geräumige Saal bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Begrüssungsrede Doktor Kahn (Beif.). Gymnasialschüler Jargonlied „Immer in Zion". Gymnasialprofessor Margulies aus Krakau sprach die ergreifende Gedenkrede (Applaus). Deklamation H. Teichner. Dilettanten Vorstellung. Der I. Akt „Die Juden" von E. Tschirikow. Das Auferstehungslied beschloss die Feier. TarnopoK Verein ..Bar-Kochbaa 3. September sehr gut besuchte Volksversammlung. Dr. J. Waldmann über den VII. Zionistenkongress. (Reicher Beifall.) Nationalfonds über 800 Marken verkauft, auch in barem gesammelt. Kolomea. Jahresbericht, des Vereines „Z'ire Zion". Der Verein entwickelt sich glänzend. Zählt zirka 90 Mitglieder. Unterhält ein geräumiges Lokal und eine sehr schöne, allseits anerkannte Bücherei. Abonniert viele Zeitungen und Zeitschriften. Veranstaltete im Laufe des verstrichenen Vereinsjahres literarische Vorträge und Vorlesungen. Er gab auch zwei Vorstellungen, eine polnische (..Ktör^dy droga") gelegentlich einer Smoienskifeier und eine jüdische (»Die Familie Zwi" von D. Pinski.) Veranstaltete eine Rarnbamfeier und beteiligte sich an der Veranstaltung einer Trauerandacht nach dem verewigten Führer und einem zionistischen Gartenfeste. So wurden auch die allgemeinen zionistischen Institutionen nicht vernachlässigt. Für Nationalfonds wurden K 452.97 gesammelt. Ebenso trug der Verein auch für das Nationalgpschenk, für Herzlstiftung und Nationalbibliothek bei. Half auch mit zur Verbreitung der zionistischen Pre-se und zur Gründung neuer zionistischer Vereine (Horodenka, Jablanitza [Bukowina] Zablotow u. a.), führte hier auch die zionistischen Embleme und sonstigen Gegenstände des Verlages ..Zion" - Wien ein und sammelte viele überstempelte Briefmarken für Nationalfonds. Resultat der Neuwahlen der III. ordentlichen Generalversammlung : Präses Dr. S. Rosenheck. Vizppräses S. Iwanier, Kassier L. Scharf, Sekretär D. Hoffmann, Kontrollor ß. Weliczker. Im Ausschusse : M« Danger, M. Lefkovicz, L. Rosenblatt und S. Haber, Bibliothekar M. Bernstein, Verwalter und Z^itungsverweser L. Rosenblatt. Herr Meier Hemsen, der nunmehr Kolomea verlässt und nach Stanislau übersiedelt, wurde in Anerkennung seiner Verdienste für den Verein und für den Zionismus einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. Nach der Generalversammlung wurde für den Nationalfonds gesammelt. Stanislau. Am 17. und 24. September Berichte der Kongress-Delegierten Dr. Brau de und Dr. Jonas. Lebbafte Diskussion. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. bx*iw pK mb Literarischer Palästina-Almanach für das Jahr 5666. Herausgegeben von A.M. Luncz, XI. Jahrgang, Jerusalem 1905. Druck und Verlag des Herausgebers, (Hebr.) Wir hatten oft Gelegenheit, die Leistungen dieses Herausgebers für die Palästina-Literatur an dieser Stelle zu besprechen. Mit dem 11. Jahrgange seines Almanachs hat er einen weiteren Beitrag geleistet, dem wir eine Reihe von interessanten Aufsätzen zur Kenntnis des heiligen Landes in Vergangenheit und Gegenwart verdanken. Aus dem Inhalte sind hervorzuheben : Eine Abhandlung über „den See Genezareth und die Warmbäder Tiberias" von J. G o 1 d f a r b; eine Skizze des Herausgebers über Hebron, die eine genaue topographische Beschreibung der Stadt sowie der Patriarchengräber und eine historische Würdigung des Ortes enthält; eine Erzählung aus den ereten Zeiten der Kolonisation durch die „Chowewe Zion" : Geschichte und Entwicklung der Kolonie „Petach Tjkwah"; bibliographisches Verzeichnis der in Palästina erschienenen Bücher; die Rothschildschen Humanitäts- und Unterrichtsanstalten in Jerusalem und mehrere andere kleinere Beiträge. Die nach dem Berichte des britischen Konsulates vom Herausgeber zusammengestellten Daten des Ex- und Imports sowie des Schiffsverkehres im Hafen von Jaffa in den Jahren 1903 bis 1904 dürfte jedem Leser, der sich für Palästina interessiert eine willkommene Gabe sein. In der äusseren Ausstattung ist ein glänzender Fortschritt zu verzeichnen, da wir in diesem Almanach zum ersten Mal ein in Palästina schöngedrucktesBuch sehen, während alle bisherigen literarischen Erzeugnisse an Druck und Papier das Schlechteste geboten haben. Diese Neuerung wird sicherlich den Arbeiten des Herausgebers einen höheren Wert verleihen. M. B. Geschichte der Juden in Ung„-Brcd, nebst Biographien von R. Moses Perls, P. Singer, Ad. Jellinek, P. F. Frankl etc., nach Archivalien dargestellt von Dr. Ad. Ffankl-Gr ün, Rabbiner in Kremsier. Wien 1905. Moriz Waizner und Sohn. Ein didaktischer Zweck, der Zweck der Geschichte überhaupt, war es, der den auf dem Gebiete der Homiletik, der Religionsphilosophie, insbesondere aber der jüdischen Geschichte 'rastlos tätigen Verfasser bei dieser seiner jüngsten Schrift leitete. Und wahrlich, die Geschichte einzelner alter und angesehener Gemeinden:, wie es z. B. Ung.-Brod in Mähren ist, muss — abgesehen von allen anderem — schon von diesem — dem didaktischen Gesichtspunkte . -— aus begründet werden. Denn in der Geschichte dieser Gemeinden spiegeln sich alle Phasen der Geschichte des Volkes wieder, und eine Schrift wie die vorliegende ist demnach -für die; Geschichtskundigsn ein kurzes Repetitorium, für den» Unkundigen aber gleichsam eine Kostprobe der Geschichte seines Volkes, Jedem aber gewährt sie einen tieferen Einblick in die Verhältnisse der Juden und ihr Verhalten zu ihrer Umgebung, ihrer Gemeinde und — zueinander. Vor allem aber ist es Stolz, gerechter Stolz, den diese Schrift erwecken wird im Herzen eines jeden Ung.-Broders, Stolz auf die acht Jahrhunderte der Geschichte seiner Muttergemeinde, der so viele Grössen entsprossen sind und die eine längere Zeit hindurch die Führerrolle inne hatte über einen ansehnlichen Teil der ungarischen Gemeinden, von denen manche, wie Trencsen, Verbo, Vägujhely bloss Filialen der Muttergemeinde Ung.-Brod sind, ohne deren Beistimmun^ sie nicht einmal ihren Vorsteher wählen durften. Freilich war das Fntstehen dieser Filialen keinesfalls die Frucht eines Kraft¬ oder Bevölkerungsüberschusses, sondern es war die Folge einer Katastrophe, von der die Gemeinde Ung.-Brod am 20 Tamuz des Jahres 1683 heimgesucht wurde, des Ueberfalles seitens der Kunizzeii, der Scharen des damals gegen Oesterreich mit der Türkei alliierten Tököly. Ein grosser Teil der Gemeinde wurde während des Frühgottesdienstes im Tempel niedejgemacht, vor allem der Prediger Nathan Aschkenasi, dessen noch heute bestehemdes, in drei Spitzen auslaufendes Grabdenkmal daran erinnert, dass er— der, während des Gemetzels in seinen Gebetmantel gehüllt, das Achtzehngebet verrichtete — von dem über seinen Glaubensmut noch mehr erbitterten Bandenführer in drei Stücke zerschnitten wurde. Und nun begannen die Kriegs- und Freiheitshelden ihr1 blutiges Tagewerk, indem sie keine Qual, keine Todesart an den unschuldigem Opfern der damaligen ungarischen Krise unversucht Hessen, und — natürlich — das ganze bewegliche Vermögen plünderten und das unbewegliche zerstörten. Von denen, die sich retten koimte'n, verliessen gar viele für immer die Stätte dieser Greueltaten und flohen in das benachbarte Ungarn, wo sie die früher erwähnten Gemeiinden gründeten und wo manche derer Nachkommen heute eifrige, oft allzu eifrige Anhänger der jetzigem Kuruzzenbewegung sind. ~~ Der interessanteste Teil der Schrift ist jedoch unstreitig das den iiMieren Kämpfen im 19. Jahrhundert gewidmete Kapitel. Dieses Jahrhundert hatte mit jahrhunderte altem Verhältnissen mit einem Male aufgeräumt, und unter seinem Ein-, flusse wolten gar manche Stürmer im Judentum mit allem seit