Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-10-06 · 40 (6.10.1905) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
40 (6.10.1905)
Date
1905-10-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316173--47382-3342251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 „bis # weit11 Nr. 40 wanderer nicht in Berlin heimlich die Züg-e verlassen. Die Logierhäuser werden einer verschärften Kontrolle unterzogen und mit rücksichtsloser Strenge wird namentlich gegen solche Personen vorgegangen, die ohne festen Wohnsitz sind oder berufs- oder gewohnheitsmässig umherziehen, darunter auch gegen Hausierer, fremdländische Auswanderer und Arbeiter. Die Einwanderungsländer. Ca na da. Mit dem Schlüsse des September beginnt in Canada die tote Saison. Der meistenteils sehr harte und lange Winter bietet den Einwanderern keine Gelegenheit, Arbeit zu finden. Deswegen, sollte jede Auswanderung nach Canada von jetzt bis zum April, dem Beginn des Frühlings, unterbleiben. Nur wer genügende Mittel, um den Winter durchzukommen, oder wer Verwandte oder Freunde hat, bei denen er auch ohne Arbeit im Winter verbleiben kann oder die ihm trotz des Winters Arbeit verschaffen können, darf zur Winterszeit nach Canada auswandern. Australien. F in w a n d e r u n g s b e s c h r ä n k u ng e n. (Commonwealth Immigration Restriction Act 1901.) Verboten ist die Einwanderung der folgenden Personen: a) einer jeden Person, welche nicht imstande ist, auf die Aufforderung des Beamten in dessen Gegenwart ein Diktat von 50 Worten in irgend einer europäischen Sprache niederzuschreiben und mit seinem Namen zu unterzeichnen; b) einer jeden Person, welche nach Meinung des Ministers für auswärtige Angelegenheiten octer des Einwanderungsbeamten voraussichtlich dem Staate beziehungsweise einer öffentlichen oder Wohltätigkeitsanstalt zur Last fallen wird; c) von Idioten und wahnsinnigen Personen; d) einer jeden Person, welche mit einer ansteckenden oder übertragbaren Krankheit von ekelerregendem oder gefährlichem Charakter behaftet ist; •e) von Prostituierten. Kupplern und Zuhältern; f) einer jeden Person, die bereits vor ihrer Ankunft -einen» Kontrakt oder ein Abkommen geschlossen hat, die sie zur Arbeitsleistung verpflichten (geringe Ausnahmen für Schiffsbesatzungen und solche Arbeiter von besonderer Geschicklichkeit, die vom Minister die Erlaubnis erhalten). Ausgenommen 'sind (ausser verschiedenen, die für Auswanderer nicht weiter in Betracht kommen): 1. Eine Ehefrau, die ihren Mann begleitet, wenn diesem die Einwanderung nicht verboten ist; — Kinder unter 13 Jahren in Begleitung ihres Vaters oder ihrer Mutter, wenn dem Vater oder der Mutter die Einwanderung gestattet ist; 2. Personen, die den Nachweis erbringen, dass sie früher bereits in' einem australischen Staate oder in einer Kolonie, die jetzt ein Staat geworden ist, gewohnt haben. Die einzelnen Staaten haben noch lokale Beschränkungen, die sich aber nach derselben Richtung hin bewegen, wie die obigen für ganz Australien gültigen Bestimmungen. Kleine Mitteilungen. Frauen und Kinder. Viele Frauen, die von ihren Männern Schifiskarten erhalten haben und daraufhin mit ihren Kindern die Reise antreten, geraten ins tiefste Elend, weil sehr häufig die Schiffskarten nur für die Frau allein, nicht auch für die Kinder oder für alle Kinder gültig; sind. Solche Frauen werden von den Behörden in den Durchwanderungsländern an ihrer Weiterreise gehindert und oftmals nach der Grenze zurückgebracht. Vor der Abreise muss daher darauf geachtet werden, ob auch für die Kinder die Ueberfahrt bezahlt ist, und wenn das nicht der Fall ist, dann müssen sich solche Frauen vor Antritt der Reise mit dem nötigen Oelde versehen, um die Karten für die Kinder nachlösen zu können. Auf eine Hilfe in Deutschland und England oder sonstigen Ländern ist nicht zu rechnen, da alle jüdischen Organisationen jedwede Geld- Unterstützung an Auswanderer abzulehnen verpflichtet sind. Einwanderung nach Grossbritannien im Jahre 1904. Wir brachten in Nummer 4 der Zeitschrift Angaben über die Einwanderung nach Grossbritannien bis zum Jahre 1903. Inzwischen sind neue Statistical Tables relating to Emigration and Immigration froih and into the United kingdom in the Jear 1904 (London 1905) erschienen, auf Grund deren wir die Zahl der Einwanderer im Jahre 1904 angeben können. Freilich lässt sich die Zahl der Juden darunter nicht mit absoluter Genauigkeit bestimmen, da die englischen Einwanderungsbehörden nicht die Konfession, sondern nur die Nationalität der Einwanderer feststellen; doch lässt sich die Zahl der Juden annähernd berechnen, da die als Russen, Polen und Rumänen bezeichneten Einwanderer, wie auch der Bericht der Einwanderungsbehörde zum Ausdruck bringt, zum allergrössten Teile Juden sind. Die Tabelle zeigt, dass die Zahl der eingewanderten Russen und Polen im Jahre 1904 gegen das Vorjahr ganz bedeutend (um mehr als 50°/0) zugenommen hat. Die Steigerung der gesamten Einwanderung von 69.198 Personen im Jahre 1904 ist lediglich durch die gestiegene Zahl der eingewanderten Russen und Polen verursacht. Die Zahl der eingewanderten Rumänen hat keine wesentliche Aenderung erfahren, die Zahl der einwandernden Oesterreicher und Ungarn, unter denen sich auch ein grosser Prozentsatz Juden befindet, ist sogar erheblich zurückgegangen. Nach den kontinentalen Einschiffungshäfen geordnet, kamen von den 46.095 russischen und polnischen Einwanderern 14.026 oder 30°/o von Hamburg, 7935 oder 17% von Bremen, 7634 oder 17°/0 von Libau und 12.110 oder 26% von Rotterdam. 35.651 oder 77% der Russen und Polen und 257 =50°/, der Rumänen kamen in London, die übrigen in den anderen englischen Häfen an. Unter den 46.095 Russen und Polen waren 30.443 (erwachsene) Männer, 8984 Frauen und 6668 Kinder. An den Jewish Board of Guardians in London wendeten sich 6602 Personen mit dem Gesuch um Unterstützung. In 6018 Fällen wurde die Unterstützung gewährt, die im ganzen 22.859 Personen zugute kam. In 2807 von den 6018 Fällen handelt es sich um Unterstützungsgesuche neu angekommener Juden von dem Russo Jewish and Jewish Board of Guardians Conjoint Committee wurde ferner in 397 Fällen 620 Unterstützungsgesuche) an 1111 Personen Unterstützung gewährt Nationalität Es wanderten ein im Jahre A. CA VI V/ XX d-L A. \ C* %i 1904 | 1903 | 1902 46.095 30.046 28.511 Norwegen, Schweden und Dänen. 4.827 4.702 5.028 7.048 7.502 6.965 4.082 3.761 2.456 6.564 6.495 6.637 Oeeterreicher und Ungarn ... 2.199 4.005 3.144 513 565 1.282 Andere Nationalitäten..... 5.181 5.047 4.714 Zusammen . . . 82.845 69.168 | 66.471 (»Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden*.) Aus Russland. Mit der dieser Tage erfolgenden Rückkehr des Staatssekretärs v.Witte nach Petersburg wird auch die Beratung der vielgeprüften jüdischen Frage in Angriff genommen werden. Wie es sich nämlich jetzt als zuverlässig erweist, wurde im Ministerkomitee beschlossen, ein#»neue Kommission einzusetzen, welcher die Aulgabe gestellt werden soll, das gesamte Material, welches bis jetzt von den Kommissionen zur jüdischen Frage in Russland gesammelt wurde, zu sichten und auf Grund dieses Materials ein Gutachten zu verfassen, das der im Jänner zusammentretenden Reichsduma u aterbreitet werden wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.