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Die Welt · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 37 „bi* # W^lt" Seite IS Kultusgemeinde. Ferner hatten Vertreter gesandt: die jüd.- akademieche Verbindung? UnitasK-Wien, „Veritas"-Brünn, „Gamala"-Göding, die Zionisten von Gaya. Für das Distriktskomitee war Gg. Leopold Sonnenfeld aus ÜDgarisch-Ostra erschienen. Festrede hielt A. H. Doktor Emil Schmitz, Tendenzrede cand. phil. Arthur Freud, Toaste cand. med. Theodor Kohn und Herr Eabbinatskandidat Johann Stösser, deren Ausführungen tosender Beifall folgte. Ortsrabbiner Doktor Hoff dankte der Verbindung für ihr Erscheinen und präzisierte seine Stellung zum Zionismus in kurzen, mit Beifall aufgenommenen Worten. Den inoffiziellen Teil bildeten Rezitationen des ßb. cand. jur. Leopold Fischer, Musik- und Gesangsvorträge der Damen Frl. Frankl, Tochter des Roschhakols, Frl. Kaiser und Bb. cand. jur. E. Weil deren Vorträge gleichsfalls starken Applaus fanden. Hierauf folgte ein animiertes Kränzchen. Ein schönes Fest und für den Anfang vielversprechend. Ung.-Ostra* Nationalfonds 203 K. Die jüd.-akad. Ferialverbindung „Aschiwah" in Ung.-Hradisch veranstaltete hier am 20. August ein Gartenfest und Tanzkränzchen, das dank dem freundlichen Bemühen des Damenkomitees und des Herrn Leopold Sommerfeld, Mitglied des mähr.-schlesischen Distriktskomitees einen glänzenden Erfolg hatte. Allen, welche zum Gelingen des Festes beigetragen, sei hiemit bestens gedankt. Czortköw. Die zionistische Jugend am 30. August Abend, an dem die „Die Juden", Schauspiel in 4 Akten von Eugen Tschirikow, zum 2. Male aufgeführt wurden. Vorstellung über alles Erwarten vortrefflich. Die Rollen waren mit folgenden Damen und Herren besetzt: Leiser Frenkel (Herr Rosenzweig), Lija, seine Tochter (Frl. Friedmann), Boruch, sein Sohn (Herr Waldmann), Beresin, Boruchs Freund, (Herr Schorr, ,.Zephirah"-Czernowitz); Iserson, Fabriksarbeiter (Herr Dressler), Nachrnann, der Lehrer (Herr Birnbaum), Dr. Fuhrmann (Herr M. Axelrad) Schloime, Uhrmachergehilfe (Herr Brettschneider), Srul, der Zeitungsverkäufer (Herr Feder), Aron, Leisers Bruder (Herr Sternberg) Chana, seine Frau (Frl. Heller), Tante Sara (Frl. Salzinger). Mascha, Dienstmädchen (Fr). Axelrad) und Pan (Herr Starer). Zum Schlüsse lebendes Bild „Herzls Traum'" Stimmung sehr animiert. Der Reinertrag teils d^n jüdischen Stadtarmen, dem hiesigen Zionsvereine und 20 K dem Nationalfonds. R. B. Bücher und Zeitschriften-Rundschau. Das letzte Heft des „New Era Magazine** kann man füglich als J o Ii n Ha y - Nummer bezeichnen. Nicht weniger als fünf Artikel sind dem Andenken dieses grossen Menschenfreundes, Poeten und Staatsmannes gewidmet. Wie die amerikanische Judenheit ihn schätzte und verehrte, ersehen wir aus einer Sammlung von Urteilen hervorragender amerikanischer Juden über sein Leben und Wirken. Die besten jüdischen Namem finden wir da. Greenbaum, Lessler, Seligmann, Dr. Silvermann und Oscar S. Strauss in New York, Solomons und Luden Wolf in Washington, Sulzberger in Philadelphia. Einige standen ihm persönlich nahe, andere kennen ihn nur durch seine Tätigkeit als Staatssekretär, alle aber sind einig in der tiefen Trauer über seinen frühen Tod und in der Ansicht, dass das Judentum durch sein Hinscheiden einen seiner treuesten und mächtigsten Freunde verloren habe, dessen segensreiche Tätigkeit in vollem Umfange die künftige jüdische Geschichtsschreibung würdigen werde. Mit dem Lebenslaufe dieses edlen Diplomaten, mit den so wenig diplomatischen Qualitäten einer offenen, geraden Denkungsari eines für alles Elend empfänglichen Herzens und eines tiefen, poetischen Gemütes b-efasst sich ein anziehend geschriebener Aufsatz von Eugene H. Lehmami, der besonders sein Verhältnis zum Judentum und sejn Eintreten für die verfolgten rumänischen und. russischen Juden bespricht. Ein vorzüglich ausgeführtes Porträt und das Faksimile der Kiscbenew-Petitiou mit dem Begleitschreiben Hays an den Botschafter Rid.dle in St. Petersburg bilden eine wertvolle und willkommene Beigabe dieses Artikels. John Hay entstammte einer schottischen Familie und wurde im Jahre 1838 is Salem im Staate Indiana geboren.. Bereits mit 20 Jahren erlangte er an der Brown-Universität den akademischen Grad und gleichzeitig die Würde als Klassenpoet mit seiner Dichtung ,,Erato", einer Nachahmung Popes. Um diese Zeit lernte ihn Abraham Lincoln kennen und brachte ihn in seine Kanzlei, wo der junge Hay das Studium der Rechte begann. Unter Lincolns mächtigem Schutze hatte er bald Gelegenheit, sein reiches Talent zu entfalten und kam rasch in leitende Stellungen. Als Privatseknetär Lincolns kam er nach Washington, ging dann in diplomatischen Sendungen nach Paris, Wien, Madrid und London, um in das Weisse Haus unter dem Präsidenten Flayes als erster Unterstaatssekretär zurückzukehreji. Seine poetischen Schöpfungen aus dieser Zeit, die „Pi'ke County Ballade44, die in Spanien geschriebenen „Castilian Days", das gemeinsam mit Nicolay verfasiste Leben Lincolus, seine vielen Essays und Reden zeigen in jeder Zeile den warmempfindenden Menschenfreund, der nur in die richtige Stellung zu kommen braucht, um seine hohen Ideen in die erlösende Tat umzusetzen. Und als er vom Präsidenten Mac Kinley zum Staatssekretär ernannt wurde, hat er als solcher gehalten, was der Poet versprochen hatte. Die rumänischen Judenverfolgungen im Jahre 1902 gaben ihm den ersten Anlass, in der historisch gewordenen rumänischen Note vom IL August 1902 für die verfolgten Juden in einer der zünftigen Diplomatie ganz neuen Weise einzutreten. Amerika hatte bereits im Jahre 1872, als Rumänien noch unter türkischer Oberherrschaft stand, durch den Präsidtenten Grant gegen die Misshandlung der eingeborenen Juden protestiert. Als im Berliner Kongresse, dessen Einhaltung die Signatajmächte übernahmen, die vollständige Gleichberechtigung aller Religionen in Rumänien ausgesprochen wurde, wurde dies in Amerika als Erfolg dieses Einspruches aufgefasst und freudig begrüsst. Als aber die Zustände immer unerträglicher wurden, als die dortigen Juden Fremde, ohne die Rechte der Eingeborenen und ohne den Schutz der Fremden, wurden, als schliesslich die Verfolgungen tausende von Juden zur Auswanderung zwangen, ergriff Hay im ,,Namen der Menschlichkeit und des ewigen Rechtes44 das Wort. Schwer war es, die Berechtigung dieses Einspruches zu begründen. Aber Hays diplomatische Fähigkeiten schreckten vor diesen Schwierigkeiten nicht zurück. Zunächst schlug er Rumänien eine Naturalisierungskonvention: vor: der in Amerika naturalisierte Fremde sollte in Rumänien vollberechtigt sein. Ein diesbezüglicher Präliminarvertrag, welcher leider nie bekannt wurde, wurde auch tatsächlich in Bukarest vom amerikanischen Gesandten Charles S. Francis und vom damaligen rumänischen Minister vereinbart und vom amerikanischen Staatsdepartement genehmigt. Indem Hay für diesen Vertrag dem Gesandten der Vereinigten Staaten Instruktionen übersandte, schrieb er zuerst jenes Dokument., das später als Zirkularnote an die Mächte erging" und als rumänische Note bekannt wurde. Dem Präliminarvertra^e wurde von König Carol die Genehmigung' versagt. Als Amerika Gründe hierfür verlaugte, antwortete der rumänische Premier Sturdza erst mit Ausflüchten, dann jedoch mit herbeigezogenen, leicht zu widerlegenden Gründen und verbat sich gleichzeitig jede Einmengung in die inneren Angelegenheiten. Doch Hays Gerechtigkeitsgefühl Hess ihn auch diesen Verweis des kleinen Rumänien an das grosse Amerika ruhig ertragen und veranlasste ihn zu weiteren Schritten. Trotzdem Amerika nicht zu den Signatarmächten des Berliner Vertrages gehörte, protestierte Hay in seinem Rundschreiben an die Mächte geigen die Misshandlung der rumänischen Juden. Das Recht zu diesem Einsprüche gründet er auf die Benachteiligung Amerikas durch die rumänische Einwanderung und auf Menschlichkeit und das ewige Recht. Wie neu und unerhört die von Menschlichkeit erfüllte Sprache dieser Zirkularnote in der Diplomatie war, ersieht man, wenn man mit ihr die diplomatischen Antworten, die dieser offene und ehrliche Protest von den verschiedenen Mächten erhielt, vergleicht. Der amerikanische Botschafter Porter in Paris berichtet, der französische Minister habe das Schreiben „mit Interesse»" gelesen. Botschaftssekretär Jackson in Berlin meldet. Baron, von Richthofen werde der Angelegen-' heit so viel Erwägung zuwenden, wie es deren Wichtigkeit erheischt. Signor Prinetti, der italienische Premier, Hess antworten, Italien wolle die Haltung der übrigen Mächte abwarten und sei überdies an der Judenfra.se weniger beteiligt und Herr von Lambsdorf erwiderte, er studiere diese Angelegenheit. Nur Englands Antwort lautete ermutigender, indem die englische Regierun? das Elend der rumänischen Juden, beklagte und versprach, mit den anderen. Signatarmächten behufs gemeinsamer Vorstellungen bei der rumänischen Regierung in Verbindung zu treten. Das war aber1 auch der einzige greifbare Erfolg der Bemühungen Hays in dieser Angelegenheit, indem trotz des Versprechens Englands keine weitere Aktion der Mächte e_rfolgte. Ein Diplomat, der sich der verfolgten Juden annimmt, bleibt nicht lange ohne Aufgaben. So stand Hay bereits ejn Jahr nachher vor der schwierigen Frage, wie bei der russischen Regierung Vorstellungen wegen der Kischenew-Greueltaten zu machen seien. Konnte sich Hay bei Rumänien wenigstens auf das im Berliner Vertrage gegebene Versprechen der Gleichberechtigung berufen, so war ein Protest bei dem mächtigen autokratischen Russland nach den Grundsätzen der ortho-

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