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Die Welt · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 „bis & Welt" Seite 5 wird, ist völlig gleichgültig, selbst für den fanatischesten Zione-Zionisten, Nicht als Territorialist, nicht einmal als Sucher nach einem »Nachtasyl", sondern als ein Mann, der auf dem Boden des Baseler Prograrnmes stehen bleibt, wiederhole ich,dass die geographische Oertlichkeit, wo unser Modellversuch stattfindet, der uns lediglich den moralischen und finanziellen Kredit bringen soll, grundsätzlich vollkommen gleich ist. Nur angebrachtermassen würde ich Palästina auch für diesen Modellversuch vorziehen, aus dem einfachen Grunde, weil sein Erfolg auch keinen landwirtschaftlich-technischen, klimatologischen Einwand mehr zulassen, uns den Kredit sofort in vollem Umfang erschliessen würde. Das scheint mir alles sonnenklar — vielleicht täusche ich mich. Aber dann sollte derjenige, der mich widerlegen will, sich doch klar machen, dass ich hier wenigstens den Anfang eines Weges zum Ziele zeige, den wir mit den uns jetzt schon zur Verfügung stellenden geringen Mitteln an politischen Einfluss, Menschen und Geld doch immerhin betreten können; ermuss also einen besseren, bequemeren, näheren Weg aufzeigen können, und zwar einen Weg, der uns, ebenso wie der von mir vorgeschlagene, einigen Erfolg verspricht, mit unseren jetzt vorhandenen geringen Mitteln an Menschen, Geld und Macht. Ich halte jeden für einen Wundergläubigen, der sich von der Diplomatie und der Unterstützung der Grossmächte, und jeden für einen unheilbaren Phantasten, der sich von der Propaganda und Agitation entscheidende Erfolge verspricht, ehe die Kreditbasis gegeben ist Eine kleine Gruppe kann nicht anders wirken, als dass sie die Massen durch offensichtliche wirtschaftliche Erfolge an sich heranzieht und so selbst zur Masse wird. Propaganda und Agitation können nie mehr leisten, als für die ersten Organisationen die Mittel schaffen. Das hat Herzl, das hat der Zionismus in völlig ausreichendem Masse geleistet, indem er die Denkenden und Fühlenden aufrüttelte: jetzt müssen wir den dumpfen Massen etwas Greifbares bieten, sonst versickert die Bewegung im Sande. Ich weiss, man wird mir Christentum und Sozialdemokratie als Beweis für die Wirksamkeit der Propaganda entgegenhalten. Ich kann hier nur sagen, dass beide der Propaganda äusserst wenig und fast alles dem Drucke übermächtiger sozialer Verhältnisse verdankten. Nur stehen freilieh auch die Juden unter mächtigem sozialen Druck: aber wir wissen es alle, es gibt auch noch andere Wege, um sich ihm zu entziehen, als das zionistische Bestreben, und daher hat der Zionismus nur dann auf die Massen zu hoffen, wenn er ihnen einen Ausweg „zum Orte geringeren, wirtschaftlichen und sozialen DruckesÄ praktisch eröffnet Ohne das wird die Propaganda nicht steigende, sondern wahrscheinlich sehr bald sinkende, ich fürchte bis auf Null sinkende Erfolge haben. Anzeichen davon sind schon jetzt nicht zu verkennen. Hier liegt der Kern von Wahrheit in der Auffassung der frondierenden Gruppe Syrkin — ein Kern von Wahrheit steckt in allem! Kehren wir zu unserer „Kleinkolonisation" zurück. Ich hoffe jetzt dem Misstrauischesten unter uns klargemacht zu haben, dass sie mit der Wohltätigkeitskolonisation nur eine flüchtige Aehnlichkeit hat. Sie ist, um es zu wiederholen, nicht Zweck, sondern Mittel zu einem viel höheren Zwecke, sie ist nicht privatwirtschaftlich, sondern volkswirtschaftlich gemeint, soll nicht den zufällig ausgewählcen Personen der ersten Kolonisten, sondern der Gesamtheit dienen, wird nur an diesem Masse gemessen und muss ungleich Höheres leisten, um nicht als Misserfolg aufgegeben zu werden. Was sie zu schaffen hat, ist nicht eine Heimstätte für Schmeije Pinkeies und Schlaurne Karfunkelstein aus Bialystok, sondern für das Volk Israel als Gesamtheit, ist der feste Punkt in dem Schlammozean, der unser Volk zu verschlingen droht, denn wir wenigen, die Mut und Kräfte genug dazu in uns fühlen, haben müssen, um die Versinkenden emporzuretten, dieses pi kod Gtfü yjM yvjv v.ivtjgü)", diesen einen einzigen unentbehrlichen festen Punkt, um unserem riesenhaften Hebelwerke den Angriffspunkt, das Hypomochlion, zu geben, soll uns unser Modellversuch schaffen:!! DIE KREDITBASIS S! IL Die öffentlichrechtliche Sicherung. Nach diesen Auseinandersetzungen werde ich nicht viel Raum brauchen, um mich mit der zweiten gegnerischen Meinung abzufinden, die uns die Mittel der zionistischen Organisation verweigern will, um unsere Modellversuche einzuleiten, ehe nleLi. der Charter erteilt oder Palästina von England okkupiert ist. Diese Meinung, neuerdings von unserem verehrten alten Freunde Dr. Kahn vertreten, macht uns und die zionistische Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, dass die Erwerbung von Grundeigentum in der Türkei überhaupt und nun erst für eine juristische Kör])erschaff, wie der Nationalfonds, eine sehr bedenkliche Sache sei« Wir müssten einen Strohmann als Scheineigentümer einsetzen und wie leicht könnte der Strohmann oder sein Sohn oder Enkel der Versuchung erliegen, sein Scheineigentum in wirkliches Eigentum umzuwandeln, wogegen es keine rechtliche Sicherung, nicht einmal eine privatrechtliche, gebe. Wir dürften also unter keinen Umständen das heilige Geld des Nationalfonds auf eine so unsichere Karte setzen. Davon dürfe kein Pfennig verloren gehen. Dringt diese Ansicht durch, dann ist es mit jedem praktischen Versuche zu Ende. Denn Jewish Colonial Trust und Nationalfonds sind statutarisch nur zu Geldanlagen und Grunderwerb in Palästina und Nachbarländern berechtigt. Gypern soll aus politischen, El Arish aus klimatischen Gründen nicht in Betracht kommen, die türkischen Länder der rechtlichen Gründe wegen ausscheiden — folglich sind wir fertig. Wir Mitglieder der Palästinakommission haben dann nur noch die Aufgaben, geographische, meteorologische, technische, agronomische, kommerzielle etc. Tatsachen zusammenzutragen, um wenigstens theoretisch für jenon Sankt Nimmerleinstag „archiprets" zu sein, wo der reife Charter uns vom politischen Apfelbaum in den Schoss fällt Ich erkläre, dass ich für diese Narrenrolle weder Zeit noch Lust habe. Ich verlange, dass Herzls letzter, in der Tat letzter Wille respektiert und dass die wohlerwogenen Beschlüsse des grossen und kleinen A.-G. ausgeführt werden, wonach tür die von unserer Kommission vorgeschlagenen Versuche aus dem Nationaifonds Grund- und Betriebskapital zur Verfügung gestellt werden sollte. Wird dieser Beschluss umgestossen, so lege ich meine Flöte auf den Tisch und mein Amt nieder. Ich will die Verantwortung nicht mittragen, Millionen unglücklicher Menschen an der Nase herumzuziehen, und will ebensowenig meine Zeit und Arbeitskraft auf Nichtigkeiten vergeuden. Herr Dr. Kahn hat mit seiner Schilderung der türkischen Rechtsverhältnisse durchaus recht. Er hat uns mit seinen Ausführungen nicht das mindeste gesagt, was wir nicht schon wussten. WVnn wir trotzdem zu unseren Vorschlägen gelangt sind, aus den Mitteln des Nationalfonds Land für. eine Versuchsstation, eine Lehnfarm und eine Siedlungsgenossenschaft zu bewilligen, so wolle man daraus nicht etwa

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