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Die Welt · 1905-09-15 · 37 (15.9.1905) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
37 (15.9.1905)
Date
1905-09-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 „bie * w$u Nr. 37 vereinen schoneingrosserErfolg heissen würde, das würden wir nicht anstehen, offenalsvollenMisserfolg einzugestehen; und was jene veranlassen würde, auf dem eingeschlagenenWegemit erneuterKraft und neuer, alle Trompeten blasender, Propagandaweiterzuschreiten, daswürde uns nur veranlassen, unsere Versuche abzubrechen und diesen Teil unseres Manuates, alsfürunsunerfüllbar, indieHände dnserer Auftraggeber zurückzulegen! Das muss ich näher erklären: Wenn die Kolonisationsvereine es erleben, dass alle von ihnen angesetzten Bauern zu bescheidenem Wohlstande kämen, so dass sie ohne Zuschüsse von aussen her sich durchbringen könnten; wenn ihre Gütchen ungefähr auf den Durchschnitt der Kultur und Erträge der besseren Grundstücke Palästinas gelangten, so würden ihre Mitglieder viel mehr erreicht haben, als sie in ihren kühnsten Träumen zu hoffen wagten. Wir aber, wenn wir nur das erreichten — wir würden uns für geschlagen bekennen. Denn wir wollen — und müssen viel mehr erreichen! Wir wollen Kolonien nach einem Organisationsplan anlegen, dem wir viel mehr zutrauen. Sie müssen nach unserer Erwartung zu einer materiellen Blüte kommen, die weit über das Niveau der besten palästinensischen Bauernansiedlungen hinausragt; unsere Bauern sollen nicht nur anständig existieren können, sondern müssen auf den Standpunkt kommen, das ihnen zur Sesshaftmachung dargeliehene Kapital sehr anständig zu verzinsen und sehr schnell zu tilgen.^ Das ist das Mindestmass dessen, was wir von unseren Kolonien verlangen und verlangen müssen. Denn wenn sie dieses Mindestmass nicht erreichen, dann müssen sie eben „privatwirtschaftlich" bleiben, können niemals zu „volkswirtschaftlicher41 Wirksamkeit vorwärts gedeihen, — und dann ist unser Versuch gescheitert und wird, was uns anlangt, abgebrochen werden. Denn nur, wenn sie so glänzend einschlagen, wie wir als das Mindestmass verlangen, nur dann können sie der zionistischen Volksbewegung dasjenige schaffen, was sie vor allem, was sie allein braucht: DIE KREDITBASIS!! Ich habe das kürzlich in einem Aufsatz in der „Welt" mit grossem Nachdrucke betont, als ich unseren „Bezalel* der zionistischen Welt empfahl; ich scheine es noch immer nicht mit genügendem Nachdruck betont zu haben, denn in den ganzen Verhandlungen seitdem ist das Wort nicht ein einziges Mal aufgetaucht. Und doch sollte es unser A und 0 sein, denn alle Hoffnung, die der Zionismus auf eine Verwirklichung seiner Ideale hegen kann, wenn er nicht auf Wunder hofft, steht und fällt mit der Möglichkeit, sie zu schaffen: DIE KREDITBASIS! Ohne moralischen und finanziellen Kredit ist unsere politische Aktion, ohne finanziellen Kredit unsere ökonomische Aktion aussichtslos. Ich wiederhole hier mit aller Schärfe, was ich in jenem Aufsatz in der „WTelt" schrieb: „Der Anfang der zionistischen Bewegung war nur ein liebenswerter Träumer und Schwärmer, der ohne Schaffung einer tragfähigen Kreditbasis das zionistische Ideal für erreichbar hielt: wer noch heute nicht einsieht, dass wir jetzt gar kein anderes unmittelbares Ziel haben dürfen, den muss ich für einen schweren Schädling unserer Sache halten." Ohne moralischen und finanziellen Kredit sind wir lächerliche Mäuse, die an der Keule des Herkules herumkrabbeln, schiessen wir mit Vogeldunst auf Festungsmauern. Unsere gegenwärtigen Kräfte stehen zu der Grösse unserer politischen und ökonomischen Aufgaben in einem ebenso tragischen wie komischen Missverhältnis. Wir sollen mit europäischen und asiatischen Grossmächten Politik machen; Politik machen heisst von Macht zu Macht verhandeln — und wir sind ein paar Offiziere, mit einer wenig zahlreichen, wenig disziplinierten, wenig einigen und vor allem gänzlich unerprobten und des schlechtesten Kredites sich erfreuenden Truppe hinter uns (ich spreche hier natürlich nur von dem geringen Glauben aller Nichtjuden und der meisten Juden), dass wir imstande sind, eine Volkswirtschaft und einen Staat in irgend einem Sinne zu begründen und zu erhalten» Wir sollen ferner mehrere Millionen, zum wenigsten viele hunderttausende gänzlich habloser Proletarier expatriieren und neu ansiedeln: wir verfügen, hoch gerechnet, über den tausendsten Teil der dazu unumgänglichen Mittel. Wenn kein Wunder geschieht — und gerade Politiker sollten am wenigsten mit Wundern rechnen, etwa mit einer grossen politischen Umwälzung und der Aufteilung der Türkei etc. — dann haben wir nicht die geringste Aussicht, jemals die öffentlichrechtliche Sicherung einer Ansiedlung im heiligen Lande dur:h den guten oder gegen den bösen Willen des Sultans zu erlangen, wenn wir nicht vorher ihm oder den europäischen Grossmächten den Nachweis erbracht haben, dass wir Zionisten imstande sind, das uns übertragene Gebiet in hohen Wert zu setzen, so dass es entweder für den europäischen Handel ein wichtiges Absatzgebiet oder für die Türkei ein reiches Steuerobjekt oder beides zu werden verspricht. Und wenn kein Wunder geschieht, so haben wir ebensowenig die geringste Aussicht, jemals durch Schekelzahlungen und Nationalfondssammlungen auch nur einen Bruchteil der nötigen Geldmittel zu erlangen, wenn wir nicht vorher dem jüdischen und christlichen Kapital den Nachweis erbracht haben, dass unsere Ansiedler Anleihen anständig verzinsen und sicher tilgen werden. Dieser doppelte Nachweis ist unsere Kreditbasis. Gelingt uns der Nachweis, schaffen wir die Kreditbasis, so ist unser Ziel erreichbar. Misslingt uns der Nachweis, schaffen wir die Kreditbasis nicht, so wird unsere Bewegung im Sande versiegen, W o wir diesen unentbehrlichen Beweis unserer Fähigkeiten und unseres guten Willens abzulegen versuchen, ist grundsätzlich und ist mir ganz gleichgültig. Das hätte bei besserer Grundorganisation in Argentinien geschehen können, das kann — und wird zum Teile! — jetzt durch mich persönlich in Deutschland geschehen, das hätte auch in Uganda geschehen können, wenn es ein für kolonisatorische Zwecke brauchbares Gebiet gewesen wäre. Aus diesem Grunde allein habe ich 1903 für die Entsendung der Expedition gestimmt und aus diesem Grunde hätte ich auch jetzt, falls ihr Ergebnis ein anderes gewesen wäre, für einen Versuch dortselbst gestimmt, gerade weil ich eine Verwirklichung der zionistischen Hoffnungen fast nur inPalästina für möglich, jedenfalls in Palästina für unvergleichlich leichter halte als irgendwo anders, der „Imponderabilien" halber! Die Schaffung der Kreditbasis ist ein unvermeidlicher Schritt zu unserem Ziele, aber sie ist doch nur ein vorbereitender Schritt — und wo dieser Schritt getan

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