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Die Welt · 1905-09-08 · 36 (8.9.1905) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
36 (8.9.1905)
Date
1905-09-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 flbi* £ Welt" Nr. 36 tiefen den bösen Willen der Hohen und der Höheren werden die Juden nicht einmal in der Reichsdunro Schutz!nusen können. Gt. Rubrik für Diskussion. Die Stellungnahme der „Welt" zu allen Fragen des Zionismus ist durch die Kongressbeschlüsse und den Aufruf des Präsidenten des A-C. festgelegt. Sie bleit aber weiter jeder sachlich vorgebrachten Meinung offen und gestattet selbstverständlich gerne eine Diskussion in richtigen Grenzen. Wir eröffnen dafür diese besondere Rubrik, wo auch alle inoffiziellen Meinungen zum Ausdruck gelangen können. * * * Wir erhalten folgenden Brief und Artikel. Oppeln. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der Anlage übersende ich Ihnen einen kleinen Artikel für die „Welt", um dessen baldige Aufnahme ich Sie ersuche. Als Mitglied des leitenden Direktoriums der Jüdisch-territorialistischen Organisation habe ich es für meine Pflicht gehalten, nunmehr der zionistischen Welt — ich selbst bin als politischer Zionist der Bewegung offiziell treu geblieben — die Beweggründe kurz darzulegen, die uns zu der neuen Gründung veranlasst haben. Hochachtungsvoll Rechtsanwalt G. Wunderlich. Notwendige Folgen. Der Zionismus ist, soweit die überwältigend grosse Mehrheit seiner Anhänger in Betracht kommt, die Bewegung von Massen, die in den denkbar schlechtesten wirtschaftlichen Verhältnissen dahinleben. Diesen Umstand hat die Majorität des VIL Kongresses vergessen; so sehr vergessen, dass in dem offiziellen Organe der Deutschen Zionistischen Vereinigung das Resultat des Kongresses mit Recht dahin präzisiert werden konnte: „Der Zionismus hat das Historische und Nationale gegenüber dem Oekonomischen betont und festgelegt; das ist das grösste Ergebnis des VII. Kongresses." In einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Momente ausschlaggebend sind, bei einem Volke, dessen Mehrheit nicht weiss, was ihm der Morgen bringen wird, unter Nationen, die unsere Volksangehörigen als Parias behandeln, ausschliesslich die reine Idee der zukünftigen Erlösung zu betonen und von allen realen Grundlagen loszulösen, mag ideal und erhebend sein, praktisch und politisch ist es nicht. Es ist aber geradezu gefährlich für die Erhaltung des Volkes, wenn diese Idee zu einer Zeit der Welt verkündet wird, da deren mächtigstes Staatswesen die Hand dazu bot, einmal einen Teil der Luftmenschen zu festwurzelnden Erdmenschen zu machen und zum anderen diesem Volke durch die Möglichkeit sofortiger praktischer Arbeit einen moralischen Rückhalt zu geben, der mehr wert ist als die idealste Begeisterung. Für die auf dem Boden praktischer Werktätigkeit stehende Minderheit hatte die für die reine Idee andächtig schwärmende Mehrheit absolut kein Verständnis. Ein Ausgleich war unmöglich; die Majorität, von der nur verlangt wurde, jede die Minderheit vor den Kopf stossende Einschränkung des Baseler Programmes zu unterlassen und dieses in seiner alten Einfachheit zu belassen, lehnte dieses Anerbieten schroff ab. Eine vereinigende Mittelpartei fehlte, Ansätze zu ihrer Bildung schlugen aus hier nicht zu erörternden Gründen fehl. Ein Unterwerfen war bei der Unüberbrückbarkeit der Gegensätze unmöglich; der Gedanke, später etwa durch eine Palastrevolution ä la Charkow auf die Leitung einschüchternd einzuwirken, kam selbstverständlich nicht in Betracht. So blieb als notwendige Folge nur eins übrig : die Bildung der neuen Organisation. Ihre Gründung war auch sonst notwendig geworden. Nach unserer Auffassung hatte der Zionismus die grosse Aufgabe, sich allmählich zu einer das ganze jüdische Volk umfassenden Volksbewegung auszuwachsen. Bei d°m eng begrenzten Programme, das der offizielle Zionismus jetzt verfolgt, ist dies unmöglich. Nur ein erweitertes Programm, wie wir es aufgestellt, wird die Plattform sein, die alle national fühlenden Juden, die noch an eine Zukunft unseres Volkes glauben, zu einen vermag. Unsere Organisation war aber auch deshalb eine Notwendigkeit gewesen, um all die Elemente, die viele Jahre lang treu für den Zionismus mitgearbeitet hatten, für die nationale Idee zu erhalten, nachdem sie aus dem offiziellen Zionismus ausgeschlossen worden sind. Für die Territorialisten gibt es keinen Zionismus mehr, zwischen ihnen und dem Zionismus ist das Tischtuch zerschnitten, wohl aber werden sie begeistert mitarbeiten können in der neuen Organisation: arbeiten für die Erhaltung unseres Volkes. Und dann noch eins: Es soll hier nicht erörtert werden, welche Ursachen den ungünstigen Bericht der Ugandaexpedition veranlasst haben. Das eine steht fest: selbst bei einem günstigen Berichte hätte der offizielle Zionismus das Anerbieten Englands abgelehnt. Der Versuch, die grossen Wohltätigkeitsinstitute für die Sache zu gewinnen, ist von vornherein gescheitert und wäre auch neuerdings — bei einem günstigen Berichte — misslungen, denn sie alle perhorreszieren das nationale Moment jeder Behandlung, wie es von unserer Seite unbedingt verlangt wird. Nun wird die Welt es aber nie verstehen, weshalb nur Palästina das Ziel unserer Wünsche sein darf, und es ist — Verfasser bezweifelt es allerdings für seine Person — die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass an die Leitung des Zionismus noch einmal die Frage herantritt, zu irgend einem anderen Siedlungsangebote Stellung zu nehmen, um so eher als über den Begriff der Nachbarländer die verschiedenen Führer des offiziellen Zionismus nicht ganz einig sein sollen. Dann wird der Zionismus es nicht nötig haben, vergeblich an die Pforten der grossen Wohltätigkeitsinstitute zu klopfen, dann wird er in unserer Organisation das Organ finden, das derartige Pläne zur Ausführung bringen wird. Wir sind also keine Kampforganisation gegen den Zionismus, wie wir es übrigens schon in der unserem Programm angehängten Resolution ausgesprochen haben. Wir sind gern bereit, Schulter an Schulter mit dem Zionispiiis zu kämpfen, Berührungspunkte haben wir ja genug. Aber damit wir, wenn wir auch getrennt marschieren, einst vereint schlagen können, müssen wir eins verlangen : dass der Zionismus in unserer Organisation den gleichberechtigten Bruder anerkennt und achtet. G. Wunderlich. 4MbSf>e. (Für diese Rubrik Ist die Redaktion nicht verantwortlich.) Werte Gesinnungsgenossen! Es ist uns die Möglichkeit gegeben, dem Nationalfonds grosse Summen Geldes auf die leichteste Art zuzuführen. Diese Möglichkeit wird geboten durch die Briefmarkenabteilung der Nationalfondskommission in Wien. Hier werden gebrauchte und ungebrauchte Briefmarken gesammelt, sortiert und verkauft. Diese Arbeiten werden von den philatelistisch Gebildeten unserer zionistischen Jugend besorgt. Es ist nun Sache eines jeden wirklichen Zionisten, die jungen Leute mit Arbeit zu versorgen. An Arbeitern hätten wir keinen Mangel, aber eben an — Arbeit. Diese uns zu senden, fordern wir hiermit unsere Gesinnungsgenossen und Gesinnungsgenossinnen ernstlich auf.

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