Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 35 (1.9.1905)
- Date
- 1905-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 # weit" Seite 13 arbait forderten. Am 10. August sprach Herr Dr. SukeDDikoff aus Berlin in russischer und deutscher Sprache über „Neue Bahnen im Zionismus" unter grossem Beifalle. Herr Eedakteur Nissenbaum aus Warschau, der auf der Rückkehr von Palästina in Franzensbad weilte, referierte an zwei Abenden über seine Reiseeindrücke. Gesammelte Gelder: K 65.62 für Nationalfonds, K 20 55 für Bezalel, K 10.50 für Nationalgeschenk. Die Vorträge fanden in Adlers Hotel statt und waren sehr stark besucht Das „Franzensbader Tagblatt" stellte sich unseren Mitteilungen in liebenswürdiger Weise zur Verfügung. Ausserdem waren alle Veranstaltungen durch grosse öffentliche Plakate zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Karlsbad, 14. August. Dr. M. Sukennikoff, Schriftsteller aus Berlin, im Kurhause in russischer Sprache einen Vortrag über „Neue Wege im Zionismus", Korreferent: E. Murawkin aus Berlin. In Karlsbad referierte Herr Dr. Sukennikoff über den Kongress in russischer Sprache. Sein lebhafter Vortrag, der länger als eine Stunde dauerte, wurde mit grosser Aufmerksamkeit angehört. fcDer Korreferent sprach über Zionismus und Territorialismus in Verbindung mit den neuesten Ereignissen in Russland, Mähr. Weisskirchen. Am 26. August veranstaltete die Ferialverbindung „Massada" eine Agitationsversammlung, in der Gg. Dr. Max Riesenfeld den Vorsitz führte. Das Referat „Der Zionismus und die österreichische Judenfrage" hielt Gg. Rudolf Nassau. Die Versammlung war gut besucht. Holics. Verein zionistischer Hochschüler Holics: .,Judäa". Eröffnungskommers. Ganze Judenschaft von Holics und Umgebung erschienen. Zionistisch dekorierter Saal. Ausser den Vertretern der Kultus- und politischen Gemeinde waren anwesend: Verbindung .,Makkabäa;* korporativ, Vertreter der „Veritas" (Brünn), Ferialverbindung ..Gamala" (Göding) und organisierte zionistische Mittelschüler. Die Tendenzrede ing. V. Kohn („Veritas'*). Beifall, die Rede des inj?. Wieener („Makkabäa"). Lob verdienten die Rezitationen der Frl. Elsa Frankl, ferner des Gg. phil. Sabl („Gamalaw)und die Violinvorträge des Gg. phil. Drexler (,.Gamala"). Kommers erfreulicher Erfolg. Hamburg. Mitgliederversammlung der Ortsgruppe 24. August. 160 Personen. Der Vorsitzende Dr. Kalmus teilt mit, dass er unserem neugewählten Präsidenten David Wolffsohn namens der Ortsgruppe in einem Begrüssungstelegramm das Vertrauen ausgesprochen habe. (Beifall.) Bericht der Herren Gustav G. C o h e n und Doktor Kalmus über den 7. Kongress. Hr. Cohen stellte sich auf den Standpunkt des politischen Zionismus. Dr. Kalmus vertrat den gleichen Standpunkt. Beide Delegierte betonten, dass die Geschlossenheit der Bewegung gewahrt bleiben müsse. Hierauf brachte Dr. Victor namens des Vorstandes folgende Resolution ein: „Die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona erklärt sich mit der Stellungnahme der Hamburger Delegierten auf dem Kongress einverstanden. Sie billigt zwar die Ablehnung des Ugandaprojektes durch den Kongress, weil das angebotene Land sich nach dem Berichte der Expedition nicht zur Besiedlung für eine grosse ackerbautreibende Bevölkerung eignet, sie bedauert jedoch lebhaft, dass die Mehrheit des 7. Kongresses jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner Nachbarländer auch als Mittel zur Erreichung unseres Zieles prinzipiell abgelehnt hat. Die Ortsgruppe erwartet von der Leitung der zionistischen Organisation, dass eine kolonisatorische Tätigkeit in Palästina erst dann in Angriff genommen wird, wenn rechtliche Garantien für dieselbe gegeben sind. Sie erklärt sich dagegen mit den technischen und wissenschaftlichen Vorarbeiten der Palästinakommission einverstanden. Zur Wahrung dieser von Herzl vertretenen Grundsätze hält die Ortsgruppe die Gründung eines besonderen Verbandes politischer Zionisten innerhalb der Bewegung für notwendig, in der Hoffnung, dass der nächste Kongress zu einer alle Teile befriedigenden Beschlussfassung gelangen wird." Rege Diskussion, Resolution angenommen gegen 8 Stimmen. Graaff-Reinet. .Die „Graaff-Reinet Zionist Association" Versammlung den 26. Juli 1905 in der Zionist Hall. Gebet für Theodor Herzl. Alle Zionisten gekommen. Reverend J. J. Viskin hielt eine ergreifende Rede. Nach ihm sprach Herr Präsident M. Herbstein einen tiefgefühlten Nachruf und schloss mit dem Antrag, das Vorbeten für die Jahrzeit- Kadisch solle verkauft und das Geld dem Nationalfonds Kegeben werden. Durch M. und Ph. Nur ick und Brüder H. und J. Herbstein erhielt der Nationalfonds auf diesem Wege 4$ Sh 3 d. An den Kongress wurde ein Begrüssungstelegramm geschickt. Feuilleton. Er spielt für den Teufel. Phantasie von Perez. Mit der Genehmigung des Verfassers übersetzt von Paula Ratttier. Ein armer Musikant verliebte sich während einer Hochzeit in ein Mädchen. Er spielte wunderbar schön und traurig, weil er fühlte, dass sie seinen Weisen lausche, mit ihm fühle und ihn verstehe. Auf den Hochzeiten, welchen sie beiwohnte, klangen durch sein Spiel immer Tränen, hallten immer Herzenstöne wieder und ein merkwürdig bitteres Weh durchströmte seine Töne. Die übrigen verstanden nicht das innerste Wesen seines Spieles und tanzten nur danach . . . Sie allein verstand ihn . . . Und entweder das Leuchten ihrer schönen Augen oder der feuchte Tau, welcher in ihnen schimmerte, gaben ihm Antwort. Wenn sie aber bei einer Hochzeit nicht anwesend war, so klimperte er so wie alle anderen: „Schabbes, Schabbes." Seine Fiedel heulte, winselte, krächzte, heulte . # . Die Saiten rissen. Und die Zuhörer sagten: „Heuf spielt er gut. Es springt eine Saite nach der anderen." Danach spielte er zu ihrer eigenen Hochzeit. Sie war eine Waise und wurde von der Gemeinde ausgesteuert. Wie seine Geige jämmerlich weinte, leise wimmerte und wehklagte! Die Männer weinten wie Frauen . . . und die Frauen warfen sich zur Erde und rissen sich förmlich das Haar vom Haupte. „Der Teufel führt seinen Bogen/ sagte man und erst als die Braut in Ohnmacht sank und einige Weiber Lachkrampfanfälle bekamen, entriss man die Geige seinen Händen und bemerkte, dass seine Augen einen verglasten Ausdruck trugen. Eine Zeitlang spielte er nicht, er war irgend wohin verschollen oder lag krank .... Danach erblickte man ihn wieder in der Kapelle, aber er war fast unkenntlich geworden. Blass, mager und mit erloschenen Augen ... Er war gar nicht mehr derselbe und seine Geige tönte auch nicht mehr wie ehedem. Er spielte niemals mehr einen „Steiger". Ein anderer spielte die erste Geige. Er sass nur unbeweglich dabei . . , Einmal sah er sie noch bei der „Wetscherah" wieder. Er riss dem ersten Geiger die Geige aus der Hand und spielte wie einst mit flammendem Auge und pochendem Herzen .... Die Geige schien wieder zu weinen. Aber niemand hörte auf ihn . . . auch sie nicht, sie mischte sich vielmehr wieder unter die Leute. Sie sah ihn nicht und keiner ihrer Blicke antwortete ihm. „Hei, Klesmer," schreit ein Machuten, „spiel' etwas lustiges zur Wetscherah!" Er aber ergreift die Geige, wirft sie ungestüm zur Erde, so dass sie in Stücke springt, und läuft davon. „In ihm steckt der Teufel," sagte man. Von damals an hörte er gänzlich auf, bei Hochzeiten zu spielen. Die ganze Last des Verdienstes fiel nun der Frau anheim. Er hielt sich nur in der Wohnung auf und war immer müde, kraftlos und blass. Die Frau sagte: „Er ist vom Teufel besessen" und verschaffte sich einen Platz auf dem Markte, wo sie mit gekochten Erbsen handelte.