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Die Welt · 1905-09-01 · 35 (1.9.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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ffr. 35 Jffci« * Welt Seite 9 Anmeldungen etc. sind zu richten an Herrn Teitelb a u m im Kongressbureau, der auch nähere Auskünfte erteilt. Das innerösterr. Distriktskomitee. JochananThau Max Markus. Schriftführer. Obmann. sjs * sje Briefmarken für den Nationalfonds. Folgende Gesinnungsgenossen haben für den Nationalfonds Briefmarken gespendet: Wien: Frl. Nelly Szeps, Frl. Jetty Preissmann, Gymn. J. Korn, R. M., O. Marmorek, Frl. M. Schkutek, Durch S. Ultmann: Frl. Olga und Oskar Steiner, Gymn. W. Lederer, jur. Leon Lauterbach, Lehrer Tach, stud. Holzer, stud. Pollak, Leo Weiss, Aug. Pfeiffer, Frl. R. Kleinzeller, L. Wurmann, Verlag „Zion«, Heinrich Teitelbaum, H. Kolliner, J. Schwadron, Wolf Teitelbaum, S. Eckstein, Gymn. Weizmann, Warschau: Ohne Namen, A. ßachner, Vissterdorf: M. Narsilky. St. Gallen: A. Kimche. Lwöwie: „Wschöd". Stanislaus Personale der Firma Leiser Recher, Frl. J. Diamant. Bronowice: Bude 49 im Rudolfinum, Dr. M. Fassem, R. Singer. New York: Frl. F. Sterling. Sarajevo: S. M. Alkalay. Korn arn o : J. Goldenberg. Kimberley (Südafrika): J. W. Sapiro. Karlstadt: D.Dicker. Nadworna: Frl. R. Hübner durch M. Hübner. Trautenau: Fräulein Berta Korn. Horodenka: „B'nei Zion". L o d z: H. Dawidowicz. Miele c: Fr. H. Drach durch „Sulamith" (Rzeszöw). Jaffa: Goldenhirsch. Przemysl: M. A. Distler. Lemberg: „Poalei Zion". Kremsier: Akademischer Ferialverein „Ossid". Beyruth (Syrien): Philippe Türkei u. Co. ßolechow: G. Seemann. L e e d s: Frl. G. Daiches. Leipzig: Dr. A. Thiel. T.-Margurele: P. Hermann, ßorszczöw; M. Blumenthal. Bern: Ameler. Breslau: H. Schachtel. Napagedl: J. Reichsfeld. Lodon: L. Kohn. Alexandrien: S. Kainarsky, A. Krentschmer, H. Binder. Schwelm: Lehrer Ehrlich. Frankfurt. Frl. Ch. Wölpe. Klosterneuburg: H. Weinberger. Grybow: Frl. M. Goldberg. Dessau: L. Hartbrodt. Neustettin: Frl. R. Freundlich. Boryslaw: M. Friedländer. S u c z a w a : M. Rosenzweig. Graz: P. Schwarz. Skala: B. Glaser. Cases: Frl. S. Ogarett. Tescani: J. Grünberg. Rzeszöw: M. Buchbinder, J. Oesterreicher. St, Sambor: .,S. E. H." Wloclawlk: Z. Cpisik. Bojan: A. Margulies. Mähr. -Wesskirchen: Eppler und Rosental. Nosseh Bai: M. Sapiro. K o 1 b e r g : S. Frenkel. R adautz: Gymn. F. Rath. Allen Spendern besten Dank und Zionsgruss! Die Philatelie-Abteilung der Nationalfondskommission. Briefkasten der Philatelieabteilung. J. J., Radautz. Besten Dank. Wert K 4.—. Marken bitte immer so zu schicken wie diesmal. J. Frl. Sylvia Ogarrett, Cases. Für die sehr wertvolle Sendung besten Dank. „S. E. H.u, St. Sambor. Wird beides verwendet. Dank und Gruss. ^elf «{Ibfonik« Vermutlicher Raubmord an einem Berichterstatfer am VII. Kongresse. Kopyczynce, den 22. August 1905. Sehr geehrte Redaktion! Als Zionist fühle ich mich verpflichtet, von dem tragischen Tode eines Berichterstatters am VII. Kongresse unserem Zentralorgane Bericht zu erstatten. Einen Tag vor Tischa b'Ab lernte ich einen Gg. Tobias Ornstein aus Odessa (Wohnung : Rosumowsksja 40) kennen, der sich mir gegenüber als Delegierten ausgab. Mein Freund sah bei ihm eine Journalistenkarte, auf diesen Namen ausgestellt und von Dr. Schalit unterfertigt. Wir besprachen den Kongress, berührten aber nicht Privatangelegenheiten. Als ich ihn aber fragte, was er hier in Kopyczynze mache, antwortete er mir folgendes: „Zur Zeit, als ich mich nach Basel begeben wollte, herrschte in Odessa Kriegszustand und es war mir unmöglich, einen Pass zu bekommen. Ich passierte also die Grenze bei Husiatyn auf illegitime Weise, jetzt muss ich die Grenze wiederum auf ähnliche Weise übertreten." Donnerstag nahm er von mir Abschied. Gestern erhielt ich folgende Nachricht^ die sich später durch die Ankunft eines Gendarmen und Geheimpolizisten bestätigte, welche mich um näheres befragten. Ein österreichischer Gendarm fand den Leichnam eines Mannes im Grenzwasser. Man fand bei ihm Papiere, weiche seinen Namen bestätigten. Der Körper war an vielen Stellen von Bajonettstichen verwundet. Wie verlautet, fiel er als Opfer eines Raubmordes. Die Leute, die ihm bei dem geheimen Ueberschreiten der Grenze behilflich sein sollten, meinten, dass er Geld bei sich hatte. Der tote Körper wurde vor einer Kommission in Husiatyn seziert und auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Moses Fischmann. Die russisch-amerikanische Passfrage. Hon. Henry M. Goldfogle, der sich mit dieser Frage seit längerer Zeit lebhaft beschäftigt, hat vom Staatsdepartement die Kopie einer vom amerikanischen Botschafter in Petersburg unter dem 31. Mai d. J. gesandten Depesche erhalten. Man erfährt aus dieser Depesche, dass die wesentliche Reiseerleichterungen umfassenden Beschlüsse der Durnowo-Kommission dem Staatsrate zur Prüfung übermittelt worden sind. Die Kommission beantragt die Abschaffung des gegenwärtigen Passsyetems im allgemeinen. Danach würden nur unter Polizeiaufsicht stehende Personen oder Ausländer einen Pass brauchen. Verheiratete Frauen dürfen auch ohne Bewilligungsscheine ihrer Männer reisen. Ausländer müssten bloss ihren in ihrer Heimat ausgestellten und von einem russischen Konsul vidierten Pass mitführen; andere Dokumente wären nicht notwendig; die gegenwärtigen Passtaxen würden aufhören. Die erwähnten Erleichterungen kämen aber, was die Juden anbelangt, nur den ausländischen Juden zugute. Das neue englische Fremdengesetz. Die Fremdengesetzvorlage ist durch königliche Sanktion am Tage der Parlamentsvertagung Gesetz geworden. Der bezügliche Passus der königlichen Adresse, die die Vertagung des Hauses verfügte, lautet : „Ich habe mit Vergnügen meine Zustimmung zu den Massregeln gegeben, die eine Linderung der durch die Fremdeneinwanderung verursachten Uebelstände bezwecken." Ein Jude als Minister. Zum zweiten Male ist das Justizportefeuille in einem holländischen Kabinett einem Juden anvertraut worden. Der erste jüdische Justizminister Hollands war Godefroi, ein hervorragender Jurist, der vor einigen vierzig Jahren diesen wichtigen Posten bekleidete. Der neue Justizminister E. E. van R aalte hat im Jahre 1864 in Leyden als Doctor jur. promoviert. Er etablierte sich dann in Rotterdam als Rechtsanwalt und wurde 1873 zum Kronjuristen ernannt. 1S77 wurde er in die Zweite Kammer gewählt. Als Politiker gehört er zum demokratischen Flügel der liberalen Partei. Professor Julius Oppert, der berühmte Orientalist iiii Paris, ist am 21. d. M., 80 Jahre; alt, gestorben. In Oppert verliert die moderne Orientkunde einen ihrer 'Führer. Oppert hat seine Wissenschaft vielfältig und gewaltig" gefördert, feinbegriffen: ist darin, was er, von Geburt deutscher Jude (Oppe'rt ist 1825 in Hamburg geboren), seit mehr als einem halben Jahrhundert in Paris heimisch, als Vermittler zwischen deutscher und französischer Wissenschaft getan hatte. Oppert konnte noch am 9. Juli d. J. seinen achtzigsten Geburtstag feiern. Die moralische Stellung der Juden in Deutschland. Aus dem „weltberühmtenAntisemiten-Nordseebad Borkum gibt ein von der dortigen ,,Kultur' Betroffener, ein Düsseldorfer Kunsthändler, im „Berk Tag" folgenden niedlichen Ausschnitt: „Vor sechs Tagen habe ich in Borkum im Hotel: zur Deutschen Warte, eine Gemäldeausstellung mit Verkauf -eröffnet. Das Geschäft?;ing so weit gut. Mittwoch auf Donnerstag wurden nachts an meinen Geschäftsräumen! durch mehrere Antisemiten die Eingangstüren, welche an der Strasse lagen, durch Fusstritte eingedrückt und zwei Gemälde herausgeholt mit der Bedrohung, dieselben zu zerschlagen, und gleichzeitig gerufen: ,,Der Jude muss aus Borkum!" Der riausbursche des genannten Hotels hat die Leute aufgefordert, das Lokal sofort zu verlassen. Nach wiederholten Ermahnungen haben sie sich endlich entfernt. Morgens erzählte mir der Bursche den Vorgang und darauf habe ich Anzeige bei der Polizei erstattet. Auf Freitag den 11. August habe ich Gemäldeauktion anberaumt. An diesem Morgen wollte ich in mein Geschüft gehen und sah zu meinem grossen Erstaunen in ganz Borkum an allen Häusern, Läden etc. grosse Plakate mit der Aufschrift: „Raus mit den Juden aus Borkum/' Um 10 Uhr hatte ich die Auktion anberaumt. Plötzlich kam eine Schar Kinder mit Gewelhren (die sogenannte Schwarzweiss-Ko'mpanie) heranrnarschiert, besetzte meine Lokalitäten und fing das sogenannte „Borkumer Lied" zu singen an. Es dauerte keine zwei Miniuten, da kam eine grosse Anzahl Antisemiten und

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