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Die Welt · 1905-09-01 · 35 (1.9.1905) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr- 35 „bis # weit" Seite 7 Wir hatten seine Sehnsucht übersehätzt, sich von den Fesseln eines blossen kornunalen Lebens zu befreien und einen Anfang zu einem veredelnden nationalen Leben zu machen. Wir hatten seine Fähigkeit uberschätzt, von kleinlichem Hader und persönlichen Rücksichten abzusehen um der so naheliegenden grossen Gelegenheit willen, der Welt durch etwas Grösseres, Höheres und Menschenwürdigeres als blosses Dulden unter Verfolgung und Bedrückung zu beweisen, dass wir berechtigt sind, ein selbständiges Volk zu bleiben. Wir hatten das tiefe Brandmal unterschätzt, das Jahrhunderte der Entnationalisierung der Seele unseres Volkes eingebrannt hatten. Wir verfassen, dass das Zeitalter der Wunder vorüber ist. Wir glaubten, dass der Zionismus das jüdische Volk ergriffen hätte und dass der böse Geist des Ghetto ausgestossen war. Es blieb uns auch eine Hoffnung, dass ein günstiger Bericht der Expedition noch andere Instinkte unseres Volkes berühren würde und dass uns diese dann geholfen hätten. Aber es sollte nicht sein. Als wir also zum Kongresse kamen, war nur noch der Schatten eines Gespenstes zu beschwören und die Majorität tat dies mit grossem Erfolge. Mit den Ansichten, zu denen ich mich bekenne, habe ich immer für die besten politischen Methoden in unserer Bewegung gesprochen und ich sah sofort ein, dass die erste Aufgabe meiner Gesinnungsgenossen war, das Urteil der Majorität, der unverkennbaren Majorität, anzuerkennen. Denn für die, die für den Plan waren, stand doch kein grosses Prinzip auf dem Spiele. Denn wir waren ja nur über die Mittel uneinig, über das Ziel stimmten wir immer überein. Ich glaube, dass der ostafrikanische Plan uns diesem Ziele bedeutend näher gebracht hätte und dass dessen Nichtannahme das Wegwerfen einer grossen Gelegenheit war. Es wäre aber verhängnisvoller Wahnwitz gewesen, irgend etwas zu tun, wodurch die Mittel, unser Ziel zu erreichen, in irgend welcher Weise geschwächt worden wären, einfach weil ein einziges Mittel, von dem wir Grosses hofften und worauf wir Häuser bauten, von der Majorität nicht gebilligt wurde. Ich fürchte, dass manche, die für den ostafrikanischen Plan waren, sich jetzt anderen Wegen zuwenden und danach trachten, irgend eine neue Organisation zu gründen, deren Zwecke nicht sehr klar sind. Wenn sie Territorialisten sind — und es liegt mir viel daran, hier ganz richtig verstanden zu werden — wenn sie sich bereit erklären, Palästina ganz ausser acht zu lassen und sich zu bestreben, die jüdische Nation in irgend einem anderen Gebiete wieder aufzubauen, dann sage ich, dass sie nur ihre neue Organisation gründen mögen, denn unter den Zionisten ist kein Platz für sie und es wäre für uns besser, sie als offene Feinde ausserhalb unserer Reihen zu wissen, denn da sie innerhalb derselben als geheime Feinde gegen unsere Sache wirken. Wenn sie jedoch nur sagen wollen, dass sie, während wir nach Palästina als nach unserem Endziel streben, bestrebt sind, für das jüdische Volk irgend eine Niederlassung mit autonomen Rechten zu erlangen, so scheint mir, dass ihr Platz innerhalb der Reihen der nationalen Körperschaft ist. Mit konstitutionellen Mitteln müssen sie diejenigen, die ihnen feindlich gegenüberstehen, bekehren, aber sie müssen sich nicht von uns abwenden, um im Geiste des „Shoolismus" neue Verbindungen zu stiften, neue Verbindungen, die den Zionismus nur schwächen können. Lassen Sie uns jedoch sehen, was sie vorschlagen. Seit zweitausend Jahren hat zum erstem Mal eine Regierung dem jüdischen Volk ein Gebiet zur Niederlassung angeboten; wann wird ein solches Anerbieten wiederholt werden? Wollen sie sich um ein anderes bemühen? Mir scheint, dass ein solches Vorgehen sich sehr vom Anerbieten der englischen Regierung unterscheiden würde. Mr. Zangwill scheint der Ansicht zu sein, dass die englische Regierung ersucht werden sollte, ihr Anerbieten abzuändern. Die Regierung hat jedoch volle Kenntnis von dem Bericht über das von ihr angebotene Gebiet; alle Umstände sind ihr bekannt; die Verhältnisse, die sie zu lindern suchte, sind nicht abgeändert worden. Wenn die Regierung ihr Anerbieten abändern will, so kann sie dies tun, und ich bin überzeugt, dass wir einem solchen abgeänderten Anerbieten unseren ehrerbietigen Dank entgegenbringen würden; wenn wir selbst auch dann nicht handeln kön'nen, so werden wir alle Mittel ergreifen, die uns zugebote stehen, die dem Baseler Programme nicht widersprechen und mit den Beschlüssen des Kongresses übereinstimmen, damit ein solches Anerbieten genügende Erwägung findet. Ich glaube sogar, dass nicht einmal Mr. Ussischkin dagegen sein würde. (Hört, hört.) Es ist aber etwas ganz anderes, nach einem Gebiete ausserhalb Palästinas oder seiner Nachbarschaft zu »trachten. Ueber diesen Punkt stimme ich ganz mit Dr. Herzl überein; er wollte nie um irgend ein Gebiet ausserhalb Palästinas oder seiner Nachbarschaft bitten und er tat es nie. Wir baten um die Niederlassung in El Arish, wir baten nicht um Osiafrika. Ich habe anderweitig gesagt, dass mit dem Verluste von Ostafrika die Verhältnisse des jüdischen Volkes irgend eine andere Nied< rlassung erfordern würden, bevor wir unsere Nation in Palästina von neuem gründen können. (Beifall.) Ich glaube dies noch heute, obgleich ich natürlich hoffe, dass ich mich irre. Wenn jedoch diese Niederlassung ausserhalb Palästinas oder seiner unmittelbaren Nähe liegen soll, so sage ich, dass wir es nicht durch Bitten erlangen sollen, sondern durch die zwingenden Verhältnisse der Judenfrage. Für uns Zionisten — für alle, die sich dem Baseler Programm anschliessen — ist unsere Politik mit Bezug auf diesen Gegenstand klar. Wir wollen für. das jüdische Volk ein gesetzlich gesichertes, öffentlich anerkanntes Heim in Palästina gründen. Wir wollen nichts Geringeres und wir wollen nichts anderes. (Beifall.) Mr. Ussischkin ist der Ansicht, dass der siebente Kongress unsere Bewegung da gelassen hat, wo sie vor dem sechsten Kongresse war. Ich hoffe, dass er recht hat, denn innerhalb der Grenzen des Baseler Programmes ist, auf unserer Tribüne Raum für alle Parteien und alle Mahnungen und es darf kein Versuch gemacht werden, durch engherzige Auslegung jenes Programmes Meinungen zurückzudrängen, die sich der Gunst der Majorität nicht erfreuen. Wenn einerseits unser Programm diejenigen ausschliesst, die Zion ausschliessen, kann es andrerseits diejenigen einschliessen, die eine Politik für Palästina nicht einschliessen? Wir wollen nicht, dass unsere Bewegung in den Ghowewe-Zionismus zurückfällt, in die krämerhafte Politik der Landkäufe in Palästina, ohne vorher Rechte als Juden dort erworben zu haben, oder das Einschmuggeln von Juden nach Palästina, ohne Schritte zu tun, sie und ihre Kinder daran zu verhindern, einfach Palästinianer zu werden. Auf die Einzelheiten unserer Arbeit in der nächsten Zukunft kann ich hier nicht eingehen und ich fühle mich auch nicht dazu berechtigt. Sie kennen den Beschluss, der einen Entwurf unseres Werkes bildet. Es ist jedoch augenscheinlich unser erstes grosses Ziel, unsere Organisation zu stärken und unsere Reihen zu festigen. Denn wir haben tätige Feinde, gemeinsame Feinde zu bekämpfen, was auch immer unsere politischen Ansichten sein mögen. Niemand

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