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Die Welt · 1905-09-01 · 35 (1.9.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
35 (1.9.1905)
Date
1905-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 lfbi« * Weit" Seite 5 der Namensnennung des letzteren streng gerügt hatte, Wolffsohns Brief zur Verlesung. Derselbe lautet: Lieber Fretuiid Cowen! Ich freue mich siehr, daiss Sie in London die zionistische Tätigkeit wieder aufgenommen haben, und bitte Sie, meine herzlichsten Grüsse und Wünsche dem Meeting vom 19. August zu übermitteln!. Der VII. Kongress hat unsere Ansichten über den Zionismus geklärt. Er hat nochmals das Baseler Programm als die Grundlage unseres künftigen Strebens proklamiert. Nichtsdestoweniger hat er den grossen Verlust, den wir durch den Tod unseres Herzl erlitten haben, nicht wettmachen können. Es ist daher die Pflicht eines jeden ehrlichen und wahren Zionisten, mit doppelten Kräften für unsere heilige« Sache zu arbeiten. Zionisten mögen individuelleA-nsichten, die ihnen gefallen, vertreten, vorausgesetzt, dass sie sich treu und offen an unser erprobtes Baseler Programm halten und folglich auch an den politischen Zionismus. Denn nur durch eine politische Bewegung können wir unser Ziel erreichen. Ich bin überzeugt, dass der Zionismus, wie bisher, auch in Hinkunft auf den guten Willen der Londoner Zionisten rechnen kann. (Stürmischer Beifall.) Ussischkin teilt in seinem Briefe seine Ansicht über den gegenwärtigen Stand des Zionismus und die künftig zu leistende Arbeit mit und hofft, dass der eingetretene Friede in den zionistischen Reihein, den er mit allen Kräften aufrechterhalten will, auf dem achten Kongresse greifbare Resultate eines gemeinsamen Zusammenarbeitens zeitigen werde. Der Vorsitzende J. Cowen ergreift nun das Wort und schildert zunächst seine persönlichen Eindrücke vom Kongress. Wir alle, sagt er einleitend, haben unter dem grossen Verluste während des vergangenen Jahres gelitten, aber niemals wurde dieser Verlust so schwer empfunden wie während der Kongresstage. Es war vorauszusehen, dass der VII. Kongress ein schwieriger und erregter sein werde, und ich glaube, ohne die dort zutage getretenen Differenzen zu unterstützen, es wäre viel schwieriger gewesen, den Frieden und die Einigkeit wieder herzustellen, hätte nicht die Erinnerung an unseren grossen Führer, der durch seine machtvolle Persönlichkeit manche stürmische Sitzung zu einem friedlichen Schlüsse brachte, über sein Grab hinaus versöhnend gewirkt. Cowen bespricht nun die Vorgänge am Kongress und die bekannten zwei Resolutionen. Er habe in Basel gelernt, dass unser Volk, wie alle anderen, nur den geraden und offenen Weg verstehen und gehen wollen und der könne nicht über Afrika nach Palästina führen. Als er für die Aussendung einer Kommission zur Erforschung Ugandas gestimmt habe, sei er von vornheredn überzeugt gewesen, dass der Zionismus als solcher nie dieses Projekt hätte ausführen können, sondern nur private jüdische Institutionen. Unser Volk und unsere Kräfte können nur nach Palästina zielen: Neben der Arbeit, die wir ausserhalb Palästinas für dasselbe leisten, werde gleichzeitig nach den in der zweiten Resolution niedergelegten Grundsätzen im Lande selbst praktische Arbeit geleistet, was keineswegs ein Abgehen von unseren politischen Prinzipien bedeute, vielmehr allen Zioniisten, mögein sie nun mehr für praktische oder mehr für politische Arbeit sein, ein gemeinsames Arbeiten gestatte. Mit der Schilderung der Generalversammlung der Nationalbank und der vorgenommenen Statutenänderung schloss Cowen seinen mit stürmischem Beifall aufgenommenen Bericht. Mr. L. J. Greenberg, der sehr herzlich empfangen wurde, ergriff nun das Wort: Als Delegierter zum siebenten Zionistenkongresse muss ich meinen herzlichsten Dank für den Empfang, der uns zuteil geworden ist, aussprechen. Wer sich als Delegierter zu einem Zionistenkongresse begibt, unternimmt keine Vergnügungsreise. Viel Arbeit und Sorge hängt damit zusammen, denn ich glaube, dass jeder Delegierte empfindet, dass er an einem mit grosser Verantwortung verknüpften Werke teilnimmt. Wenige unter uns wagen es, «ich zu vergegenwärtigen, bis zu welchem Grade davon Leben, Freiheit und Glück von Millionen unserer Brüder abhängen; die Zukunft, die dem jüdischen Volke bevorsteht, liegt noch im Schosse der Zeit Der Zionismus, dessen Streben es ist, dem jüdischen Volke ein öffentlich anerkanntes, gesetzlieh gesichertes Heim in Palästina zu gewinnen, steht heute zwischen dem Juden und äusserster Verzweiflung an seiner Zukunft als Jude, zwischen dem jüdischen Volke und nationalem Chaos. Er steht heute da als die einzige organisierte Bewegung, unter denen die vorgeben, sich der Judenfrage zu widmen, und als das einzige würdige Mittel zur Lösung derselben. Gewaltig sind die Schicksale, denen wir Zionisten ihre endgültige Gestalt verleihen sollen; gross ist die Verantwortung derer, die daran teilnehmen, Ihr Empfang heute abends, der Ihre Anerkennung dieser Tatsache ist, beweist, dass wir, ob wir nun viel oder wenig während des Kongresses getan haben, ob, was wir taten, weise war oder nicht, wir doch nach unserem besten Wissen und Gewissen unser Aeusserstes getan haben. Dieser Empfang kommt nicht nur als Lohn für arbeitsvolle Tage — und Nächte — sondern auch als Sporn zu weiterem Schaffen für die Sache, der uns zu widmen unser Vorsatz ist. Aus persönlichen Gründen war ich gezwungen, Basel vor dem Schlüsse des Kongresses zu verlassen. In meiner Abwesenheit wurde ich zum Mitglied eines Komitees von sieben ernannt, dem die Leitung unserer Bewegung anvertraut ist. Ich bin milder Ehre sehr wohl bewusst, die mir dadurch zuteil geworden ist, muss aber gestehen, dass ich mir nocli mehr der schweren Bürde bewusst bin, an deren Last ich nun teilnehmen soll. Ich habe diesen Vertrauensposten angenommen, da ich glaube, dass jetzt nicht die Zeit ist, wo Zionisten sich der Arbeit entziehen dürfen, so mühevoll sie auch sein mag, und ich rechne auf den Beistand, die grossmütige Langmut und das wohlwollende Vertrauen derer, durch die mir diese Auszeichnung zuteil geworden ist. Ich fürchte, dass meine Wahl in dieses Komitee einen weniger regen Anteil an der innern Arbeit des englischen Zionistenbundes, mit dem ich seit seiner Gründung in Verbindung stehe, bedeuten muss; ich versichere Sie jedoch, dass, obgleich ich meinen Sitz im Aktionskomitee unserer Bewegung mit meinern Verbleiben im Aktionskomitee des Bundes unvereinbar finde, mein Interesse am Werke des Bundes dadurch in keiner Weise beeinträchtigt werden wird. (Beifall.) Doktor Nordau nannte in seiner schönen Rede bei Eröffnung des Kongresses diesen den Sabbat-Kongress. Ein Witzbold sagte darauf, Dr. Nordau hätte ihm einen guten IN amen gegeben, da derselbe sich davor hütete, irgend etwas zu schaffen. (Gelächter.) Innerhalb gewisser Grenzen hatte der Witzbold recht, denn der Kongress gab höchstens den Takt an, er tat keinen Schritt vorwärts. Dennoch hatte Doktor Nordau bessere Gründe, als den ihm in diesem Witze zugeschriebenen, um den siebenten Kongress den Sabbatkongress zu nennen. Erstens war uns dieser Kongress, wie der Sabbat, ein Trost für die Trauernden. Herzl lag tot und in nicht wenigen von uns regte sich die Furcht, dass unsere Bewegung so eng mit ihm verknüpft war, dass sie seinen Tod nicht überleben könnte. Diejenigen unter uns, die so begünstigt vom Geschick waren, Herzl zu kennen, werden,bis unser e Herzen im Tode stillstehen, sich in keinem Sinne trösten lassen. Wenn aber etwas unseren unauslöschlichen Kummer lindern kann, so ist es der Gedanke, dass die Bewegung, die er stiftete, weiter lebt und gedeiht. Und davon hatten wir während des siebenten, des Sabbatkongresses zahlreiche BeweiseJJnd weiter, der Sabbat ist

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