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Die Welt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bis * Welt" Nr. 34 sehen Gesetz immer fühlbarer. Da das Studium der hebräischen und rabbinischen Literatur auf den aligem-eiuern Universitäten nach meiner Ansicht nicht ernstlich genug betrieben werden kann, so bestimme ich, dass eine spezielle Anstalt für den Unterricht der hebräischen und semitischen Sprachen sowie des rabbinischen' Schrifttums begründet wird. Solltem die Mittel es erlauben, so können in dem College noch andere Sprachen sowie wissenschaftliche Disziplinen betrieben werden. Dieselben dürfen jedoch in keiner Weise den Hauptzweck der Anstalt, den hebräischen Unterricht, in dem Hintergrund drangen.. Das College soll von 5 Direktoren und höchstens 21 von ihnen zu ernennen den Lehrern geleitet werden. Als erste Direktoren der Anstalt wurden von dem Erblasser die Herren Richter Meyer Sulzberger, Dr. Aron Fraedenwakl, Dr. Cyrus Adler, Oskar S. Strauss und William B. Hackenburg ernannt. Spätere Direktoren dürfen nur Männer jüdischen Glaubens sein, welche ihre Sympathien mit des Testators Ansichten über die Notwendigkeit des Hebräischen bekundet haben. Hörer dürfen allen Konfessionen angehören. Unsere versprengten Brüder. Die Juden von Marokko hoffen, ein französisches Protektorat werde ihnen mit einem Schlage die Gleichberechtigung bringen. Sie würden vielleicht in ihrem Glauben sehr nachlassen, wenn sie die traurige Lage ihrer Brüder in dem nahen, seit 1880 unter Frankreichs Oberhoheit stehenden Tunis kennen lernen würden. Dieselbe ist fast so traurig wie vor der Proklamation des Protektorates. Nach wie vor dürfen die Juden kein Amt bekleiden. Die heimischen Behörden lassen sie zu keinem Amte zu, weil sie keine Mohammedaner sind, und die französischen Behörden sperren ihnen den Weg zu jedem Amte, weil sie keine Christen sind. Selbst unter den Stadtverordneten von Tunis, von denen vierzig durch den Generalresidenten ernannt werden müssen, sitzt nur ein einziger Jude, obgleich die Juden den dritten Teil der gesamten Bevölkerung ausmachen. Die französischen Behörden suchen ferner mit allen Mittel™ zu verhindern, dass ein tunesischer Jude französischer Untertan wird. Während der Araber durch einen dreijährigen Dienst in der Armee des Bey das Recht erhält, in den französischen Untertanenverband zu treten, muss schon der Jude, der in mohammedanischen Ländern bekanntlich keinen Militärdienst leisten darf, mindestens fünf Jahre in der berüchtigten Fremdenlegion dienen. Aber selbst, nachdem er diese reine Zuchtliausarbc-it geleistet hat. stösst er auf dem Wege zur Erwerbung des französischen Bürgerrechtes auf allerhand, auf dem berühmten Veriassungswege künstlich errichtete Barrieren. Der Orund ihr alle diese traurigen Erscheinungen ist in der Tatsache zu suchen, dass die Klerikalen und Jesuiten im Laufe der Jahrzehnte es eben verstanden haben, sämtliche Zivil- und M.ilitärärntcr mit ihren Zöglingen zu besetzen. Die französischen Behörden sind daher trotz aller seit drei Jahren von der Kammer gemachten Reinigungsversuche immer noch durch und durch reaktionär und antisemitisch. Dass ein tunesischer Jude nur sehr schwer französischer Untertan werden kann, ist für die dortige Judenheit mit sehr schlimmen Folgen verknüpft. Während nämlich der Franzose unter der Jurisdiktion seines Landes steht, muss der tunesische Jude, wenn er mit einem Muselman in Streit gerät, von einem mohammedanischen Gerichtshofe Pecnt nehmen. Es braucht kaum gesagt zu werden, dass unter diesen Umständen ein Jude in Tunis im Streite mit einem Gläubigen niemals Pecht behält. Früher pflegten sich die Juden daher in grossen Massen unter den Schutz der fremden Konsuln zu stellen. Seit 189S ist dies aber vom Generalresidenten verboten. Die Juden sind nunmehr. bemüht, wenigstens das zu erlangiT, was Ludwig Philipp ihren Stammesgenossen in Algier schon im Jahre 183-4 eingeräumt hatte, nämlich unter französische Jurisdiktion gestellt zu werden. Der Generalresident überwies die betreffende Eingabe einer beratenden Konferenz, deren Beschlüsse er beim französischen Minister des Aeussern zu befürworten, versprach, hoffentlich wird der in Paris residierende Minister weniger antisemitisch als die ihm unterstehenden Beamten in Tunis sein. Ein jüdischer Tapferer. In vielen Berichten aus der Mandschurei ist bereits von d^rtapferen und tadellosen Haltung der jüdischen Soldaten die Rede erewesen. Jetzt wird wieder die Heldenhaftigkeit eines jüdischen Artilleristen namens Lazar Lichtmacher rühmend erwähnt. Viermal ist Lichtmacher bereits dekoriert worden; er besitzt alle vier Klassen des militärischen Ordens für Tapferkeit. In einem der letzten Gefechte schwer verletzt, wurde er nach Irkutsk ins Hospital des Rothen Kreuzes gebracht, wo man ihm den linken Arm amputierte. Es litt ihn aber nicht lanpre im Spital. Er wendete sich an den Generalleutnant Trepow. ihn zu seiner Batterie zurückzuschicken, und erhielt am selben Tage noch die telegraphische Erlaubnis. Gleichzeitig gratulierte Trepow der Kompanie Lichtmachers zu dem ..tapferen Kameraden". Büchereinlauf. Prof. Dr. Adolf Kurrein: Dr. Herzls Pläne. Vortrag, gehalten in der Zionistischen Vereinigung in Berlin. Verlag von Michael Stern, Leipzig-Berlin-Wien. Preis K 0,25 Mk. 0.20. Dr. Hermann Kadisch: Jungjuden und Jungösterreich. Herausgegeben von der „Jüdischen Vereinigung". Verlag der „Jüdischen Vereinigung", Wien. Anruaire des Archives Israehtes pour Tan Monde 5666 (du 30 sept. 1905 au 30 sept. 1906). Par H. Prague. Paris. Au Bureau des „Archives Israelites". Het Staatskrediet van Rumenie. Door C. G. Rommenhöller, Consul General van Rumenie. Rotterdam 1903. Die israelitische Kultusgemeinrie in Bielitz (1865—1905). Ein geschichtlicher Rückblick. Zusammengestellt von Doktor Aronsohn. Bielitz 1905. S. Heller: Die echten hebräischen Melodien. II. Auflage. Breslau. Schlesische Verlagsanstalt H. Schottländer. Koglgruber: Oberösterreichische Dialektdichtungen. 2. Auflage. Linz Oberösterreichische Buchdruckerei und Verlagsgesellschaft. Schlüssel zu Dante Alighieris Werk: „Das Neue Leben". Eine Komödie in drei Abteilungen. Von Michael L i n o w i t z, Zürich. Verlag D. Clexner. 1905. Ph. Ch. Cosmann: Jüdische Sehnsucht. Komposition für Violine mit Klavierbegleitung. Verlag G. H. van Eck. Haag. „Ha Orah, Ritual werk, Rabbi Salomo ben Iaaac (Raschi) zugeschrieben. Nach mehreren Handschriften herausgegeben und eingeleitet von Salomon ßuber. Lemberg, 1905. Ta'ame Simro. Hebräische Kinderlieder. In Musik gesetzt von mehreren Komponisten. Verlag „Moria"- .,Achias?.f-, Warschau, 1904. Preis 1 Rbl. Klausner, Dr. Josef. „Die messianischen Vorstellungen des jüdischen Volkes im Zeitalter der Tanaiten". Berlin, M. Pop^lauer. 1904. Andorn S. (Crefeld): Die Psalmen im Religionsunterrichte. Vortrag. Rödelheim, 1905. Moses Hess' jüdische Schriften. Herausgegeben und eingeleitet. V'-n Theoder Zlocisti. Verlag von Louis L a m m, Berlin, 1905. „Zionismus * und Kirchenstaat". Von H. K. (Samuelo). Preis 50 Pf er; Und „Dia jüdischen Aerzie und ihr Einfluss auf das Judentum". Von Dr. Sc herb el. Mit Illustr. Preis Mk. 1.50. J. Singer Sc Co., Verlag, Berlin. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Der Kongress hat in der jüdischen Presse aller Sprachen viele Würdigung gefunden und zumeist volle Zufriedenheit erweckt. So triumphiert die Amsterdamer Wochenschrift „De joodsche Wächter" über die Reinerhaltung des Programms und erklärt alleRichtungen, die am Programm nicht festhalten, für nichtzionistisch. Der Triester „Corriere Israeliiiccr bringt einen ausführlichen Bericht über den Kongress, mit dessen Resultaten er zufrieden ist. Bezüglich der Sezessionisten meint er: „Besser, einige fallen ab, als das viele irre werden. Jerusalem, das hehre, wird stets das Ziel und der Ruhm des jüdischen Volkes bleiben." „Tribuna Sionistatf-ßukarest widmet seine ganze verstärkteNummervom5. August dem Kongress und konstatiert, dass von den acht rumänischen Delegierten sieben für das reine Palästinaprogramm eintraten. Einen ebenso sympathischen und genauen Bericht enthält „Cronica Israelita" - Bukarest. Ueber dem grossen Wasser ist das Interesse ein ebenso reges. „The Hebrew Standard" New York reproduziert in seiner Kongressnummer Nord aus Trauerrede sowie einen Bericht über die ersten Tage. Der Kongress, überall mit Spannung und Ungeduld erwartet, scheint in Amerika besonders gewürdigt worden zusein. „Standard" bringt Berichte über Massenmeetingsund Strasp^ndemoDstrationen, z. ß. in New York, wo über 5000 Zionisten mit zwei Kapellen und Fahnen durch die beflaggten Strassen zogen. Aehnliches geschah in allen jüdischen Zentren Amerikas. Iteha. In seinem Sabbat-Feuilleton in der „Hazefirah* Nr. 162 spricht sich nun auch N. Sokolow über die Ergebnisse des VII. Kongresses aus. In geistreicher Weise schildert er, wie der Schwärm assimilatorischer Geier und dergleichen befiederten Getiers den vermeintlichen zionistischen „Leichtnahm" umgebe und sich vergnügt zum Schmause setze

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