Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 „bie # weit" Nr. 34 Delegiertentag der deutschen Zionisten in Basel. Um 0V2 Uhr eröffnet Rechtsanwalt Bodenheimer im Zunfthaus zum Safran dien Delegiertentag der Deutschen Ziolisten mit einem Nachruf auf Theodor Herzl, der von der aus etwa 70 bis 80 Personen bestehenden Versammlung stehend angehört wurde. Ausser den Delegierten gehören der Versammlung eine Reihe von Gästen an, die sich grösstenteils aus Migliedern der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zusammensetzen. Bodenheimer führte in seinem Nachrufe auf den geschiedenen grossen Führer und in seiner Eröffnungsrede ungefähr das folgende aus: „Unter umflortem Banner versammeln wir uns heute und immer aufs neue durchwühlt uns der Schmerz, wenn wir des teuren Toten gedenken, dessen leuchtendes Vorbild uns entflammte und uns im Kampfe für unsere Sache zu immer festem Ausharren und neuem frischem Mute entflammte. Der Schatten, der bereits unsere letzte Tagung in Hamburg verdüsterte, ist zur tiefsten Trauer geworden, aber nach Herzls eigenen Worten, die er den Kischinewer Märtyrern widmete, wollen wir auch unsererseits unsere lebende Sorge den Lebendigen weihen. Ueber unsere Tätigkeit ist kurz berichtet: Auf dem letztem Hamburger Delegiertentage wurde an dem Sitze der grössten Ortsgruppe für die praktischen Arbeiten der Organisation ein Zentralbureau eingerichtet, während weiter das Zentralkomitee in Köln die oberste beschliessende Behörde darstellte. So blieb diesem der Verkehr mit den ausländischen Organisationen und der Zentralleitung überlassen. Ausserdem musste es namentlich zuerst noch eine ausgedehnte Korrespondenz mit den Ortsgruppen führen. Allmählich tritt an dessen Stelle eine ebenso ausgedehnte Korrespondenz mit dem Berliner Zentralbureau. In der Berichtszeit fanden zwei Sitzungen des Zeutralbureaus statt, beide in Köln. In beiden wurde die durch den Tod unseres Führers geschaffene Situation zum Ausgange der Beratung gemacht. In der ersten wurden neben dem Nationalgeschenk für die Kinder Herzls noch die Kompetenzen des Zentralbureaus gegenüber dem Kölner Zentralkomitee genauer abgeigrenzt. In der zweiten Sitzung wurde der in" Nr. 18 der ,,Jüdischen Rundschau" und in einer Separatnummer dieses Parteiorgans veröffentlichte Aufruf ausgearbeitet und einstimmig beschlossen, um eine Grundlage zu schaffen, für eine spätere Verständigung zwischen allen Parteigenossen!. Die Zustimmung unserer Gesinnungsgenossen, die uns von allen Seiten zuteil wurde, belehrt uns, dass wir nicht nur sachlich das Richtige getroffen haben, sondern auch im Sinne der Verständigung innerhalb der Partei auf dem richtigen Wege waren. Es wurde die Herausgabe eines Adressbuches für die Deutschen Zionisten, ferner eines zionistischen! ABC-Buches, endlich die Neugestaltung dies Priessausschusses beschlossen. Infolge eines Beschlusses wird jetzt die Eintragung des Zentralkomitees in das Vereinsregister bewirkt. Mit dem Verbände deutscher Juden ist man zum Schutze der jüdischen Akademiker in den Ostprovinzen zusammengetreten, um die Uebergriffe des deutschen Ostmarkeriivej'reins und. der polnischen Marcinowskiorganisation auf die wirtschaftliche Existenz der jüdischen Akademiker abzuwehren. Das Zentralkomitee besorgte die Numerierung und Versendung der Schekelblocks. Das Fortschreiten der Bewegung ist auf das gedeihliche Zusammenwirken der alten Kölner und der neugeschaffenen Berliner Zentrale zurückzuführen. Ohne der Meinung des Delegiertentages vorgreifen zu wollen, kann schon jetzt konstatiert werden, dass die deutsche Landsmannschaft jede Abänderung des Programmes ablehnt. (Grosser, allseitiger Beifall.) Bei der Wahl «der neuen leitenden Männer müssen wie sehen, dass sie der Sache nützlich sein können. Der Platz, an den wir sie stellen, ist heute schon gross und hoch genug, um ihre Wirksamkeit nicht unbeachtet bleiben, zu lassen. Wenn unsere Bewegung wächst, dann werden die Namen mit Ehrfurcht genannt werden, die uns den Weg zur Höhe führen. Darum Jasst unsere Fahne hoch im Winde flattern, noch gibt es Männer in Israel, 'die sie mit starker Hand unserem Volke vorantragen können. (Langanhaltemder, lebhafter Befall.) Es folgt H a n t k e s Referat über die Tätigkeit des Berliner Zentralbuneaus im Anschluss an den in der „Jüdischen Rundschau'4 gedruckten Bericht. Um 51/* Uhr beginnt die Diskussion. Dazu liegen Anträge vor: 1. Von der Ortsgruppe Posen: 1". den Sitz der Zentralkomitees nach Berlin zu verlegen; 2. in Badeorten mit erheblicher jüdischer Frequenz zionistische Propaganda zu entfalten; 3. die jährlichen ordentlichen Delegiertentage innerhalb des Deutschen Reiches und mindestens einen Monat vor einem Kongress abzuhalten; 4. die Resolution, betreffend das Arbeitsprogramm der Ortsgruppen, erneut zur Diskussion zu stellen und zugleich dem Zentralkomitee die M i s s b i 1 1 i g u n g darüber auszusprechen, dass diese! Frage nicht nach dem entsprechenden Beschlüsse des Delegiertentages weiter bearbeitet worden ist. — Die weiteren Anträge beziehen sch auf interne Verwaltungsangelegenheiten, u. a. arbeitsunfähige Ortsgruppen als solche zu suspendieren und nur als Vereinigungen mit einem Vertrauens mann an der Spitze fortbestehen zu lassen. — Bei den Kongresswahlen soll schriftliche Abstimmung zulässig sein, unter den Kautelen der geheimen Wahl und mit der Massgabe, dass der Stimmzettel am Wahltage beim Wahlleiter eingeht. — Dr. Elias Auerbach beantragt, den Legitimationsausschuss zur schärfsten Prüfung derjenigen Kongressmandate zu veranlassen, die an Personen übertragen worden sind, die den zu wählenden Ortsgruppen gänzlich fernstehen. — Dr. Heinrich L o e w e beantragt im Namen der Berliner Ortsgruppe, dass zum deutschen Delegiertentage nur diejenigen das Wahlrecht haben sollen, die wenigstens durch Zahlung des Landesbeitrages zur Deutschen Organisation gehören. — Der Karl L e v y - Ober-Ingelheim beantragt: 1. Zur Ausführung der Beschlüsse des Kongresses möge nach Beendigung des Kongresses ein neuer Delegiertentag einberufen werden; 2. und 3. einige interne Massnahmen, u. a. Vermehrung der Gruppenverbände; 4. Der Delegiertentag möge sich gegen alle Bestrebungen aussprechen, innerhalb der deutschen Organisation Sonderorganisationen zu bilden. — Die Zionistische Vereinigung Leipzig beantragt einen Tarif für Auslagen an Agitationsredner, deren Einzelheiten im Sinne der Ausführungen Dr. Chamizers in der „Jüdischen Rundschau" gehalten sind. Dr. Bodenheimer teilt namens des Bureaus mit, dass zum Permanenzausschuss die deutsche Landsmannschaft drei Mitglieder zu ernennen habe, doch wäre zu erwarten, dass die südafrikanische Landsmannschaft sich wohl anstandslos der deutschen anschliessen würde. Hierzu bemerkt Dr. Loewe, dass die südafrikanische Landsmannschaft uns gar nichts als deutsche Landsmannschaft angehe, die mögen unter sich einig werden, wie sie es halten wollen. Die Art ihrer Zusammensetzung müsse der Kongress, nicht wir beurteilen. Hey mann beantragt, nur solche Anträge zu besprechen, die zehn Unterstützungen finden. Berthold Feiwel beantragt, zuerst über den Antrag L e v y - Ingelheim abzustimmen, dass nach dem Kongresse noch ein Delegiertentag stattfinden; soll, und ihm eventuell alle inneren Angelegenheiten des Delegiertentages zu überlassen. Dr. Hantke stellt fest, dass es sich hier um den Delegierten tag, nicht um die Land'mannschaftssitzung handelt, und dass die Permanenzausschusswahl in der Landmannschaft stattfinde. Bodenheimer lehnt jede Belehrung über die Befugnisse des Delegiertentages und der Landsmannschaft ab. Gronema im beantragt die Vorwegberatung aller den. Kongress betreffenden Gegenstände