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Die Welt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 „bi* & W^lt" Seite 0 troffen, wenn eine Partei für ihn, aber ausserhalb seines Lagers, kämpfen will Je grösser du bist, desto grösser ist deine Verpflichtung, ein Beispiel in Disziplin zu geben. Je wertvoller deine Kraft, desto weniger hast du das Recht, sie uns zu entziehen. Zangwill muss nicht dasselbe wollen wie der russische Jude. Wenn Zangwill etwas anderes will als dieser, dann darf er ihn zu besiegen trachten. Was Zangwill niemals darf, das ist: ohne ihn kämpfen. Hinter den Toren mögen die Kinder des Ghetto streiten und einander befehden. Die Tore des Ghetto sprengen — das dürfen sie nur gemeinsam. Verzeihe die ungeziemende Belehrung deinem Verehrer. Delegiertentag des Schweizerischen Zionistenverbandes. Der Schweizerische Zioi listen verband hielt im Restaurant .,Zum Rosengarten'4 in Luzern .seinen diesjährigen Delegiertentag ab. Ausser den Mitgliedern des Landeskornitees und dem Revisoren, welche dem Delegiertentag ex officio angehören, waren 35 Vertreter aus 15 Vereinen erschienen. Die israelitische Kultusigemeinde Luzern liess sich bei dem Verhandlungen durch zwei Delegierte vertreten. Der Präsident des Israelitischen Gemeindebundes der Schweiz hatte sich entschuldigt. Bei Eröffnung der Verhandlungen hielt der Präsident Herr Dr. Wormser dem verstorbenen Führer eine tiefempfundene Gedenkrede, die von den Anwesenden stehend angehört wurde. Bei Bestellung des Tagesbureaus wurden gewählt: als Präsident Herr Dr. Wormser (Basel), als Vizepräsident Herr 1.-o-uis Woog (Luzern) und als Sekretär Herr Haymann (Zürich). Aus dem vorn Vorort erstatteten Geschäftsberich t, umfassend, den Zeitraum vom 1. April 1904 bis zum 31. März 1905, ist zu erwähnen: Der Verband setzt sich am Schlüsse des» Geschäftsjahres zusammen aus 20 Verleimen gegen 17 im Vorjahre. Die Zahl der Mitglieder ist fast stabil geblieben, was vom Berichterstatter als Mangel an Agitation seitens der Vereinsvorstände gerügt wird. Neue Ortschaften w urden für die zionistische Idee durch Gründung von Vereinen gewonnen in Luzern und Winterthur. An letzterem Orte hat sich eine zionistische Sektion dem schon lange bestehenden Vereine für jüdische Geschichte, und Literatur angegliedert, ein Vorgehen, wie »es in der Schweiz sich zum ersten Mal als möglich erwiesen hat und das zur Nachahmung bestens empfohlen werden kann. Es würde damit langsam aber sicher ein gewisser klealzustand erreicht, dass sich nämlich nach und nach sämtliche jüdischen Vereine auf zionistische Basis stellen. Die Zahl der S chekelzahle r beziffert sich auf 1153 gegenüber 933 im Vorjahre. Bis zu den Kougresswahlen ist die Zahl noch auf 1394 gestiegen, so dass sie um 461 oder fast 5d Prozent zugenommen hat. N a t i o n a 1 f o n d s. Zu dessen Gunsten sind im Berichtsjahre Pres. 5466.-— gegenüber Frcs 1750.— im Vorjahre eingegangen. Dieses schöne Ergebnis ist hauptsächlich die holge der auf Tisehe-be-Aw durchgeführten allgemenen Sammlung sowie einer einmaligen Spende von Frcs. 2000.—. Zum angeführten Resultate kommen noch hinzu Frcs. 63 — für verkaufte Nationalf onds mar kern und Frcs. 30.48 für Oel- I aumspenden. Der Verbreitung von Nationalfondsbüchsen wurde vom Vororte besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Nicht unerwähnt sei hier, dass in mehreren Synagogen der Schweiz Natonalfondsbüchsien aufgestellt sind. Der Kassenbericht konstatiert je Frcs. 122L—- an Einnahmen und Ausgaben und schliefst mit einem Aktivsaldo von Frcs. 150.— ab. Das Landeskomitee stellte den Antrag, dem Schweizerischen Alterasyl in Lengnau und dem Waisenhaus in Basel je ein Bild Dr. Herzls schenkungsweise zu überlassen und den Rest des Aktivsaldos zum Ankaufe von Aktieni der Jüdischen Kolonialbank und der Anglo-Palestina Co. zu verwenden. Demgegenüber beschloss der De'legiertemtag die Schenkung der Bilder zu unterlassen und den ganzen Saldo zum Ankaufe von Aktien zu benützeu. Für den. bevorstehenden K o n g r e s s wurden die schweizerischen Scheikelzahler in 6 Wahlgruppen eingeteilt, von denen jede einen Delegierten zu wählen hat. Die Gruppen sind: Genf, Bern, Biel, Basel, Zürich und Luzern-St. Gallen. Alis neuer Vorort wurde wiederum Basel bestimmt und zu Mitgliedern des Landeskomitees ge-wählt: Vorort (Bureau des Landeskomite'e's): Präsident Dr. med. Edmund Wormser; Aktuar Moritz Levy, beide in Wiederwahl; Kassier J. .Bo>llag- Feuchtwanger, neu, in Ersetzung des eine Neuwahl ablehnenden Dr. Leopold Weil. Weitere Mitglieder des Landeskoinitees: Dr. med. Carnille Levy, Biel (Nationalfondskassier), bisher; Ingenieur L. Falk, Baden, bisher; J. Horn, Zürich, neu; Maurice Bloch, Lausanne, neu; die beiden letzteren in Ersetzung der ausscheidenden Herren Dr. Farbstein-Zürich und Dr. Pasmaiiik-Genf. Nachdem noch als Publikationsorgan wiederum das in Zürich erscheinende „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" bestimmt und das mit Frcs. 1300.— Einnahmen und Ausgaben balancierende Budget genehmigt worden war, waren die geschäftlichen Traktanden des Delegiertentages erschöpft. Noch wurde beschlossen, den Aktuar, 'der in das fünfte Jahr seimer Tätigkeit für den Verband eintritt, in Anerkennung seiner Verdienste in das Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. Die Delegiertentage deis Schweizierischen ZionistenVerbandes sind nur voni kurzer Dauer und ausschliesslich geschäftlichen Traktanden gewidmet. Zu theoretischen Erörterungen bleibt — und das dürfte kein grosses Unglück sein — nicht viel Zeit übrig. Die Traktandenliste des Kongresses wurde übrigens in einer besonderen Sitzung der Komgressdelegierter. gemeinschaftlich mit den Mitgliedern des Landesko>mitees durchberaten. Die Zahlen, mit denen der Schweizerische Zionistenverband auftreten kann, sind, absolut genommen, keine imponierenden. Die Schweiz selbst ist eben ein kleines Land und die Zahl ihrer jüdischen Bevölkerung gering; mach der letzten Volkszählung 12 000 Seelen. Vergleicht man jedoch die zionistischen Zahlen aus der Schweiz mit denjenigen anderer Länder, so dürfte die Schweiz ziemlich an der Spitze stehen. Wäre nämlich die prozentuelle Beteiligung auf der ganzen Erde dieselbe wie in der Schweiz, so würde unsere Bewegung eine Million Schekelzahler umfassen. Der NationialfondiS würde 10 bis 12 Millionen betragen, denn seit seiner Gründung sind in der Schweiz über Frcs. 12 000 gesammelt worden. Wenm also auch nicht im Jahre, so doch in dreieinhalb Jahren ein Frauken auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung. Die Erfolge, die wir bereits errungem, sollen uns aber keine Ausrede sein, auf den „Lorbeeru" auszuruhen. Wir werden nicht rasten, bis wir unser internes Ziel erreicht haben werden: die Worte jüdisch und zionistisch als identische Begriffe zu sehen. Dadurch glauben wir, unserem Endziel und unserem Ideale, der öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina, manchen Baustein zuzutragen. Moritz L e v y.

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