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Die Welt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 „bie $ weit» Seite 7 Die Judäo-Poleu, die im Polenklub des Reichsrates sitzen, hatten anfangs die Wichtigkeit der Sache begriffen und Förderung versprochen. Einzelne von ihnen, die sich auch noch ein klein wenig Juden fühlen, wie zum Beispiel Dr. Byk, hatten es auch ganz kurze Zeit an Anstrengungen nicht fehlen lassen und hatten dem Blatte nicht bloss manche Einkünfte, sondern auch bestimmte Verbindungen beschafft, die seinen Bestand festigen sollten. Dann aber hiess es, auch etwas für seine Verbreitung tun. Und dazu wären nicht bloss ein paar Kratzfüsse in den Ministerkanzleien nötig gewesen, sondern wirkliche Arbeit, Sie hätten im Lande ihren Einfluss für ihr Unternehmen geltend machen, sie hätten agitieren müssen, Dazu aber gehört ausser dem Geld auch der gute Wille, die Kraft der Ueberzeugung, die Einsetzung der eigenen Person. So wie es aber all dieser Hilfsmittel bedurfte, versagten die Juden des Polenklubs, versagten die führenden „Polen mosaischer Konfession" vollkommen. Dr. von Rappaport, der Millionär, hatte zur Erhaltung des Parteiblattes nicht halb so viel übrig, wie die Einschaltung der Antwort auf einen Kestraneksehen Angriff in der „Neuen Freien Presse" kostet. Unter allerhand Kautelen soll er dem Redakteur 250 Kronen — versprochen haben. Dr. Byk, dem einmal die Katastrophe für die nächsten acht Tage vorausgesagt wurde, wollte — nach der Rückkehr vom Sommerurlaub — die Sache überlegen. Er sah die Wichtigkeit der Sache ein und erliess als Präsident der Lemberger Kultusgemeinde ein Zirkular an die Judengemeinden des Landes, in dem er um Subventionen für das Blatt bat. Aber da zeigte sich das absolute Versagen der Kräfte der Assimilationsjuden. Jede Resonanz blieb aus. Wie sollten auch die Provinzgemeinden, die Landjuden etwas leisten, da doch die Grosejuden sich nicht entschliessen konnten, in den Säckel zu greifen? Der Aufruf, ein Appell an die schönsten Assimilantengefühle, war in die Luft gesprochen. Zwei Gemeinden sandten Spenden von 50 oder 100 Kronen. So viel hat das Land Galizien zur Förderung dieser Spielart von Judenpolitik übrig. Man darf annehmen, dass ein Teil der Jüdischnationalen aus prinzipiellen Gründen nichts gab. Aber wo bleiben die Gaben der „Polen"? Und als dann die Regierung um die versprochene Subvention angegangen wurde, da sagte einer der höchsten Beamten des Landes: „Ja, wir sollen geben, da doch diereichen Juden selbst nichts geben? Es isteinwahrer Skandal, dass sie so vollständig versagen." Und das Blatt ging zugrunde. Die Unfähigkeit, selbst ein Opfer zu bringen, die Unfähigkeit, andere zu irgendeiner Tat zu vermögen, die Unfähigkeit, ein Zeichen wirklichen Lebens zu geben: das ist das Kennzeichen des Assimilationsjudentums und seiner Vertreter in Galizien. Jede Handvoll Arbeit zur eigenen Erhaltung geht über ihre Kraft. Man kann wohl sagen: Ihre Uhr ist abgelaufen. Von Fels zu Meer. Ta-kai-si (Japan), 2./15. Juni 1905. An Herrn Ingenieur Ussischkin in Jekaterinoslaw. Hochgeschätzter älterer Bruder in Zion! Nach längerer Vorbereitung haben wir endlich hier einen zionistischen Verein gegründet. Ein kleiner Verein — er besteht aus kaum zehn Mitgliedern, aber diese zehn stehen unerschütterlich auf zionistischer Basis. Und Sie begreifen doch gewiss, was zehn hingebungsvolle, arbeitsfreudige Männer vermögen. Die Zionisten unterhalten hier eine von ihnen gegründete Schule, in welcher mehr als 100 Teilnehmer Hebräisch, Russisch und Arithmetik lernen. Von Zeit zu Zeit veranstalten wir Vorträge über zionistische und andere Themen. In nächster Zeit beginnen wir mit der Herausgabe eines zionistischen Wochenblattes „Jewrejskaja Schisu" für die gefangenen Juden in Ta-kai-si. Die Mehrheit unseres Kreises verhält sich zum Zionismus sehr sympathisch. Unser Kreis russischer gefangener Juden besteht aus 500 Seelen. Gleichzeitig mit diesem Schreiben wenden wir uns an die New Yorker Zionisten wegen 100 Schekelquittungen. Wir wenden uns an die Amerikaner, weil sie uns gegenwärtig näher sind als die russischen Gesinnungsgenossen, aber wir wollen auch fürderhin mit den russischen Zionisten die warmen Gefühle teilen, die unsere Herzen schwellen, wenn wir sehen, wie das Zionsideal nach und nach auch die entferntesten Gefilde erobert. Mit Zionsgruss an Sie und die übrigen russischen Zionisten! Der Präsident: Josef Trumpeldor. Folgen neun Unterschriften (russisch). Adresse: Japan, Chamadera, Chore-tju-e-dsche Josef Trumpeldor, Nr. 14276 Hof Nr. 4, Barake Nr. 42. Ferner erhalten wir folgende Nachrichten aus der Bewegung: In Johannesburg wurde im Juli die erste Konferenz der südafrikanischen zionistischen Föderation abgehalten. Die dreitägigen Beratungen waren sehr stark besucht. Die 150 Delegierten vertraten die 30.000 Juden der Kapkolonie, Natals Rhodesias, Orairjes, Transvaals und der portugiesischen Besitzungen, und zwar die 74 Zionsvereine südlich vom Zambesi. Einen ausführlichen Bericht über diese bedeutende Konferenz lassen wir folgen. Die Zionisten in San Francisco und Oakland hielten am Jahrzeittage ein Trauermeeting ab, an dem alle zionistischen Vereine sowie die freien Orden teilnahmen. Es sprachen L*on Album namens der Föderation, Rabbi B. Kaplan, S. Weisskopf von der Bnei Brith Grand Lodge A. Bingolsky namens der „Karmei-Zionisten*, Epsten für die „Helpers of Ziona. . Gedenkfeiern fanden in grosser Menge m der Union statt. „The Jewish Voice", St. Louis, Mo., zählt deren viele auf, mehrere in St. Louis, dann in Sion City, Kansas, Hartford, Pittsburg usw. Marien bad» (Telegramm.) In Basel gegründetes literarisches kulturelles Institut „Sinai" Dienstag erste Versammlung abgehalten. Es sprachen Bernfeld, Hurwitz, Brainin. Moralischer und materieller Erfolg ausserordentlich. Barbasch, Slotopolsky. Brief an Zangwill.*) Teurer Meister! Du hast unrecht getan. Ungeziemenderweise rede ich dich vor allem Volk an und schwöre dir bei dem Ruhme deiner „Kinder des Ghetto": Du hast Unrecht getan. Weil du Zangwill bist, muss man dir das öffentlich sagen. Du selbst hast deinem Namen das Privilegium der Oeffentlichkeit verliehen und du musst, wenn du unrecht getan hast, den Schaden dieses Privilegiums tragen, bis du in der Heimlichkeit einsiehst und in der Oeffentlichkeit sühnst. Du hast das Unrecht begangen, zu vergessen, wie die Freiheit beschaffen ist, die wir in allen Ländern *) Wir veröffentlichen diese Meinung eines bewährten Gg. ohne unserer eigenen vorzugreifen. Die Red.

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