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Die Welt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 „bi* & W>lt" Seite 5 dramatischesten Vorgängen vor Langweile scheut Sie ist es müde, sie zur Kenntnis zu nehmen. Wie regte man sich auf, als die ersten Schiffe voll rumänischen Hungers die Donau heraufkeuchten! Damals benahm sich das jüdische Westeuropa tadellos. Aber die Auswanderung aus Rumänien schwoll immerfort an und dauert weiter. Fort mit diesen langweiligen Schnorrern, welche unser Mitleid und unsere Sensationsgier ermüden! Ein paar verdriessiiche Almosen an die Sammelvereine und dann für immer stumpfe Gewöhnung. Eine grosse R.eihe bewegter Premieren und langweiliger Reprisen liegt auf dem Weg unserer letzten Jahre. Der Staat stellte uns zurück, die Gesellschaft griff uns an, der Boykott schnitt uns ins Mark, geschriebene und ungeschriebene Gesetze schufen ein unsichtbares Ghetto um uns herum, die Länder Hessen vor unseren verelendeten Massen die Tore sperren — unsere Wortführer, zündeten immer ein Strohfeuer der Aufregung an, nach dessen Verflackern es um unser Volk nuL' noch öder, noch trauriger aussah. Die Verantwortlichen aber wurden müde, es zu registrieren. Zu ihnen im woitätigen Gegensätze stehen aber jene Juden, welche durch die Wiederholungen unseres Unglückes nicht müde werden, nicht gleichgültig, sondern angespornt und energisch. Gerade weil kein Ende und keine Besserung kommt, sind die Zionisten um so erregter im Empfinden und unermüdlicher in der Arbeit, Die Wiederholungen verdriessen auch sie, aber nicht, wegen der Einförmigkeit, sondern wegen des Schadens, Sie werden nicht müde darin, ihren Brüdern, den Enterbten des Glückes, nach Kräften zu hellen und die verführte Gefolgschaft der Geduldspolitiker aufzurütteln. Mit allen Mitteln der Agitation suchen sie die Juden zu bewegen, sich nicht in den Schlamm der Taktik des Abwartens herunterziehen zu lassen, nicht stumpf zuzusehen, wie ihrer Ehre und ihrem materiellen Leben immer schwerere Schäden zugefügt werden. Keine bösere Gewohnheit strebender Völker als die Gewöhnung, als die Geduld, als die Müdigkeit des Gefühls und der Arbeit* Die jüdische Politik muss mit diesen Prinzipien von Sklavenseelen kategorisch brechen, wenn nicht forWährd aus furchtbaren Drohungen Tatsachen werden sollen. Streichen wir endlich die Worte „Abwarten und Gewohnheit" aus unserem Wörterbuch und. setzen wir Börnes klangvolles Motto, das Motto des Zionismus, an deren Stelle : „Nicht durch Geduld, durch Ungeduld werden die Völker frei!" y. Danksagung. Seit dem Kongress ist mir eine so grosse Anzahl Glückwünsche von Gesinnungsgenossen, Freunden, Korporationen, Vereinen und Verbindungen aus den verschiedensten Ländern zugegangen, dass es mir unmöglich ist, jedem einzeln zu danken. Diese vielen Beweise von Liebe und Vertrauen geben mir die Zuversicht, das ich für meine zukünftige Arbeit im Zionismus die nötige Unterstützung finden werde. Herzlichen Dank und Zionsgrüsse an alle Köln a. Rh. D ay i d Wolf f s o h n. Zionistischer Palästinakurs in Base!. Anschliessend an den Vit. Kongress fand in Basel, dank dem Entgegenkommen der Baseler Universität und einiger Schweizer Professoren, mitCJnterstülzung derPalästinakommission ein Kurs für Palästinakunde staU. An demselben nahmen ca. 70 Hörer und Hörerinnen teil. Als erster sprach Professor War bürg. In gewohnter gründlicher und ansprechender Weise legte derselbe die ökonomischen uud politischen Gründe dar, die Palästina und seine nächsten Nachbarländer für eine jüdische Kolonisation empfehlen, uud besprach speziell zwei Momente, die unsere besonderen Aufmerksamkeit erheischen, und zwar die Bewegung in Arabien und den von Sir W. Wille oks dem Sultan mit Unterstützung der englischen Botschaft unterbreiteten Pian einer Wiedererschliessung des nördlichen Mesopotamien, woran sich möglicherweise auch eine jüdische Kolonisation wird beteiligen können. Von den Ausführungen des verehrten Professors wehte eine so unerschütterliche Ueberzeugung von der Realisierbarkeit des Baseler Programmes und eine so heisse Liebe zum Lande, dass sie sich mit der Macht der Notwendigkeit allen Anwesenden mitteilten. Dr. Ruppin sprach über „Sozialwissenschaft und Zionismus". In sehr interessanter Weise setzte er die Gründe der Assimilation und des Antisemitismus auseinander und besprach schliesslich die Begriffe Charter und Konzessionen wie auch die Realisierbarkeit der zionistischen Bestrebungen vom sozialwissenschaftlichen Standpunkte. Dr. S a n d 1 e r gab ein anschauliches Bild der hygienischen Verhältnisse Palästinas und der Nachbargebiete. In Palästina existiert kein gelbes Fieber und keine Pest. (Das Gegenteil wird oft verbreitet.) Die Cholera ist selten und muss bei Anwendung allgemeiner hygienischer Massregeln und besserer Bewachung der Grenzen ganz verschwinden. Die aus Indien stammenden Pocken müssen bei Einführung obligatorischer Schutzimpfung (mit Büffellymphe) auch eingehen. Von endemischen Krankheiten grassieren in Palästina 1. Ruhr, die schwer ausrottbar ist, die aber auch bei uns stark herrscht, c2. Malaria, die durch Trockenlegung der Sümpfe, Drainage, Kanalisation, Eukalyptuspflanzungen entschieden ausrottbar ist, 8. Trachom (ägyptische Augenkrankheit), auch ausrottbar und zwar durch unentgeltliche obligatoiische Heilung, durch Einführung der Anzeigepflicht und allgemein hygienische Massregeln, und 4. Lepra, die schon jetzt selten und nicht kontagiös ist (60 Fälle in ganz Palästina) und ganz verschwinden wird. Dafür kennt Palästina keinen Krebs und keine Tuberkulose. üeber Geographie Palästinas referierte Professor K. Furrer (Zürich). Es war ein Genuss, den bo geisterten Schilderungen dieses ehrwürdigen Greises, der Palästina kreuz und quer durchwanderte, zuzuhören. Palästina ist im allgemeinen ein sehr fruchtbares Land, speziell Galiläa und das Jordantal. Die Vegetation ist schon heute üppig. Der Boden eignet sich speziell für Feigen- und Oelbäume wie Weinreben, aber auch für Getreide. Wenn es der Deutsche Kaiser durch Bülo ws Mund als wüstes Land geschildert, so sind daran seine schlechten Berater schuld : die Fahrt sollte im Frühling und nicht im Herbst unternommen werden. Das Referat war ein wohltuender Gegensatz zu den wüsten Beschimpfungen Palästinas seitens fanatischer Gegner, die das Land nie gesehen haben und es würde sich empfehlen, dieses Referat drucken zu lassen. Wir wollen noch die Bemeikung Professers F u r r e r s über El-Arish festhalten : bei entsprechender Sparsamkeit und Stauung des Wassers kann man den ganzen Strich bewässern und Referent könne an Widerstand seitens Aegyptensnicht glauben; freilich ist die Bewässerung ziemlich kostspielig. Im Anschlus e daran wollen wir des ausgezeichneten Referates Doktor Soskins über die wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas gedenken. Die reichlichen Dater, mit den« n er sein*- Ausführungen belegte, sollten einmal zu^mmenassend in „ALtneuland" veröffentlicht werden.

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