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Die Welt · 1905-08-25 · 34 (25.8.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
34 (25.8.1905)
Date
1905-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34 „bie * weit" Seite 3 täuscht zu werden. Ein Teil der Juden hat nämlich einen gewissen Einfluss auf den Geldmarkt, auf den die Regierungen immer kaufen kommen, und der andere Teil der Judenheit überträgt den Reichen alle erdenklichen Ehren und Würden, damit sie den Einfluss auch ausnützen. Aber wie wird ihr Vertrauen enttäuscht! Die Herren, die sich in unseren Vorstandsstühlen gerne räkeln, geben zwar vor, aus dem Herzen zu bluten, aber aus der Tasche bluten sie nicht; so oft eine Regierung um eine Anleihe kommt, und mag es noch keine vierzehn Tage nach einem Judenkrawall sein, so wird das jüdische Herz unserer Bankiers in die Kasse gelegt und das Geld aus der Kasse herausgenommen, um Profit zu machen. Es ist ja auch sehr natürlich so, Egoismus und Geld auf der einen Seite, auf der anderen Seite das Gefühl — da ist es wohl keine Frage, wo Hausse und Baisse eintreten wird. Aber abgewöhnen sollte sich endlich das Volk auf die Reichen als seine Vertreter hinzusehen, auf die Leute, die Millionenstiftungen für Christen machen, Millionen antisemitischen Regierungen anvertrauen und ihr Judentum mit winzigen Almosen •befriedigen. Möge das Volk auf diejenigen vertrauen, die redliche Absichten, vernünftige Pläne zur Hilfe bringen; die Führer durch Reichtum werden und wollen aus der Wüste nicht herausfinden. Auch im vorliegenden Falle nicht. Witte hat in den ersten Tagen drüben gleich erklärt, die gehässige Haltung Amerikas gegen Russland sei durch den Einfluss der Juden zu erklären. Kann man nun glauben, dass er irgendwie an Reformen zugunsten unserer russischen Brüder denkt, auch wenn er am Vorabend einer Anleihe mit unseren Reichen freundlich gesprochen hätte? Es ist also nach wie vor nötig, mit angespannter Energie auf der Hut und bei der Arbeit zu sein. Wenn unsere Finanzleute wirklich und nicht nur mit Worten mitarbeiten wollen, wir haben Platz für sie genug. Keinen Teich, in den sie ihre Schätze hineinwerfen sollen, aber einen Boden, den sie damit bepflanzen können. Soundsoviele Chartered Gompanies, industrielle, agronomische und sonstige Unternehmungen aller Art werden von jüdischem Gelde unterstützt. Warum haben sie kein Vertrauen zu uns? Warum werfen sie sich nicht auf unser Land? Sie haben ja die Macht durch ihre Mittel, ihre Bittgänge, diesen Judenbettel um Schonung,, diese vergebliche Prostitution einfür allemal aufzuheben. Warum sollen uns denn die Feinde helfen, wenn wir uns selbst helfen können? Wir machen allerdings keinen Bittgang bei unseren Reichen, wir fordern sie nicht zur Gnade, sondern zur Pflicht auf. Vergessen wir nicht aus Kraftlosigkeit und Ehrvergessenheit, welche glänzende Rolle wir einst durch unsere Fähigkeiten gespielt haben. Verschaffen wir, solange es Zeit ist, dem Worte Grillparzers das Recht, dass die Zukunft das Tor ist, durch welches die Vergangenheit wieder einzieht. Der Ekel des gegenwärtigen jüdischen Lebens erzeugt in uns das glühende Verlangen, den Toren der Mächtigen endlich den Rücken zu kehren, durch das unsere verhöhnten Bittsteller ewig zahlreicher zum Empfange von Gnaden einziehen. J. U p f imny. Die Reichsduma. Da es wegen der Kürze, der Zeit nicht möglich war, die Meinung von Autoritäten über den Bezug zwischen der neuen Verfassung und den Juden Russlands einzuholen, auch eine Gewissheit noch nicht möglich ist, geben wir nachfolgende Zeitungsstimmen wieder: In einer eingebenden Besprechung der Duma und ihrer einzelnem Punkte berührt die „Hazefirah" auch das Verhältnis der Duma zu den Juden. Sie konstatiert, dass das Manifest über die Duma nicht den Wunsch jener Reaktionären erfüllt, dass die; Juden von der Beteiligung an der Volksvertretung ausgeschlossen werden. „Die Juden werden am derselben teilnehmen. Wir nehmen es a-lis etwas selbstverständliches auf. Es war nicht gut möglich, daiss eine neue Institiution von politischer, gesetzgebender Bedeutung, -die allenfalls mehr zum Fortals zum Rückschritte hinneigt, die übrigens Ordnung zu schaffen, Bedürfnisse zu erfüllen berufen ist, dass eine solche In?titutior; alles antisemitische Fl-ickwerk enthalte, das die Juden ihrer Rechte beraubt. Aber das allein führt zu einer sehr sonderlichen Anomalie: Von einer Seite sind die Juden zur höchsten bürgerlichem Gleichberechtigung enporgestiegefn, zur Teilnahme an der Duma, auf der anderen Seite jedoch sind sie unzähligen einschränkenden Sonderrechten unterworfen." Zum Schlüsse sieht der Autor des Artikels in der Duma einen Schritt zum Bessern, insofern diese Einspruch und Kritik gegen willkürliche behördliche Erlässe und Verordnungen werde erheben können, während solche bisher nur auf dem Wege von Petitionen und schriftlichen Beschwerden sich bewegt haben. Die: Judenfrage sei endlich der Duma überantwortet. Die Prozedur ihrer Wahlen, die Zusammensetzung ihrer Mitglieder, ihre Parteien und der sie beherrschende Geist — das seien nunmehr wichtige, über die Lösung der Judenfrage entscheidie/nde Faktoren. Aus Charkow wird der „Birsch. Wjedom." berichtet, dass dort der Antisemitismus besonders unter der Umiversitätsjiigend sich sehr stark ausbreite uii'd in giftspei endie-n Hetzschriften gegen die Jude in sich Luft mache. Noch vor dem Bekanntwerden des Manifestes über die Duma wurde die von Szarapow angeregte Kundgebung gegen die Teilnahme der Juden an der Duma aufgegriffen. Eimer der niederem Postbeamten, der den Aufruf im ,,Denj'' gelesen, ist eifrig bemüht, Untenschriften zu einem derartigen Proteste zu sammeln. Diejenigen, die ihre Unterschriften verweigerten, wurden von der oberen Postbehörde energisch zurechtgewiesen. Zur Frage: ob eine K o mm i s s i o n zur L ö s u n g der Jude Ii frag e e i n g es e t z t w e r'd, e n wird? schreibt die „Hazefirah": Vor zwei Monaten' berichtete man aus Petersburg als unzweifelhaft, dass keine: besondere Kommission für die jüdische Frage eingesetzt, sondern dass diese der Duma zur Lösung über lassein werden dürfte. Nun verlautet, wie allgemein berichtet wird, dass in den höheren Kreiseni der Gedanke angeregt wurde, infolge der Kompliziertheit der Judenfrage sowie infolge' der Dringlichkeit ihrer baldigsten Lösung das erforderliche Materiale zu sammeln und für die Eröffnung der Duma vorzubereiten. Demnach wird wohl eine Kommission eingesetzt, aber nicht um die Judenfrage zu lösen, sondern nur! um das Materiale betreffend die bürgerlichem und politischen Rechte der Juden vorzubereiten. Was die religiöse Seite der] Judenfrage betrifft, wird diese von der unter! dem Vorsitze des Grafen Ignatiew geleiteten Kommission in Sachen der freien Religionsübung beraten werden. Jewish Coloniai Trust (Jüdische Kolonialbank) Ltd. In der am 1, August d. J. in Basel stattgehabten Generalversammlung unserer Gesellschaft ist für das mit 31. Dezember 1904 abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende von 6 d pro Pfd. St. 1 - Share, steuerfrei, auf Coupon Nr. 2 erklärt worden. Die Einlösung erfolgt vom 1. September ab an unserer Kasse in Brook House, Walbrook, und bei unserer Branch in 41 Whitechapel Road E., ferner in Russland mit 23 Kop. bei: Sibirische Handelsbank, St. Petersburg, Kommerzbank in Minsk sowie deren Filialen in Bjelaja-Zerkow, Konotop, Libau, Mohilew Gouv., Pinsk, Rowno, Romny und Schitomir,

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