Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bis * weit11 Nr. 34 müssen daher für unsere Arbeit in erster Reihe Fachleute heranziehen und uns solche heranzubilden versuchen, damit die Organisation jederzeit ununterbrochen in Ordnung arbeiten kann. Die Landesorganisationen müssen gestärkt und gestützt werden, die Verhältnisse aller Vereine und Gruppen so geordnet werden, dass die Agitation eine einheitliche und zielbewusste wird» Wir müssen streng darauf bedacht sein, dass die Gesetze, die wir uns selbst gegeben haben, befolgt und alle Vorschriften über Vereine, Landesorganisationen und die Kongresswahlen auf das genaueste beobachtet werden. Wir müssen auf die weitere Entwicklung unserer Finanzinstitute bedacht sein und unermüdlich für die Vermehrung des Nationalfonds arbeiten, wir müssen aber auch die Finanzen der Bewegung selbst auf eine sichere und gesunde Basis stellen. Zionisten! Brüder! In unserer Bewegung haben sich verschiedene Anschauungen, verschiedene Parteien gebildet. Darin sehe ich durchaus keinen Schaden. Nur eine Partei kann durch Spaltungen Schaden leiden. Der Zionismus ist aber nicht eine Partei in der Judenheit, der Zionismus ist eine Volksbewegung, ist das Volk selbst. In ihm können daher alle Richtungen und Meinungen Raum finden, wenn sie nur auf dem Boden des Baseler Programmes stehen. Zionisten! Ein jeder von uns muss jetzt seine Kraft doppelt anspannen, muss mit doppeltem Eifer für unsere heilige Sache arbeiten, damit wir den unersetzlichen Verlust überwinden können, der uns im Hinscheiden unseres Herzl getroffen hat Dann dürfen wir hoffen, mit unseren eigenen Augen zu sehen die Rückkehr nach Zion. Köln, in der Trosteswoche 5665 (1905). bavid Wolffsohn. Die Bittsteller Diese Woche stiegen gewaltige Schaumblasen von dem Kochherde jener gewissen jüdischen Politik auf, auf der das Essen niemals gar wird. Und dem überaus hungrigen Volke wurde von den Pressherolden dieser Politik mit viel Behagen erzählt, es sei alles im besten Brodeln und in wenig Zeit werde aufgetragen werden. Es waren nämlich jüdische Bankiers zu Witte gekommen und wollten die Friedensverhandlungen im amerikanischen Portsmouth zu Friedensverhandlungen zwischen der russischen Regierung und ihren Juden machen. Witte, der wahrscheinlich Geld brauchen wird, darunter auch jüdisches, Witte, der in Amerika gerne als Europäer auftreten möchte, gab nun den Bankiers auf ihre diesbezüglichen Anfragen eine jener diplomatischen Antworten, aus denen sich jedes Tierchen sein Pläsierchen herausklauben kann. Die Redakteure der Assimilantenbläüer, denen Beruhigung die erste Bürgerpflicht ist, setzten sich sofort zum Schreiben die rosenroten Brillen auf und feierten die Arbeit und die Absichten der einflussreichen Bankiers Schiff, Seligraann und der anderen. Schiff, Seligmann und Komp. sind aber ein so typischer Fall, dass er in seinem Wesen und seinem System dringend einer Besprechung bedarf. Denn die Juden haben eine grosse Menge angeblich einflussreicher Grössen, welche immer so tun, als ob sie etwas täten, und dadurch das Allerschlechteste im Volke bewirken : Das Einschläfern. Sie sind der Hort und die Zuversicht jener vielen Elemente unter uns, die zu gewissenhaft sind, um an ihr Judentum zu vergessen, aber zu gewissenlos, um etwas Wirkliches schaffen zu helfen. Die bisherige politische Tätigkeit dieser Leute bestand in Begeisterung für die Führer, die ihm den wiederkehrenden Liberalismus der Gastvölker versprachen. Und nach dem hoffnungslosen Abschied dieser Hoffnung erschöpften sich gewisse Juden im Vertrauen auf ihre einflussreichen Brüder, welche nicht zugeben werden, dass —. Tatsächlich smpfängt fortwährend vom Bürgermeister aufwärts jeder Würdenträger Interventionen, Proklamationen und Petitionen, um dem bösen antisemitischen Volke die Leviten zu lesen; aber es fällt natürlich selbst dem Gutwilligen nicht ein, sich wegen dieser Juden irgendwie zu engagieren, und den Leviten geht es immer ärger. Auf ein bisschen Versprechungen kommt es bei deren Billigkeit ja nicht an; so oft aber die Juden etwas von diesem Artikel erwischen, so halten sie ihn für die feinste Ware und bereiten sich daraus wieder ein Beruhigungsmittel für ihre durch berechtigte Aengstlichkeit gequälten Nerven. Man könnte wohl sämtliche jüdischen Amtsstuben mit den Versprechungen tapezieren, die wir bekommen haben, die Erfolge davon aber haben wir in den Kamin geschrieben» Man muss sich darüber klar sein, dass wir keinen so einflussreichen Menschen haben, dass er wirklich eine Besserung unserer Lage in unseren Wohnländern herbeiführen könnte. Ist nicht sogar die Alien Bill in England angenommen worden, obwohl wir dort relativ die meiste Macht, will sagen Ohnmacht, haben, weil England eine Tradition der Menschlichkeit besitzt? Wir müssen uns auch darüber klar sein, dass die nichtzionistische Politik aus der Periode liberaler Hoffnungen auf die Völker nun zur Politik des Einflusses bei den Regierungen fort-, respektive zurückgeschritten ist und dass sie auch bei dieser keine Resultate erzielt. Man mö.hte gar zu gern wieder Schutzjude sein, aber es findet sich kein Protektor. Man wird wohl über unsere Bitte so freundlich sein, uns zu sagen, welche Methoden jetzt drankommen sollen. Nur eine einzige Möglichkeit der wirksamen Intervention bei den Mächten wäre möglich und auf diese warten wir auch stets, um immer wieder ent-