Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kr. 33 „b* * W^lt" Seite 13 phon, Eeinigimg 385,55 Mark, f) Drucksachen, Schreibutensilien 376 Mark, g) Diverse 191,65 Mark, zusammen 2612, 20 Mark. 6. Eingänge aus 1903/4 auf Betriebsfondskonto übertragen 1159,80 Mark. Uebersehuss 20,90 Mark, zusammen 5891 Mark. Berlin, am 14. Juli 1905. Max Wollsteiner, Schatzmeister. TOtlt-Sbroollt» Ein Eindruck vom Kongresse. Die „Jüdische Presse1' in Berlin, ein bekannt antizionistisches Organ, brimgt an leitender :Steu> in einem Artikel über den Kongress folgenden Passus; .„Wu, diie dien Verhandlungen des Komgreses während seiner ^chstä-gigen Beratungen gefolgt sind, haben wiederum den starken Eindruck erhalten, den auch die früheren Zusammenkünfte zurückgelassen haben. Man sieht Juden der ganzen zivilisierten Welt energisch zusammenarbeiten zur, Erlangung eines gemeinsamen Zieles; man sieht stank pulsierendes jüdisches Leben; man sieht Juden stolz als Juden zusammenstehe;,, und die Hochachtimg aller Edelgesinnten begleitet sie. "Die OcnVhle, die der Regierunigsrat des Kantons Basel in seinem ßegrüssnngsschreiben ausgedrückt hat, herrschten auch bei sämtlichen jiidi- :.schen und nichtjüdischen Zuhörern vor. Wir aber begrüssen . alle diejenigen, die so energisch für die Stärkung des jüdischen -Selbstbewusstseins und Zusamimen.gehörigkeitsgefühls eintreten, -als treue Bundesgenossen." Wenn auch die Redaktion in einer Fussnote ihrem Korrespondenten einen Dämpfer aufsetzt $o heisst das nur, willkürlich die Wahrheit verschleiert Die Alien Bill. Im englischem Ober hause fand die zweite Lesung der Fremdenbill statt. Lord Beiper, der den Eintritt in die zweite Lesung beantragt hatte, wiederholte in langatmiger Rede alle die wiederholt als falsch erwiesenen Gemeinplätze der AtiitialierListen, welche die Erschwerung der Einwanderung rechtfertigen sollen. Sehr nachdrücklich trat ihm Earl Spencer entgegen. Es sei allerdings richtig, dass die Zahl der fremden Verbrecher in England von 2572 im Jahre 1897 auf 4474 im Jahre 1904 gestiegen; aber es fehlen die Angaben, ob diese Verbrecher erst vor kurzer, oder nicht bereits vor sehr langer Zeit eingewandert sind. Jedenfalls sei die Zahl der russischen Juden, die in England ein Verbrechen begehen, geradezu verschwindend gering, und dennoch richte sich die Bill nicht $tewa gegen die Deutschen, Franzosen und Italiener, welche ein grosses Kontingent zu dem fremden Verbrechertum liefe vn, sondern speziell g e g-e n d ie e h r 1 i c h e n u n d f 1. <o i s's i g e n russischen Juden. Asyl für eingewanderte obdachlose Juden, Montreal (Kanada). Das Baron Hirsch-Institut in Montreal hat von der Ica eine einmalige Subvention von 60 000 Mark erhalten zum Bau eines Asyls für eingewanderte obdachlose Juden. Die Zahl der Immigranten ist nämlich jetzt so gross, dass die jüdische Gemeinde die durch die Einwanderung entstehenden Ausgaben nicht fnehr allein zu bestreiten vermag. Unter dem Zwange des Judenelendes. Die zwischen dem 20 und 25 Grad südlicher Breite gelegene brasilianische Provinz Sao Paolo zählt bei einem Umfange so gross wie das Deutsche Reich nur zweieinhalb Millionen Einwohner; von denen eine Million Weisse, der Rest Neger sind. Seit der erfolgten Negeremanzipation herrscht in Sao Paolo grosser Arbeitermangel und alle Bemühungen der dortigen Plantagenbesitzer, weisse Arbeiter ins Land zu locken, sind bisher völlig gescheitert. Die italiei'ische Regierung verbietet ihren Untertanen dae Auswanderung nach Brasilien ,und selbst die sprach- und stammverwandten Portugiesen dürfen nicht in das Land des gelben Fiebers. In ihrer Not verfielen nun die ehemaligen Sklavenhalter auf die Juden, und ein Herr, der sich Professor August Romas nennt, sitzt gegenwärtig im brasilianischen Konsulat zu London, von wo aus er das gesamte Whitechapel mit Bildern, Broschüren und Flugschriften überschwemmt. In denselben wird verkündet, dass die brasilianische Regierung eine grosse Vorliebe für die armen, überall verfolgten Juden hegt und gerne bereit ist, für dieselben die Ueberfahrtskosten nach Sao Paulo zu bezahlen. Nach erfolgter Landung steht es jedem Immigranten frei, auf einer Kaffeeplantage zu arbeiten. Der Bericht verschweigt aber, dass die grossmütige brasilianische Regierun? wohl die Hinfahrt, aber nicht die Rückfahrt bezahlt. Ferner wird stillschweigend über die Tatsache hinweggeglitten, dass in Sao Paulo eine andere Beschäftigung als Sklavenarbeiten auf Plantagen überhaupt nicht zu finden ist. Es ist nur ein Beweis dafür, dass der stets reiselustige und immer auf der flucht vor seinen Verfolgern befindliche russische Jude leider auch m London nicht sesishaft geworden ist, wenn der Auswanderungagent Professor August Romas bereits ficht weniger als 100U Juden in seine Netze fangen konnte. Er verspricht ihnen leichte Arbeit, hohe Löhne, eigene Wohnung hebst Garten. Wenn sie durch ihre durchaus freie Arbeit in den Plantagen sich etwas (leid verdient haben, können sie selber Pflanzer werden. 400 totaler Leichtgläubigen haben sich nunmehr nach der Hohle des Löwen., welche wohl einen Eingang, aber keinen Ausgang hat, eingeschifft. Der Agent gedenkt nun, sich nach Russland zu begeben, um daselbst den Fischfang engros zu betreiben. Hoffentlich werden unsere dortigen Brüder sich noch rechtzeitig an die Geschichte der 500 polnischen Bauern erinnern, welche vor Jahren sich verleiten liesseh,, nach Sao Paulo auszuwandern. Der grösste Teil dieser erfahrenen Landarbeiter gmg im ersten Jahre am gelben Fieber zugrunde» während der Rest durch die üobische Rettüngsffe^llschaft in ihre Heimat zuruckgebräche werden könnte. ...... , Der Erfinder des ,,Esperantö" - ein Jude. Vor «imse« Tagen hat in Bpio^ne-sur-MeF eh* kongress aer Anhai ger del neuen Weitöder Oniversalsprache getagt, die von ihrem Exlinder Dr. Zamenhof aus Warschau '„Esperanto" genannt worden ist, Auf dem Kongresse waren 15 europäische und außereuropäische Nationen vertreten». Dr. Zamenhof, der dem Kongresse präsidierte, war Gestehstand begeisterter Huldigungen Die neue Weltsprache hat in keinem geringeren als dem . berühmten Naturwissenschaftler und Philosophen Ostwald einen begeisterten Verehrer und Agitator gefunden und ebenso spricht sich der kürzlich veröffentlichte Bericht Protessor SetaidräldtS in Graz, der im Auftrage der Wiener Akademie der Wissenschaften die Möglichkeit und Nützlichkeit einer Universalsprache studierte, über1 das Esperanto sehr günstig aus. Zamenhof hat als Zionist begönnern um sich dami der Idee einer jüdisch-ethischen WeHmission zuzuwenden. Besser als diiich die Erfindung einer „Weltsprache" konnte er allerdings der vieiberüfenen Judenm-issiw nicht huldifcen, £fo Jüdischer Foi^buug^rfe^euüer aus dem XVI Jahrhundert Im Auftrage der Hacluyt-Gesellscbaft ist soeben in Loiiüoh efa interessantes Werk herausgekommen; es ist dies eine Wit einer sorgfältigen Biographie versehene Ausgabe ü^^ ^ellriften Pedro Teixeiras. Man hat von ihm bisher. XvMi mehr gewusst, als was er uns selbst von sich erzählt. Kayserling nimmt an, daSser aus einer leher portugiesischen Judenfamilien stammt, die es nicht Wagtn durften, ihre Religion öffentlich zu bekennen oder ihre Kinder -im ererbten Glaub&u zu erziehen. Auch Pedro Teixeira wurde von Seinen Ehern, die wahrscfceinJäch hl Lissabon bebten, als Christ erzogen. Aus seinem eigenem Berichte können wir schliessen, dass et während eines grossen Teiles Seines Lebens —i wälneYtd der ganzen Zeit seiner Reisen — als Christ, ja sogar ®h frommer KvCuhoiiik lebte. D-:is früheste von ihm in Verbindung mit s£-;nen Reisen erwähnte Datum ist 1587. Er ist dfcm gemäss, Wahrscheinlich auf einem Schiffe der 1586 einsendeten Flotte nach Indien gekmiimcii. Nach einem auf abenteuerlichen Reisen verbrachten Leben kehrte er üiach Europa zurück und Hess sich in Antwerpen nieder, wo er sein Werk über den, Ursprung und die Reihenfolge der KpivVge von Persien und Hornnix und seine Beschreibuni einer Reise von Indien nach Italien schrieb und gegen das Ende des AVIL Jahrhunderts als Jude starb. Auf seinen Reisen sc/ixr-kte er der Lage der Juden in den von ihm besuchten Oegejden viel Aufmerksamkeit. In allen Provinzen Persiens ,~noo ju<jen> jn 32^5^ iernte er einen zum isl .....— jüdischen Kaufmann namens Mustapha kenne oem die portugiesischen und. venetianisch.cn Handelsleute viel v" VItl ^"""'crRö-amwc-u. in anen Provinzen rersiens rand er 8—10 000 Juden. In Bassora lernte er einen zum Jslain übe/getretenen jüdischen Kaufmann namens Mustapha keiiileoem die portugiesischen und. venetianisch.cn Handelsleute viel Vertrauen entgegenbrachten. Eine, glänzende Beschreibung gibt Je-xeira voi Aleppo, dessen algebraischen Namen Aram Sobun er erwähnt. Die Juden von Aleppo fand er in einem eigenen Bezirke, der etwa 1000 schöne Häuser zählte, wohnen. Sie natten eine grosse Synagoge, die nach ihrer Tradition 1500 Jahre alt war. In Bagdad traf Teixeira 2—300 Judenfamilien, von deren zehn bis zwölf ihre Ansiedilung auf die erste babvwi« uio iwun inie ttii&ieuii'ung au .onische Gefangenschaft zurückführten. In Hormuz gab es nach ieixeiras Angabe 150 Judenfamilien. Teixeiras ReisewerK wurae 1609 in Antwerpen zum ersten« Male gedruckt und herausgegeben. " Der Zionismus in Bosnien. Die bosnische Regierung TiÄ Ju^endvereines i^Do^ 111/ a, so dass jetzt m Bosnien zwei Jugendvereine, zwei lt^^\T ^nwerem und ein Bürgerverein bed?rin aPi^n J?d*^sond*rs in Sera|ewo, sollten ernstlich in %Lgtl"i emen TurnYerein ™ grönden, um das Eintreten in den Sokol zu vermeiden. Üefcß..