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Die Welt · 1905-08-18 · 33 (18.8.1905) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 :w&ie^lWeltM Nr. 33 Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. In einem Brief an den Herausgeber des „Jewish Chronicle" erinnert Jerome Jacobs an die Rede, die ZangwhT im Jahre 190-1 auf dem grossen Schekeltage gehalten: hat und in der es hiess: „Was immer der nächste Kongress be schliefst, ein wahrer Verräter wird der sein, der diesen Beschluss nicht loyal akzeptiert und mit Herz und Seele mit der Majorität zusaniü.ci arbeitet. 4 Jacobs zitiert dann noch aus einer vor einigen Wochen gehaltenen Rede Zangwills im Jewish Working iMen's Club den folgenden Satz: „Was nottut, ist, dass die Minorität sich vor der Majorität beugt: das ist Frieden." Jacob spricht schliesslich die Hoffnung aus, dass Zangwill seinen Standpunkt aufgeben, sich der Majoritätsauffassung fügen und wieder „der Zangwill der vorostafrikanischen Periode" sein werde. Der VII. Kongress, der am Todestage Herzls eröffnet wurde, tagte, wie es nicht anders zu erwarten war, im Zeichen der tiefsten Trauer und des unüberwindlichen; Schmerzes über den Verlust für unsere grosse nationale Bewegung. Die traurige Stimmung, die sich in minderten von Begrüssiingstelegrammen aus allen Weltenden, zumeist direkt von andächtigen, tausciidköpngen Trauerversammlungen, kundgab, beherrschte aiiLi'i unsere h eb r ä i s c h e und jüdische Press e, und aus dieser Stimmung heraus wird so manche harte Beurteilung gewisser Vorgänge am Kongresse zu erklären sein. Diese Presse, die ja ganz der nationalen Sache gehört, hat es begriffen, vor welches schwierige Problem der VII. Kongress, „der erste — wie der „Fraind" betont — bei dem der Gründer u»:d Führer der Kongresse, Dr. Herzl, fehlen werde", gestellt ist. Sie erwartete nicht, wie unsere Gegner so lüstern darnach ausblickten, eine Zersetzung und Auflösung unserer Organisation; ihr war es ernstlich und aufrichtig darum zu tum, auf die schwierige politische Aufgabe zu verweisen, die der Kongress lösen sollte, eine Aufgabe, die darin bestand, die Einheit und Integrität der Partei sowie Aufrechterhaltung des zionistischen Grnndpriiizipes zu wahren. Wenn sich in mancher Beurteilung eine unzufriedene Aeusserung über die Sezession der Tc; ritcrialistengruppe kundgibt, so herrscht doch eine allgemeine Zufriedenheit darüber, dass der Kongress das zionistische Prinzip in seiner Reinheit bewahrte und, das Ideal „Zio-n" aus den Verhandlungen und Beschlüssen ungetrübt her vor gegangen ist. Im „Hasman", der mit seiner Kritik keinesfalls zurückhält, widmet B rainin auch der Kongressleitung eine Betrachtung, in der er die vorzügliche parlamentarische Leitung hervorhebt. „Hazefirah" hat keine Betrachtungen über den Schluss des Kongresses anstellen können, da das Blatt seit mehreren Tagen infolge eines Setzerstreiks nicht erschienen ist. Wie aber aus einzelnen in die laufenden Berichte eingestreuten Bemerkungen zu ei-ti elnuen ist, ist dieses Blatt mit dem völligen Siege der Zionisten auf dem VII. Kongresse grundsätzlich zufrieden. Tni diesem Punkt äussert seine Zufriedenheit auch das Krakauer Wochenblatt „Hamicpe". In sehr trauriger Stimmung befindet sich der „Jewish Express** über die Sezession der Territnriaiisten. an die er einen wannen Appell richtet, den Streitpunkt fallen zu lassen und sich dem einigenden Prinzipe „Zion" zuzuwenden, das nur der Einigkeit bedarf, um verwirklicht werden zu können. Mit den „Maulhelden" aus den Kreisen der galizischen .hiLCi'-sozi, deren Aufgabe es ist, nach jedem einzelnen KniKMc-sse ,,d-en Bankrott des Zionismus" zu ,,konstatieren*', lwhiM t das „Jüdische Tagblatt" in Lemberg gründlich ab, indem es auf die Tatsache hinweist, dass trotz der Krise, in. der sich der Zionismus durch den Verlust des unersetzlichen Führers befand, auf diesem Kongresse nicht weniger als 60 von jiidist Iien P r o 1 e t a r i e r v e r e i n e n gesetzlich gewählte Delegierte teilgenommen haben. -Gerade im Kampfe der Meinungs- \ l » S'J.m. dcüheit sei ein erfreulicher Beweis für das Vorhandensein von Fnergie und Lebenskraft in unserer Bewegung gelegen. liebrä us. Der in New York erscheinende „Hebrew Standard" bespricht die Entlassung des bekannten Professors C. Levias vom ,,Hebrew Union College" und meint, dass die Entlassung erfolgte, weil Professor Levias sich zürn Zionismus bekannte und. seine Schüler im wahren Judentum unterrichtete. Demgegenüber konstatierte der Präsident des College Dr. Korder, dass Levias entlassen worden sei, weil er ,,gegen dem Geist der A.' stalt" sich verging. Dieselbe Zeitung meldet, dass ein zweiter Professor des College, Dr. Ecldmann, ebenfalls wegen, zionistischer Gesinnung entlassen werden sollte und dass nur der heftige Protest der Alumni Association ihn vor diesem Schicksal bewahrte, Geber den Kongress berichtet auch die kroatische Presse. Die ultrakroatische, vom getauften Dr. Frank geleitete schwieg. Die anderen Blätter brachten Notizen. Ausführliche Berichte brachten nur die Blätter der jungen Realistenpartei: „Pokret", „Novi List", besonders aber die „Narodna Obrana Osiek", die auch schon im vorigen Jahre, anlässiieh des Osieker Studentenkongresses sehr sympathische Stellung nahm. Abfällige Kritik erfuhr der Kongress in keinem dieser Blätter. Unsere Herzlliteratur hat eine Vermehrung erfahren durch die Herausgabe von Schriften zum Jahrzeittage unseres Führers. Vorläufig erwähnen wir: Die von Dr. Zwi Syrop geschriebene und von der Krakauer zionistischen Organisation herausgegebene polnische Gedenkschrift. Auf 22 Grossoktavseiten wird in ausgezeichneter Weise Herzls Werdegang geschildert. Zwei Momente werden besonders stark unterstrichen: die Selbsthilfe und der nationale Gedanke. Die Kongresse, seine Bank, unser Fonds werden geschildert, seine Stellung zum Volke, dessen Diener und Herr er zugleich war. Der mit vieler Liebe und Treue geschriebenen Schrift ist das Strucksche Portrait Herzls beigegeben. Die Krakauer Organisation hat sich auch durch die Herausgabe einer zweiten Gedenkschrift im Jargon verdient gemacht, von Professor Mordechai Margulies. Die überaus traurige Lage des Volkes schildernd, zeigt der Verfasser, wie das Auftreten Herzls die Schwachen neu belebte und mit Hoffnung beseelte. In gedrängter Form zeigt er Herzls grosse Taten und erläutert kurz und anschaulich die zionistische Organisation, ihre Institute und Ziele. Beide Schriften, sehr anschaulich geschrieben, werden der Propaganda gut dienen. Noch eine dritte vom Verein „Francis Montefiore" in Galatz in grossem Format herausgegebene Schrift verdient erwähnt zu werden. Aus dem Inhalte heben wir hervor den Briefwechsel Herzls mit S. Pineles vor dem ersten Kongresse, der so recht die damalige Stimmung zeigt. Weitere Artikel von Markus Ami, J. Feier, Henry, J. Frisch, J. Goidenthal, Leon Leventer feiern im Jargon und rumänischer Sprache in Herzl den grossen Führer, den grossen Juden. Damit ist die Reihe der Gedenkschriften noch nicht abgeschlossen. 11 e h a. „Unsere Hoffnung", Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Wien, HI/2, Unt Viaduktgasse 25. Das achte Heft des zweiten Jahrganges von „Unsere Hoffnung" leitet F. 1 i h r b e n B ie r a c h e 1 mit einem Artikel „Zum Todestage Theodor Herzls4' ein, mit dem er Herzls Wirken der Jugend näherzubringen sucht und in den Grundzügen den Gedankengang Theodor Herzls und das von ihm aufgestellte System der jüdischen Politik wiedergibt. In dem Aufsatze zur ,,L e k t Li r e der jüdischen J u g e n d" empfiehlt Ben Sa m, u e l unserer Jugend nicht bloss jüdische Lektüre, sondern verweist sie darauf, sich mit den allgemeinen grossen Fragen der Gegenwart zu befassen und dann „ihre ganze Gefühls-, Anschaut1 ngs- und Gedankenwelt im judischfnatio<nalen Sinne auszubauen". Diese Nummer enthält ferner „Die F rage", eine schöne Phantasie von Ernst Müller, einen belehrenden Artikel von Ch. Tartakower über „Die Iwrith b e I \v r i t h - M e t h o de4', von der er sagt: „Sie entspricht vor allem zwei Grundforde rungen echter Pädagogik: 1. dass der Unterricht dem Lernenden Freude und Genugtuung bereite, und 2. bringt sie die Anschauungsmethode zur Anwendung." Dann einen Artikel „Zur jüdischen Literatur", „Das Lied der Nachtigall", aus dem Hebräischen des L. Katzenelsohn vom J. MeisL niernere Bücherbesprechungen und eine längere Ankündigung des VII. Kongresses. B. A. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in New York meldet vom 9. August: Infolge des grossen Streiks der jüdischen Bäcker sind zehn tau sende von armen Juden im New Yorker Fk-rd bezirk ohne Brot. Man hat ganze Waggomliadungen von Brot in die Quartiere der leidenden Bevölkerung geschafft, aber rieht aus philanthropischen Gründen. Fj»n Laib Brot, der sonst 36 Heller kostet, -sollte von den Armen mit 1.20 K bezahlt werden Die von den Bäckern verlangten Löhne sind, wenn die teure New Yorker Lebenshaltung berücksichtigt wird, nicht zu hoch. In der letzten Woche sind weitere 2000 Bäcker dem Sticik beigetreten. In dem leidenden Stadtteilen sind ^Tumulte und Strassenaufläufe au der Tagesordnung.

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