Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 ^Bie ^^it11 Seite 7 Dr. K a Ii n: Ich beantrage, die Redezeit auf fünf Minuten einzuschränken. Derjenige, der etwas zu sagen hat, kann es in fünf Minuten tun. P r ä s i d e n t: Wer für diesen Antrag ist, wolle die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. Ein Mitglied des Aufsichtsrates protestiert gegen die private Abstimmung. Ich bedaure, dass ein Mitglied des Aufsichtsrates die Statuten nicht genau keimt. Der Präsident bestimmt, wie abgestimmt werden soll. Dr. Jas i n o w s k i: Ich protestiere. Ein A k t i o n ä r: Man soll die Wahl des Herrn Cowen annullieren. Präsident: Sie haben nicht das Wort. Aktionär Dr. S y r k i n : Ich beantrage Schluss der Versammlung. Präsident: Es wird mir mitgeteilt, ich hätte mich geirrt in der Auslegung des § 71 der Statuten. Ein Mitglied des Aufsichtsrates kann den Modus der Abstimmung beantragen. (Lärm und Zwischenrufe.) Wenn Sie die Absicht haben, die Versammlung zu stören, dann sagen Sie es gerade heraus,* dann werde ich wissen, wie ich mich einzurichten habe; haben Sie aber die Absicht, ordentlich zu verhandeln, dann machen 'Sie mir die Sache nicht so schwer. Wenn die Herren glauben, Ursache zu haben zu Protesten, können Sie ja diese einlegen ... Aktionär S y r k i n : Wir werden bei allen Verhand- I ungen protestieren. P r ä s i d e n t: . . . und wer im Recht ist, wird recht behalten. Deswegen können wir aber doch freundschaftlich verhandeln. Aktionär Dr. Syrkin: Sie sollen aber nicht wie ein Jud verhandeln, sondern wie ein Goi. (Heiterkeit.) P ä s i d e n t: Herr Eubencik hat jetzt das Wort auf fünf Minuten. Aktionär Dr. S y r k i n : Das ist noch nicht beschlossen worden. Der Herr Vorsitzende hat eine illegale Handlung vorgenommen; nach den Statuten hat nicht der Vorsitzende über die Zeit des Sprechens zu verfügen und derartige Anträge zu stellen, sondern der gesamte Aufsichtsrat. Das ist eine Verletzung der Geschäftsordnung, ich bitte, dies zu Protokoll zu geben, wir wenden vor dem Gerichte davon Gebrauch machen. P r ä s i d e n t: Alles wird protokolliert. Rechtsanwalt J a c o b s o n : Der Antrag wegen der Sprechzeit von fünf Minuten und wegen der Verhandlung in deutscher Sprache war angenommen, bevor Jasinowski und Syrkin ihre Proteste eingebracht haben. Präsident: Wir haben uns gestritten um eine Sache, die es nicht wert war; Herr Jasinowski hat seinen Protest zurückgezogen. (Lebhafter Beifall.) Aktionär E u b e n c i k: Ich spreche in meinem eigenen Hainen und bin überzeugt, dass der Zionismus mit dem jüdischen Volke endgültig gebrochen hat. (Grosser Lärm und Widerspruch.) P r ä s i d ent: Sie regen sich unnütz auf. Wenn Sie sich nicht aufgeregt hätten, so hätte Herr En.ibenc.ik gesagt, dass wir hier nicht über das jüdische Volk verhandeln, sondern über Aktien. Wir wollen hier nicht politische Eeden, sondern geschäftliche halten. Sie sind doch, Herr Rubencik, wahrscheinlich ein tüchtiger Kaufmann . . . (Heiterkeit.) Aktionär E u b eneik: Als im vergangenen Kongresse die Frage angeregt wurde, ob die zionistischen Mittel zur Entsendung der Expedition verwendet werden sollen, sagten Sie, das Geld ist für Palästina gesammelt worden und darf nicht zu anderen Zweel<en verwendet werden. Nun sollen Sie konsequent sein. Ich habe eine Aktie gezeichnet in der Voraussetzung, dass die Statuten unverändert bleiben, dass die Bank nie eine philanthropische Anstalt wird. (Lärm und Widerspruch.) Ich verlange, dass wir unser Geld für die Aktien z ur üekbekomm en. (Gelächter.) Aktionär Ii o s e n t h a 1 macht einen Zwischenruf. P r ä s i d e n t: Herr Bosenthal, Sie brauchen ja nicht zu zahlen, wozu schreien Sie so? Herr Rubencik verlangt sein Geld, das ist sein Recht, aber Sie werden es ihm doch nicht bezahlen! Aktionär Dr. Syrkin: Seine Damen und Herren! Ich weiss wohl, dass Sie in der Majorität sind. Leider sind Sie es. Aber bevor Sie zu einer derartigen Beschlussfassung übergehe]!, welche nach meiner Ansicht den Zionismus vernichtet . . . (Grosser Lärm und Widerspruch.) Prä s i d ent: Herr Syrkin hat ja nicht gesagt, er wolle den Zionismus vernichten, er hat ja nur gesagt, der Zionismus werde vernichtet werden. Sie glauben doch nicht daran, warum schreien Sie? (Heiterkeit.) Aktionär Dr. S y r k i n: Gegenüber dieser so ernsten Bcschlussfassung, welche nach meiner Meinung für den Zionismus verderblieh sin wird, halte ich mich verpflichtet, meinen entgegengesetzten Standpunkt in dieser Frage auseinanderzusetzen. Was Sie hier vornehmen wollen, bedeutet die vollständige Vernichtung des Zionismus als einer politischen Bewegung. Sie wollen einen Beschluss fassen, wonach Sie die Tätigkeit der Jüdischen Kolonialbank auf Palästina beschränken, wo Barbarei, Willkür . . . (Lärm und Zwischenrufe — heftige Unterbrechungen seitens des Akt i onärs Flegmann.) P r ä s i d e n t: Herr Flegmann, ich rufe Sic zur Ordnung. Aktionär Rosenthal (zu Syrkin): Das ist eine Lumperei! Präsident: Wir sind doch gebildete Menschen. Ich bitte Sie dringend, diesen Ausdruck zurückzunehmen. Aktionär R o s e n t h a 1: Nicht im geringsten! Präsident: Dann bitte ich, den Herrn hinauszuführen, bis er ruhig wird. Aktionär S y r k i n : Unterbrechen Sie die Sitzung. Präsident: Das werde ich nicht tun. (Lärm und Unterbrechungen.) Ich begreife nicht, was hier vorgeht. Die Freunde des Herrn Syrkin verhalten sich jetzt ruhig und die Gegner stören die Verhandlung. Man könnte glauben, dass die Freunde der Resolution, dass die Majorität die Verhandlung stören wolle, man könnte zur Meinung kommen, dass hier die Zione-Zion Obstruktion treiben. (Widerspruch und Lärm.) Lassen Sie Herrn Syrkin sprechen, was er will. Er ist ein gebildeter Mann, er beherrscht das Wort. Er wird nichts sagen, was nicht parlamentarisch gestattet ist, ausserdem bin ich noch da. Ich ersuche Sie, ruhig zu sein. Wir müssen auch bald zum Kongress, denn ich gestehe Ihnen, trotz allen Interesses für die Bank muss doch auch der Kongress ein Interesse für Sie und für mich haben. Verhalten Sie sich also bitte ruhig, damit wir zu Ende kommen. Aktionär Dr. Syrkin: Ich hoffe, dass Sie mich nicht mehr unterbrechen, insofern ich niemand verletze. Sie fassen einen Beschluss, wonach die Jüdische Kolonialbank, jenes grosse Instrument Dr. Herzls, welches zum Nutzen und Frommen des jüdischen Volkes geschaffen wurde, als politische Institution aufgehoben wird. Denn der Wert der Kolonial bank liegt darin, dass Sic die Möglichkeit haben, die Idee des jüdischen Staates historisch zu entwickeln. Sie aber heben diesen Wert der Bank auf, Sie fixieren die Tätigkeit der Kolonial bau 1< auf die Türkei, auf Syrien, Palästina, welches vorläufig nicht unser Land ist, sondern nur ein Ge-