Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 33 (18.8.1905)
- Date
- 1905-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „bi* * weit Nr. 33 biet der Türkei. In der Türkei können Sie weder kolonisieren noch irgend etwas unternehmen, was sich die Kölonialbauk zum Zwecke gesetzt hat, Sie führen die Bank dem Verderben entgegen. Die Türkei ist das Land der Barbarei, das Land der Rechtlosigkeit, da« Land des roten Sultans. Nach diesem Lande, ans welchem alles, was kulturell, was fortschrittlich ist, was nach höheren Lebensformen strebt, davon rennt, nach diesem Lande wollen Sie die Kolonisationstätigkeit leiten und bilden sich ein, dass die jüdischen Arbeitermassen hingehen werden. Niemals werden diese nach dem Lande gehen, wo es im Interesse jedes Proletariers liegt, dasselbe zu verlassen. Wenn Sie das Volk dort kolonisieren wollen, wird es ihm ebenso gehen wie den Armeniern, wie allen anderen vom roten Sultan unterdrückten Nationen. Ich warne Sie im Namen des jüdischen Proletariats, einen derartigen reaktionären, verderblichen Beschluss zu fassen. Werden Sie es aber tun, haben Sie den politischen Zionismus aufgehoben und der politischen Bewegung der Juden ein Ende gemacht. Halten Sie sich nicht daran, dass Sie hier eine zufällige Majorität sind. Wenn Sie die Presse in der Schweiz und in ganz Europa lesen, werden Sie den Eindruck gewinnen, dass die Majorität eine falsche ist. (Beifall — Widerspruch.) Es gibt eine höhere Iristanz innerhalb der Judenheit, als diese zufällig zusammengekommenen paar Leute, diese höhere Instanz ist die weitere Gestaltung der jüdischen Nation. Vor dieser höheren Instanz begehen Sie durch Ihre Beschlussfassung ein Verbrechen. (Beifall — Widerspruch.) Aktionär Z angwill (spricht englisch und Herr Finkelstcin gibt die deutsche Uebersetzung) : Wir dürfen keine Aenderungen vornehmen, sonst werden wir in eine Art Ica ausarten, nicht nur in der Politiksondern auch in finanzieller Hinsicht, nachdem wir unser Geld auf ein Nichts verschleudern werden. Wenn wir einmal mit Aenderungen anfangen, so kann der nächste Kongress oder ein folgender es noch mit grösseren Kosten tun. (Beifall.) Die gegenwärtigen Statuten haben bereits seit acht Jahren dem Zionismus gedient und jede Partei hat es möglich gefunden, im Sinne ihrer Majorität dieselben auszulegen, und davon Gebrauch zu machen. Wenn Sie einmal mit Aenderungen beginnen, so gibt es keinen Grund dagegen, dass in der Zukunft ein anderer Kongress, der aus den Anhängern Synkins bestehen würde, auch Palästina streichen würde. Der Kongressbeschluss hat für diese Versammlung keine bindende Kraft, da unter den Aktionären auch viele Christen sich befinden. Wir sind hier bloss Geschäftsleute. Der Kongress kann seine Macht und Kraft auf uns nur insofern ausüben, als er Aktien besitzt, nach der Zahl der Aktien, die das A.-C. besitzt. Ich frage, ob dieser Kongress das Recht besitzt, oder irgend ein Kongress, alle zukünftigen Kongresse zu binden und zu beschränken. Wenn aber ein Kongress eine solche furchtbare Macht besitzen sollte für die Zukunft, müsste es wenigstens ein derartiger Kongress sein, dessen Zusammensetzung keinem gewöhnlichen Zufall unterliegt und nicht ein Kongress, der angegriffen wurde, insoweit, dass viele ihr Stimmrecht nicht ausgeübt haben, weil sie die Gesetzlichkeit der sogenannten Majorität .... (Widerspruch). Präsident: Ich glaube, es war nur eine kleine Verrechnung von Zangwill, dass er immer vom Kongress gesprochen hat. Hier sind wir in der Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank. Es liegt ein Antrag auf Schluss der Debatte vor. Aktionär Josselew: Es ist doch beschlossen worden, dass jeder Redner bloss fünf Minuten sprechen darf. Präsident: Gewiss! Jetzt liegt aber ein Antrag vor, dass überhaupt niemand mehr sprechen soll. Es wTird beantragt Schluss der Debatte ohne Anhörung weiterer Redner. Wer für diesen Antrag ist, erhebt die Hand. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. Wir kommen zur Abstimmung, hierzu hat Herr Dr. Kokesch das Wort. Dr. K o k e s c h: Meine Damen und Herren! Ich will Ihnen erklären, wie Sie abstimmen sollen, ich bitte also ruhig zu sein, sonst werden Sie unrichtig abstimmen. Meine Damen und Herren! Rechts unten am Stimmzettel ist ein rotes Quadrat, in zwei Teile geteilt. Jetzt wird über die erste Resolution abgestimmt. Wer für diese Resolution ist, schreibt in den oberen Teil das Wort „für" oder „gegen" und dazu die Anzahl der Aktien. Zu diesem Behufe wird die Sitzung auf fünf Minuten unterbrochen. Sind die Stimmzettel ausgefüllt, behält jeder seinen Stimmzettel für sich. Dann schreiben Sie in die zweite Reihe, ob Sie für die zweite Resolution sind und dazu die Aktienanzahl. Jeder muss aber unter den Stimmzettel auch seinen Kamen schreiben. (Zwischenrufe.) Man kann auch als Bevollmächtigter unterschreiben, aber derjenige, der bevollmächtigt ist, muss seine Vollmacht beim Sekretär hinterlegen. Die Bevollmächtigten müssen ihre Namen aufschreiben und der Namen dessen, der die Vollmacht erteilt. Darm' müssen zwei Skrutatoren gewählt werden, hierauf werden die Stimmzettel eingesammelt und hierauf die Versammlung auf zwei Stunden unterbrochen. Der Sekretär und die Skrutatoren führen provisorisch das Skrutinium durch. Dann müssen zwei Skrutatoren in London die Stimmzettel mit edn Aktienregistern vergleichen und erst dann kann das definitive Resultat des Skrutiniums publiziert werden. Ich bitte noch um etwas Geduld für eine persönliche Bemerkung. Da hier von Kosten der Advokaten gesprochen wurde, so bemerke ich, dass ich als Rechtsanwalt der Bank niemals einen Kreuzer für meine Tätigkeit verlangt habe. (Beifall und Händeklatschen.) Präsident: Bevor wir zur Abstimmung schreiten, gebe ich das Wort Herrn Cowen zur Verlesung eines Briefes des Herrn Greenberg, der heute leider nicht hier sein kann. Direktor Cowen (liest) : Basel, den 31. Juli 1905. Herrn D. Wolffsohn, Vorsitzender des Direktoriums des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited. Geehrter Herr Wolffsohn! Ich bedauere aus Privatgründen, welche ich Ihnen bereits erklärt habe, aussterstande zu sein, in Basel noch über den morgigen Tag bleiben zu können und ist es mir daher unmöglich, der Generalversammlung beiwohnen zu können. Sie wollen mich gütigst bei der Generalversammlung entschuldigen. Gestatten Sie mir der Hoffnung Ausdruck zu geben, dass die Versammlung entscheiden wird, keine Abänderungen der Statuten der Trust vorzunehmen. Wenn ich der Meinung wäre, dass ohne die Abänderungen es eine mögliche Gelegenheit geben würde, das Vermögen des