Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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^eite 10 „Di* W^lt1' Mr. 32 Palästina die Anglo-Palestine Company gegründet und können uns hier nicht über alle Wünsche auslassen, weil die Zeit zu kurz ist. Meise 1: Meine Herren! Ich stelle den* Antrag und bitte, denselben zur Abstimmung zu bringen, dass die diesjährigen Dividenden von den Aktionären dem Nationalfonds zugewendet werden. (Rufe: Nein, nein!) Präsident Woliisohn: Das ist ein Antrag, der gar nicht zugelassen werden kann, das ist Sache der Aktionäre. (Bravo!) Aschken asi beantragt ebenfalls, da der Betrag dier Dividende nur etwa 17, 18 oder 20 Kopeken ausmache uni keinen grossen Wert für die Aktionäre habe, man sollen anstatt die Zinsen auszuzahlen, eine Lotterie einrichten. (Iis wird ihm vom Vorsitzenden mitgeteilt, dass dies nicht angängig ist.) Dann möchte er noch eine weitere Anfrage richten, aber in einer anderen form, als es Herr Melamed getan hat. Es sei bekannt, dass in den letzten zwei Jahren so wenig jüdische Kolonialbankaktien verkauft wurden. Das sei dem Verbote der Einfuhr neuer Aktien nach Russland zuzuschreiben. Vor zwei Jahren sei vom Direktorium mitgeteilt worden, dass die Ursache des Verbotes nicht aus politischen oder antizionistischen Gründen, sondern einfach vom Finanzministerium ausgegaugieii sei, weil in Russland ein Gesetz existiere, nach dem Aktien, welche im Verlaufe von drei Jahren keine Dividende bezahlen können, nicht ins Land eingelassen werden können. Da aber jetzt schon der zweite Coupon zur Auszahlung gelangt sei und obige Motive nicht mehr gelten können, richte er die Anfrage an das Direktorium, ob jetzt Schritte unternommen worden seien, um das Verbot aufzuheben. Präsident Wolffsohn: Prophezeiheil will ich nichts, aber ich hoffe es. Slatopolski (spricht russisch) bemerkt, dass die Anglo-Palestine Company von der Bank für 30 UÜO Pfd. Sterling Kredit bekommen habe, und er drückt den Wunsch aus, dass man der Gesellschaft für Palästina grössere Beträge gewähren möge. (Es wird ihm mitgeteilt, dass dem absolut nichts entgegenstehe und dass, wenn die Anglo-Palestine Company mehr Geld haben sollte, man ihr auch mehr Kredit geben würde.) Präsident Wolffsohn: Es ist soeben wieder ein Antrag eingelaufen auf Schluss der Debatte und ein anderer Antrag, dass wir zunächst dem Direktorium das Absolutorium erteilen sollen. Dieser Antrag ist von verschiedenen Seiten gekommen. Rechtsanwalt Rosenbauni, unterstützt von lierrm Slatopolski, beantragt, dass man uns Decharge erteile. (Wird auf Russisch übersetzt. Hierauf wird abgestimmt.) Der Antrag ist angenommen, ich danke Ihnen im Namen des Direktoriums. (Lebhafter Berall.) Es ist der Antrag gestellt worden aut Schluss der Debatte, Ich werde die einzelnen Redner bitten, mitzuteilen, ob sie hier irgend etwas vorzutragen haben oder ob sie nur einen Antrag zu stellen haben. Herr Rosen bäum fordert die Versammlung auf, zum Direktorium volles Vertrauen zu haben, da es dazu vollauf berechtigt sei. Ferner befürwortet er die Ausbreitung des Depositengeschäftes und kommt zum Schluss auf die Andeutung, die ihm Herr Zangwill gemacht hatte, zu sprechen, nach welcher das Institut in Jerusalem bedroht wäre, von türkischen Soldaten überfallen zu werden. Er fragt den Vorsitzenden, ob das wahr oder unwahr sei. Nach einer heftigen Auseinandersetzung über den Wortlaut der Zangwillschen Aeusserung gibt Präsident Wolffsohn offiziell die Erklärung ab, dass die Verwaltung mit der türkischen Regierung auf se/hr freundlichem Fuss© stehe,, dass man wohl anfänglich kleine Schwierigkeiten! gehabt habe,, aber jetzt gute Beziehungen unterhalte. Die Verwaltungen der türkischen Regierung in Jerusalem und Jaffa machen sehr gern mit uns Geschäfte. R o s e n b a u m: Dann haben wir zu verstehen, dass das, was Zangwill gesagt hat, unrichtig ist. Präsident Wolffsohn teilt ferner mit, dass der Antrag des Direktoriums dahin gehe, zweieinhalb Prozent Dividende für das Jahr 1904 auf Coupon Nr. 2 zu verteilen, und bittet um Annahme dieses Antrages. Dazu gehört noch der Antrag, dass die 20ÜU Pfund Sterling, die übrig bleiben, aui das nächste Jahr als Reserve vorgetragen werden. Ich möchte über beide Anträge zugleich abstimmen lassen. Abstimmung. Die beiden Anträge werden a'nge n o m m e n. Präsident Wolffsohn: Es muss heuer nach unseren Statuten ein Direktor ausscheiden. Das Direktorium schlägt Ihnen vor, Herrn Urysohn aus Moskau ausscheiden zu lassen und wiederzuwählen, ebenso Herrn Josef Cowen neuzuwählen. M o s 5 i n s o h ni verlangt getrennte Abstimmung. Dies geschieht. Urysohn wird mit grosser Mehrheit gewählt. Mossinsohn schlägt hierauf anstatt Cowen Herrn Dreyfuss aus Manchester vor. Präsident Wolffsohn betont, dass das Direktorium einer Bank nicht eine politische Funktion sei und das» Herr Cowen als Governor jahrelang gearbeitet habe. Er lasse überhaupt über Personenwagen nicht abstimmen. Nach den Bankstatuten können aus dem Plenum nur Vorschläge gemacht werden. Es kann aber kein Direktor gewählt werden, wenn er nicht vom Direktorium vorgeschlagen wird* und das Direktorium könne er jetzt nicht versammeln. Mossinsohn ruft: Das ist Zwang! Präsident Wolffsohn: Bitte, regen Sie sich nicht auf. Wir sind nicht im Kongress! (Beifall.) Ein Aktionär protestiert gegen diese Aeusserung als eine Beleidigung des Kongresses. Präsident Wolfssohn: Ich habe das selbst verständlich nicht als Beleidigung gebraucht. Ich bin selbst im Kongresse gewesen. Auch ich rege mich im Kongress auf. Im Kongress gehen politische Dinge vor sich. Hier handelt es sich nur um Geschäftliches. Zur Aufklärung des Herrn Mossinsohn wird sodann § 109 der Statuten vorgelesen. Unter fortwährend wachsender Aufregung und beständigen Unterbrechungen beantragt Herr U s s i s c h k i n, ein neues Mitglied erst wieder zu wählen, wenn ein weiteres. Mitglied austritt. Präsident Wolffsohn erklärt kurz und bündig, beim Antrag des Direktoriums zu beharren. Man möge Herrn Cowen wählen. Hierauf wird die Abstimmung vorgenommen. Es ergeben .sieIi 12U Stimmen für und 41 Stimmen gegen Cowen. Bei der Verkündigung dieses Resultates erhebt sich brausender Beifall. Während die Aufregung sich allmählich legt, werden auf Antrag des Herrn Simon, unterstützt von Oskar Marmor e k, die bisherigen vereidigten Bücherrevisoren mit dem bisherigen Gehalte von 100 Pfund wiedergewählt. Rosen thal: Wir haben die scharfe Kritik gegen verschiedene Arbeiten des Direktoriums gehört. Ich halte es für meine Pflicht und im Sinne der Generalversammlung, diass wilden Direktoren, welche an der Spitze stehen und unentgeltlich, ernstlich, mit Vorsicht und Energie das Institut verwalten, unseren herzlichsten Dank ausdrücken. (Beifall.) Präsident Wolffsohn: Rechtsanwalt Rosenbaum unterstützt diesen Antrag. Er ist angenommen, ich danke Ihnen im Namen des Direktoriums. Schachtel, unterstützt von Francis Bernstein aus Holland, beantragt, der Beamtenschaft der Bank den Dank auszudrücken. — Angenommen. Der Präsident schliesst hierauf um 12 Uhr die Generalversammlung und ladet die Aktionäre ein, sich zur ausserordentlichen Generalversammlung im Saade 5 einzufinden.