Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 lfbi« X* Welt Seite 9 3. möglichst am .allen, jüdischen Zentren (Filialen oder Komnianditen einzurichten, vor allen Dingen in New York, Berlin uii-d Wien; 4. durch Ausgabe auch grösserer Appoints den Aktionären den Aktienemissionsstempel zu vermindern, und 5. (dies ist der wichtigste Punkt) die Einführung der Aktien an der Londoner und anderen Börsen zu versuchen." Präsident Wolffsohn versichert dem Redner, dass Direktorium und Aufsichtsrat, die gewiss besser in der Lage seien' als die Generalversammlung, die angeregtem Fragen zu entscheiden, sich alle Mühe geben werden, das richtige zu tun. Für die Kotierung an der Börse sei die Zeit noch nicht gekommen. Prolongierte Wechsel wären als Verlust abgeschrieben! worden, wenn es zur Prolongation hätte kommen müssen, was nicht geschehen sei. Flerr Resek vermisst und wünscht für das nächste Jahr in der. Bilanz, dass die einzelnen Geschäftsabteilungen gekennzeichnet werden, so dass mau sich eine Uebersicht machen kann, in welcher Weise das Diskontogeschäft etc. gearbeitet hat. So lange die Bank nicht aus ihrem Rahmen heraustritt, ist an einen modernen Geschäftsgang nicht zu denken. Der Titel „Jüdische Kolonialbank4' schafft als angeblich konfessionelle Bezeichnung eine gewisse Aversion. Die Anglo-Palestine Company sollte die'Geschäfte übernehmien. Nachdem die Jüdische Kol'onialbank bis auf geringfügige Ausnahmen Besitzerin der sämtlichen Aktien der Anglo-Palestine Company ist, so würde der Gewinn wieder den Bankaktionären zugute kommen. Der Redner beifürwortet sodann die Pflege des Warengeschäftes und hält es für notwendig, einen Abteilungschef für die Warenabteilung zu bestimmen, welcher sich mit Import und Export von Waren in Palästina befasst. Rechtsanwalt Rosenbaum widerspricht Herrn Heimann. Er hält es für einen Fehler, wenn Mitglieder der Generalversammlung sich in solche Detailfragen hineinmischen. Dazu sei das Direktorium da. Er warnt ferner davor, die Aktien an der Börse kotieren zu lassen Er möchte im Gegenteile dem Direktorium den entgegengesetzten Auftrag geben. Wenn wir jetzt statt 4 Prozent 2 Prozent bekommen, so heisst das statt 40 Kopeken 20 Kopeken. An der Börse wären dann die Aktien nicht 10 Rubel, sondern nur 5 Rubel wert, und wenn sie nur 1 Prozent Zins geben, nur 250 Kopeken. Der Redner empfiehlt, dass man die Dividende so festsetzt, wie sie sich natürlich aus der Bilanz ergibt, und bekämpft zum Schlüsse das Ansinnen, die Geschäfte in Russland abzubrechen, da verschiedene Berichte über Russland unwahr seien. Filialen will er nirgends ausser in Palästina gegründet sehen, aber das Direktorium sollte berichten, wie weit die Geschäfte in Palästina ausgedehnt sind. Es fragt sich, ob die Bank nicht die Initiative ergreifen sollte, um die Kolonisten etwas selbständiger zu machen, auf Grund sicheren Kredites. Er sagt, dass er nicht zu denjenigen zähle, die nur Lobsprüche für die Bank haben, aber hier möchte er beantragen, dem Direktorium und dem Aufsichtsrate den Dank für ihre Arbeit und das vollständige Vertrauen auszudrücken. Dr. Pasmanik: Ich möchte an das Direktorium, eventuell den Aufsichtsrat, folgende Frage richten, wenn Sie wollen, nennen Sie es eine Interpellation. Ich lese nämlich im Bericht unseres Direktoriums folgendes: „In derselben Weise haben wir uns auch bei der Gründung der Deutsch-Levantinischen Baumwollgesellschaft in 'Dresden beteiligt und sind mit den Vorarbeiten für verschiedene Unternehmungen ähnlicher Art beschäftigt." Ich möchte das Direktorium anfragen, ob wir darin nur etwas Zufälliges oder ob wir darin eine tatsächlich systematische Arbeit oder den Plan zu einer systematischen Arbeit zu erblicken haben, die eben bezwecken würde, gemäss den Statuten unserer Bank auch in den Nebemländern ein Arbeitsfeld zu schaffen, nämlich in Syrien; denn ich meine, dass wir in dieser Arbeit unbedingt, wenn sie von Erfolg gekrönt ist, wenigstens eine partielle Antwort finden würden auf eine Frage, die speziell das östliche Judentum sehr' beschäftigt, nämlich die Emigrationsfrage. Ich möchte nun wissen, ob durch diese Arbeit nicht wenigstens ein teilweise Antwort auf diesem Kongresse gefunden werden könnte, und möchte das Direktorium bitten, in dieser Hinsicht sein Möglichstes zu tun. Präsident Wol-ffsohn: Ich will darauf ganz kurz antworten. Bis jetzt hat das Direktorium die Auffassung, dass die Jüdische Ko-lonialbank gegründet worden ist zur Schaffung einer öffentlich rechtlichen Heimstätte in Palästina und dass wir alles zu tun haben, was für Palästina irgendwie voiinutzen sein könnte. Wir arbeiten erstens rein geschäftlich, wir mischen uns nicht in politische Dinge, suchen aber, wenn wir irgendwo einen Weg finden können, ob sich etwas für Palästina erreichen lässt, sei es durch Kenntnis von Anpflanzung oder durch Erzieiung von Arbeiterkursen; da beteiligen wir uns. Wir nehmen das Gute, woher es uns kommt. Kalametzki (Jargon) sagt, dass Herr Ussischkin schon auf dem VI. Kongresse verlangt habe, man solle den Geschäftsbericht über die Bank auch auf Englisch, Russisch oder Hebräisch abfassen, weil viele von den Russen die deutsche Sprache nicht verstehen, und man sollte die Mehrkosten für den Druck dieser Berichte nicht scheuen. Präsident Wolffsohn: Es ist ein Antrag von Herrn Aktionär Rosenbaum eingelaufen, die Debatte zu schliessen. Ein zweiter Antrag liegt vor, die Redezeit auf zwei Minuten zu beschränken. Ich möchte Ihnen folgenden Vorschlag machen: Wir wollen gar keine Zeit verlieren mit Abstimmung über diese Anträge. Ich bitte die Redner, sich so kurz wie möglich zu fassen. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir den Saal in kurzer Zeit verlassen müssen. . a.s v> Melanie d verlangt (russisch) die Einführung einer Nationallotterie aus den Dividenden zur Förderung der Bank in Russland. Präsident Wolffsohn: Es wird mir mitgeteilt, dass Sie verlangen, man solle eine Nationallotterie von den Dividenden machen. Das ist geradezu ausgeschlossen, weil wir nirgends in der Welt dazu die Erlaubnis bekommen und es auch nicht angebracht ist. Was möglich ist, haben wir dafür getan, dass die Aktien wieder in Russland eingeführt werden. Kaufmann: Ein Vorredner berrauptete, dass eine Kritik unmöglich ist. Ich bin nicht ganz der Ansicht und möchte immerhin mir die Fragie an Herrn Wolffsohn erlauben, ob eine Einschränkung der Ausgaben im allgemeinen und Miete im besonderen nicht möglich wäre. Wenn diesem Uebelstand abgeholfen wird, dann wird das Vertrauen zur Bank in hohem Masse gehoben. Präsident W ol f f s o h n: Die Miete haben wir sogar noch etwas vergrössern müssen. Ich habe aber in meinem Berichte gesagt, dass wir im letzten Jahre 800 Pfund Sterling gespart haben und dass es weiter unser Bestreben ist, die Ausgaben so weit als möglich einzuschränken. Scheinkin (Jargon) fragt an, warum die Dividendenverteilung nicht in allen Zeitungen in jedem Monat ausgeschrieben wird, damit man wisse, welche Städte in Russland die Dividenden bekommen. Ferner verlangt er, was die „Spesen für Aktienverkäufe" anbelangt, dass drei' oder vier gute Agitatoren da sein sollten, die für den Zionismus agitieren. Präsident Wolffsohn: Annoncieren können wir deswegen nicht, wie Sie es wünschen, weil das die Spesen verdoppeln würde. Es wäre eine furchtbare Verschwendung, wenn wir in der ganzen Welt grosse Annoncen erlassen würden. Wir haben unser Organ „Die Welt", unsere Aktionäre sind Zionisten und halten die „WelifWollten wir ausserhalb der zionistischen Zeitungen uns an andere Blätter wenden, so würde das ein Vermögen kosten. Im übrigen aber werden' wir, so weit es geht, Ihre Wünsche, berücksichtigen. Wir haben für