Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316165--47216-3342099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite. .&' weit Nr. 32 Ich bin überzeugt, dass durch systematische urxd energische Arbeit sich in kurzer«Zeit eine gewaltige Stärkimg unserer Organisation wie.unserer finanziellen MachthütU'l erreichen lässt. .Wenn planinässig. in bestimmten Zeiträumen nacheinander erst dieses, dann jenes Gebiet bearbeitet, wird, muss die Erkenntnis durchdringen und muss Nacheinander jedes Bollwerk fallen, hinter dem Unverstand, Böswilligkeit oder Feigheit Zuflucht gesucht haben. Es ist für' ans Zionisten, die wir stets ablehnen, nur eine Partei zu sein, die wir vielmehr für das ganze jüdische Volk fühlen — auch .für die Juden, welche uns bekämpfen oder uns ihr Ohr verschliessen •— es ist für uns ein herber »N-hmerz, gegen viele unserer Brüder kämpfen zu müssen. Yic-I mehr für jene als für uns arbeiten wir. Wir bekämpfen sie, indem wir uns für sie opfern. Dass wir dereinst zum Ziele kommen werden, vielleicht nicht die darch lange Sklaverei und AYüstenwandcrung ermattete Generation, aber doch die kommende starke, die Generation derer, die nicht erst Zionisten zu. werden brauchen, sondern als Zionisten geboren sind, das wissen wir. Wir tragen das Siegesläeheln auf den Lippen,-weil. ^*ir die Kraft in uns spüren, den Schwur, den wir am Grabe unseres heimgegangenen Grossen geleistet, zur Erfüllung zu bringen, jenen Schw ur, dem er mit seinem Leben besiegelt hat. Wir wissen, dass die Wahrheit auf dem Wege ist und nichts sie aufhalten kann. Und wir wissen, dass alle jene, welche sich heute fem von uns 'halten, dereinst, wenn unser der Sieg, wenn es keine Gefahr mehr hat, dass sie alle dann zu uns kommen werden. Aber wir wollen ihnen, die sie unsere Brüder bleiben, wenn sie uns auch in die Sklaverei verkauft haben, wir wollen ihnen die Beschämung ersparen, dass sie in uns den Bruder erst in der Zeit ihrer Not entdecken, da wir die Mächtigen sind. Wir wollen schon heute sie des Glückes teilhaftig sehen, das uns die Arbeit für unser Volk täglich neu schafft. Wir glauben nicht an ihre kalten, feindseligen Worte, an ihre höhnischen und gehässigen Blicke, wir glauben an einen jüdischen Kern in ihnen, wir hoffen immer, aus ihnen nicht Juden zu machen, aber in ihnen den Juden zu erweck:-!]. Wir geben ihnen unendlich viel mehr, als wir durch sie gewinnen können. Wir bringen ihnen die Harmonie der Seele, das Hochgefühl, als Vollmenschen leben und empfinden zu können, die keinen Riss in ihrem Innern verspüren;, die wissen, wo die Wurzeln ihrer Kraft sind. (Lebhafter, andauernder Beifall.) Von der Propaga'r dakommission. Unmittelbar nach dem Kongresse tagte die neugewählte PropagandakommisMon unter dem Vorsitze Dr. . Moses Gasters, um einen Kähmen für ihre Tätigkeit festzustellen. Die sehr interessante Debatte war, ohne dass bereits bindende Beschlüsse gefasst worden wären, der Erörterung prinzipieller Fragen und wirbliger Ai regungen gewidmet. Bereits in nächster Zeit soll eine Anzahl von Koinmissionsbesehlüssen gefasst und dem Ä.-C. unterbreitet werden, Ordentliche Generalversammlung der Jadischen Koionialba k Am 1. August, Dienstag, fand im Kongresssaal in Basel die ordentliche Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank statt, die nach dem stenographischen Berichte. folgenden Verlauf nahm: Präsident W o 1 f f s o h n: Ich eröffne die achte Generalversammlung und beantrage, dass unsere Verhandlungen in deutscher Sprache geführt werden. Da kein Widerspruch ist, bitte ich den Sekretär, die Bekanntmachung bezüglich der jeneralversammlung zu verlesen. (Geschieht.) Präsident W ol i i s o h n: Sehr geehrte Generalversammlung! Im Namen des Direktoriums habe ich die Ehre, Sie heute zu der achten Generalversammlung zu begrüssen. Ein gedruckter Bericht über das verflossene Geschäftsjahr mit der Bilanz per 31. Dezember 1904 ist bereits Ende März d. J. in unserem Organe „Die Welt4 erschienen. Auch sind gedruckte Exemplare heute wieder zur Verteilung gelangt, so dass ich mich über den Verlauf des Geschäftes nicht weiter auszulassen brauche. Einige Ziffern möchte ich aber trotzdem noch aus diesem Berichte wiederholen. (Der Bericht wird verlesen. Hierauf bringt der Sekretär die Bilanz und den Bericht betreffs Bücherrevision zur Verlesung.) Präsident Wolffsohn: Ich eröffne die Diskussion mit einer Mahnung zur Kürze. Wir sind hier in einer geschäftlichen Versammlung, wo nur Business verhandelt wird. (Beifall.) Dr. Hei mann: Ich spreche nicht als Delegierter zu Zionisten, sondern als Aktionär zu Aktionären, als Bankier zu Kapitalisten. In der Bilanz ist unter den Aktiven ein Besitz von 27 500 Pfd. St. englischen Konsols. Ist es nicht möglich, sie umzutauschen gegen gleich sichere und höher verzinste Papiere, ungarische oder auch deutsche Hypothekarpfandbriefe, argentinische, chinesische oder japanische Papiere zu 5 Prozent und mehr? Ich bitte den Aufsichtsrat und das Direktorium ferner, das russische Diskontogeschäft einzuschränken. Wir haben erfreulicherweise im letzten Jahre nur sehr geringe Verluste gerhabt. Nicht aber andere Banken. Sind nicht Verluste dadurch vermieden worden, dass Wechsel, von denen man fürchtete, sie würden zum Protest kommen, prolongiert worden sind? Ich möchte daher bitten, das russische Wechselgeschäft einzuschränken und das Depositengeschäft, wie es in England bis zu 20 Prozent Dividende führt, mehr zu kultivieren. Drittens ersuche ich, an allen grösseren Zentren jüdischen Lebens (New Yörk, Wien und Berlin) Filialen oder Kommanditen zu errichten, In Deutschland weiss kein Mensch, wo unsere Coupons eingelöst werden. Die Banken, mit denen wir in Verbindung stehen, sind nicht interessiert. Viertens möchte ich ersuchen, neben den 1 Pfund Sterling-Aktien grössere Appoints zu beschaffen, Aktien von 20 und 50 Pfund Sterling zum Zwecke der Verminderung des Stempels. Der deutsche Reichsstempel beträgt zweieinhalb Prozent, ist aber ein Militärstempel und beträgt für eine Pfund Sterling-Aktien nicht 50 Pfennige, sondern 2 Mark oder 2 Mark 50 Pfennige. Ferner möchte ich aus prinzipiellen Gründen die Versammlung ersuchen, zu beschliessen, dass der Versuch gemacht wird, die Jewish Colonial Trust-Aktien an den europäischen Börsenplätzen einzuführen, selbst wenn das den Anwesenden wider das Herz gehen würde. Unsere Aktien sind heute ein absolut unveräusserliches Effekt. Unser Bestreben muss sein, das Aktienkapital zu vergrößern. Mit 5 Millionen Aktienkapital können wir gegen die Orientbank, die Deutsche Bank, dein Credit Lyonnais im Orient einfach nicht aufkommen. Wir müssen deshalb die Dividende auf 4 Prozent hinauftreiben und ein oder zwei Jahre festhalten und dann versuchen, die Aktien in London einzuführen, selbst unter Pari, sagen wir zu SO Prozent. Das Erscheinen des Jewish Colonial Trust auf dem Markte wird ein vorzügliches Agitationsmaterial sein. Der Idealismus des jüdischen Volkes, der sich in der Aktienzeichnung manifestiert, scheint erschöpft zu sein. Die neuen Zeichnungen sind minimal. Ich stelle deshalb die folgenden Anträge: „Die am L August in Basel abgehaltene ordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust beschliesst, das Direktorium und den Aufsichtsrat der Bank zu beauftragen: 1. die im Besitze der Bank befindlichen englischen Konsols in sichere, höher verzinsliche Fonds umzutauschen, die marktgängig sind und verschiedenen Gattungen angehören; . 2. an Stelle des russischen Diskontogeschäftes das englische Depositengeschäit in höherem Masse zu pflegen;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.