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Die Welt · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 „bis & Weit" Seite 3 ist. Es kann wohl ermöglicht werden, dass von, jetzt ah jedes Protokoll im Anhang ein derartiges "Register enthält. Ich will jetzt üher die Fülle der Bücher, die auf keinem jüdischen Tische fehlen dürfen, wie die Verlagsbuehhändlcr behaupten, nicht eingehen, sondern nur einen Wunsch äussern: TsT'och. immer fehlt es an einer guten Jugendliteratur. Ich glaube, es gibt keine dankenswertere Aufgabe für unsere Dichter und Schriftsteller, als sich diesem sehr vernachlässigten Zweige mehr zu widmen. Pas wird für unsere Propaganda von u nenn esslich er Bedeutung sein, 'demr die heutige Jugend, welche unter allen möglichen Einflüssen aufwächst — wenigstens bei uns im Westen — nur nicht unter jüdischem, steht unseren Bestrebungen von vorneherein fremd' und kühl gegenüber. Sie muss so früh wie möglich, wenn nicht mit unseren politischen Zielen, so doch mit den Tdealen und der Sehnsucht unseres Volkes, mit unseres Volkes Taten und Leiden bekannt gemacht werden. Und nun die Frage der Presse. Tch glaube, im allgemeinen können wir mit unserer Parteipresse zufrieden sein, wenigstens vom agitatorischen Standpunkte. Sie ist, soweit sie mir bekannt ist, so, dass wir sie jedem in die Hand geben und Ehre damit einlegen können. Insbesondere unser offizielles Organ, die „Welt", erscheint mir gut redigiert und interessant gehalten. Für die Ausgestaltung der „Welt" sollten wir so viel nur angeht, tun. Eine illustrierte Beilage mit aktuellen Bildern würde das "Interesse weiter Kreise heben. Das wünschenswerteste wäre ja. wenn wir unser Parteiblatt zu einer Tageszeitung umgestalten könnten, einem grossen, vornehmen Blatt, das endlich einmal unser lebendiges Sprachrohr sein und alle Ereignisse der Welt einmal vom jüdischen Standpunkte betrachten würde. Ein wahrhaft jüdisches Blatt, das vom Leben unseres Volkes zeugt, kann eben nur ein solches Tagblatt sein, das nicht seine Interessensphäre so eng abgrenzen muss wie ein Wochenjournal. Aber bis zur Verwirklichung dieses oft hier ausgesprochenen Wunsches wird wohl noch viel Tinte die Feder hinabfliessen. Treffliche Dienste leisten uns andere jüdische Zeitungen, welche, nicht auf dem Partei Standpunkte direkt stehend, doch wenigstens Verständnis für unsere nationale Idee besitzen und verbreiten. Derartige ernsthafte und unparteiische Zeitungen nützen der Propaganda oft mehr als Tendenzblätter. Aber um so vorsichtiger müssten unsere Parteigenossen sein, denen solche Blätter offen stehen. Viel eher in. einem Parteiblatte als in einer solchen von Fernstehenden viel gelesenen Zeitung kann ein scharfes, kritisches Wort gesprochen werden. Was in der „Welt" oder in „Altneuland" stehend, allen ernsthaften Arbeitern unserer Sache willkommen sein könnte, kann in einerunparteiischen Zeitung einer Verfälschung gleichkommen und unserer Propaganda empfindlichen- Schaden bringen. Da wirkt dieses von mir schon früher als ganz unzulässig bezeichnete Propagieren von innerhalb der Bewegung berechtigten. Soiaderanschauungen ausserhalb unserer Beiheu am allergefährlicbsten. Tch möchte noch ein Blatt erwähnen, däs seine Stärke nicht im Ernsthaften suchte, aber Treffliches für die Popularisierung unserer Sache tat, ohne deshalb ausgesprochen zionistisch zu sein, den leider selig entschlafenen „Schlemiel". Tch glaube, dass ein solches Blatt für jüdische Satire nie Stoffmangel haben kann, und dass sein Bestehen von nicht zu unterschätzender Bedeutung für unsere Sache wäre. Dieser Ansicht hat auch Theodor Herzl wiederholt Ausdruck gegeben. Möge bald auf solider Grundlage ein solches Unternehmen wieder erstehen. Da wir von Witzblättern reden, will ich rasch einige Worte über eine gewisse sich jüdisch nennende Presse sprechen, die ebensosehr für unbewusste "Komik wie unbeabsichtigte Agitation sorgt. Diese Blätter, grösstenteils solche, die zum Privatgebrauch ihrer Ecdakteure herausgegeben werden, befehden seit dem Bestehen des Zionismus ihn aufs schmählichste, mit groben Schimpfworten und feigen Verleumdungen arbeitend. Sie öffnen jedem ihre Spalten, der irgend etwas noch so Unsinniges gegen, uns vorzubringen weiss. Solche Gegenagitation kann nur nützen, wie erfahrungsgemäß Versammlungen, die von gegnerischer Seite einberufen wurden, sich am allerer folgreichsten für uns gestaltet haben. Beiläufig kommt uns diese Art Agitation auch am billigsten und wenn der schon aufgetauchte Gedanke der Gründung eines ,,Vereins zur Abwehr des Zionismus" in die Wirklichkeit überführt werden sollte, würde uns viele Mühe erspart werden. Gefährlich ist die Tätigkeit, welche eine Reihe anderer Blätter einschlagen, die Taktik des Totschweigens. Zwar folgt die grosse Masse der Weltblätter aller Eichtungen, unbeschadet ihrer Stellung zum Zionismus, in immer wachsender Zahl aufmerksam hier unseren Verhandlungen; sie halten es für ihre Pflicht, ihre Leser über die tatsächlichen Vorkommnisse unserer Bewegung auf dem Laufenden zu halten. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass fast ausnahmslos diese Berichte von Objektivität, von Verständnis und mehr oder weniger auch von innerer Teilnahme zeugen. Wenn im Anschluss an die Berichte in vielen dieser Blätter eine scharfe Kritik an uns geübt wird, so haben wir nichts dagegen, freuen wir uns vielmehr darüber, nachdem durch die Berichte selbst ja jedem Leser die Möglichkeit eigener Nachprüfung gegeben ist. Eine glücklicherweise kleine Anzahl von Blättern aber sucht geflissentlich ihre Leser um die Kenntnis dieser Vorgänge zu betrügen und verletzt in eklatanter Weise die Pflicht, welche einer Zeitung ihrem auf sie vertrauenden Publikum gegenüber obliegt. Diese Blätter, welche keine Versammlung von Friseurgehilfen, keine Verhandlung wegen eines Lustmordes vorübergehen lassen, wagen es, an der imposanten Tatsache unseres Kongresses sich vorüber zu schleichen, diese Blätter, welche die gleichgültigsten Aeusserdngen irgend eines exotischen Winkeldiplomaten, mit Inbrunst verzeichnen, haben die Kühnheit, ihren Lesern beispielsweise von den Verhandlungen über Ostafrika kein Sterbenswort zu verraten. Es handelt sich da um eine ganz bestimmte Sorte von Blättern. Vorhin sprachen wir von den Blättern, welche sich jüdisch nennen, aber sich nichts weniger als jüdisch gebärden; jetzt handelt es sich um dieBlätter, welche leider Gottes nicht nur von den Antisemiten, sondern fast von dem ganzen nichtjüdischen Publikum Judenblätter genannt werden, die selbst gegen diese Bezeichnung zwar ängstlich protestieren, aber gerade durch die Angst, für jüdisch gehalten zu werden, die jüdische Abstammung ihrer Leiter verraten. Es kann gar nicht laut und deutlich genug erklärt wrerden, dass wir, die wir auf unser Judentum stolz sind und die Interessen der jüdisofcen Gesamtheit vertreten, energisch jede Verantwortlichkeit für diesv? Organe aus dem Judentum geflohener Leute ablehnen, dass wir diese Leute nie und nimmer als berechtigte Bepräsentanten unseres Volkes betrachten können. Vielleicht ist es begreiflich, wenn die Besitzer und Leiter dieser Blätter angesichts der stolzen und freien Sprache, die hier geführt wird, verstummen. Das traurigste aber ist es, wenn auch solche Blätter, welche vorgeben, den Interessen des Judentums zu dienen, dieselbe Totschweigetaktik, dieselbe Vogel Strausspolitik treiben. Ist es nicht absurd, wenn in solchen Blättern etwa der Bericht über den Kongress höchstens eingekapselt zwischen der Nachricht von der Verleihung des allgemeinen Ehrenzeichens an einen pensionierten Gemeindediener' und von der Silberhochzeit des Bälge treters irgend einer Orgelsynagoge erscheint. Da sollte unsere Propaganda einsetzen; es gibt nur ein Mittel, um auf diese Presse einzuwirken, es muss dem Publikum selbst klar-

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