Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 32 (11.8.1905)
- Date
- 1905-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bi^ der Etablierung einer jüdischen Siedlung mit autonomen Keehten den tiefgefühlten Dank auszusprechen. Nachdem eine Kommission zur Erforschung des Territoriums ausgesendet wurde und Bericht erstattet hat, besehiiesst der Kongress, dass sich die zionistische Organisation mit dem Vorschlage nicht weiter befassen kann. Der Kongress nimmt mit grosser Genugtuung die Anerkennung zur Kenntnis, welche die britische Eegierung in ihrem Streben, eine Lösung der jüdischen Frage herbeizuführen, der zionistischen Bewegung zuteil werden licss, und spricht die Hoffnung aus, dass ihr die guten Dienste der britischen Eegierung auch dort zuteil werden, wo zugleich eine Ucberein Stimmung mit dem Baseler Programm erzielt werden könnte. TU. Der VII. Zionistenkongress bringt in Erinnerung und betont, dass laut § 1 des zionistischen Organisationsstatutes die zionistische Organisation diejenigen Juden uinfasst, weiche sich mit dem Baseler Programm einverstanden erklären. Die Annahme dieses Antrages, die gegen den Willen eine]' .Minorität erfolgte, an deren Spitze namentlich Z a n gw i 1 1 mit grosser Hartnäckigkeit und Heftigkeit kämpfte, schlichst also den sogenannten Territorialisnrus programmmässig aus. Die Minorität beschloss daher, eine eigene jüdische Organisation zu gründen, die parallel mit der zionistischen Bewegung arbeiten will, der auch die meisten Freunde des Ostafrikaprojektes treu bleiben wollen. Eine Folge des früher mitgeteilten Beschlusses der Kongressmohrheit und im engsten Zusammenhange mit diesem Besch hisse ist ein zweiter Kongressbeschluss, der von Ingen. Ir s s i s c h k i n eingebracht und von Dr. Alex. M a r m o - i' e k modifiziert wurde. Der Antrag lautete: Der VII. Zionistenkongress beschliesst: I. Dass parallel der politisch-diplomatischen Tätigkeit als reale Unterlage und zur Stärkung derselben, entsprechend dem Punkt 1 des Baseler Programme«, die systematische Ausgestaltung unserer Positionen in Palästina erfolgen müsse, und zwar durch folgende Mittel: 1. Allseitige Erforschnngsarbeit; 2. Förderung von Agrikultur, Industrie usw. in möglichst demokratischem Geiste; -'). Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judonheit durch Arbeit im Lande und durch Heranziehung neuer intellektueller Kräfte; 1. Frstrebung der für die Hebung Palästinas notwendigen Beformen in bezug auf Verwaltung, i L Der VII. Zionistenkongress lehnt jede planlose, unsystematische und philanthropische Besiedlungstätigkeit im Sinne der Kleinkolonisation ab. Durch diese Beschlüsse ist die zionistische Arbeit scharf umgrenzt worden. Sie sollen die Möglichkeit der rulvg'?nh zielbewussten Arbeit in Palästina und; «einen Xcbenländern sichern helfen. Diese Arbeit aber kann nur von einer Organisation geleistet werden, deren Stabilität und Kontinuität auch durch die schwersten Unglücksfälle nicht in Frage gestellt werden darf. Eine solche Organisation zu schaffen, war die zweite grosse Aufgabe1 des siebenten Kongresses. Sie wurde allerdings nicht vollständig gelöst,' aber wenigstens in ihren Umrissen klargelegt und in i Ii rem momentan wichtigen, praktischen Teil auch erledigt. Frei Ii eh musste dem neu gewählten. A.-C. der Auftrag erteilt werden, dem nächsten Kongress einen detaillierteren, endgültigen Entwurf vorzulegen. Durch diese Art des Vorgehens gelang es, eine Jveitung zu schaffen und den Gang der Geschäfte zu sichern. Die neue Leitung, an deren Spitze unser bekannter und der zionistischen Bewegung seit ihrem Beginne treu Weit" Nr'32 ) ergebener Gesinnungsgenosse D. Wolf £ söhn berufen wurde, lässt in jeder Eichtling das Beste erwarten. Als intimer Freund Herzls ist der neue Präsident in alle Pläne des verewigten Führers eingeweiht und durch genaue Kenntnis unserer zionistischen Institutionen auch zu einer gutem Verwaltung befähigt, so dass die Uehertragung der Leitung von Wien nach einer anderen Stadt nicht in dem Masse fühlbar werden dürfte, die man sonst besorgen musste. Dass sich die neue Leitung ihrer grossen Verantwortung wohl bewusst ist, erhellt aus den ernsten, würdigen Abschiedsworten, mit denen der Kongress geschlossen wurde. Die Anordnungen der neuen Leitung gehen vorläufig dahin, dass bis zur endgültigen Bestimmung der Stadt, in welcher sie ihren ständigen Wohnsitz und ihr Bureau haben wird, die rein administrativen Agenden wie bisher von den vier Wiener A.-C.-Mitgliedern geführt werden, denen der Kongress durch die einstimmige, stürmisch akklamierte Wahl in das grosse A.-C. seinen Dank und sein Vertrauen votiert hat. Alle Gelder, mit Ausnahme der Nationalfondsspenden, sind direkt an die Jüdische Kolonialbank in London abzuführen. Alle anderen Angelegenheiten, soweit sie nicht bestimmten Instituten oder Kommissionen zugeteilt sind, führt bereits jetzt die neue Leitung resp. Herr D. W o 1 f f s o h n in Köln, Karolingerring. Es sollte durch diese Ausführungen keineswegs ein Bild des siebenten Kongresses und eine Besprechung aller seiner Arbeiten gegeben werden. Das soll später geschehen und wird des grössten Interesses nicht entbehren. Kur auf die zwei wichtigsten Entscheidungen, die getroffen wurden, soll hier unmittelbar nach dem Kongresse hingewiesen werden. Sie sind es, die eine neue Periode im Zionismus einleite]i. Koch können wir nicht wissen, wie hoch ein späterer Geschichtsschreiber diese beiden Beschlüsse einschätzen wird, aber das darf man wohl schon heute sagen, dass der siebente Kongress ein denkwürdiger für unsere Bewegung und vielleicht auch für das ganze Judentum bleiben wird. Mit ruhiger Zuversicht geht der Zionismus seines Weges weiter. Möge ihm neue Kraft und frisches Wachstum beschieden sein! Dazu wollen wir alle beitragen. An die Arbeit, Brüder! An die Arbeit! Dr. Werne r. Nachträge zum Kongress. Propaganda und Agitation*). (Kongressreferat von Dr. G r on e m a n n - Hannover.) (Schluss.) Das wichtigste aber und unentbehrlichste Hilfsmittel der Agitation ist die Literatur und die Presse. Ich glaube, wir können uns jedenfalls darüber nicht beklagen, dass quantitativ ein Mai]gel an Büchern herrscht, welche unsere Sache angehen. Im Ggenteil gibt es erstaunlich viele und so absonderlich gestaltete Erscheinungen,' dass man nicht begreift, woher die Leser kommen sollen. Es ist wohl des Guten etwas zu viel getan — und teilweise auch des Schlechten. Nun, jedenfalls kommt dieser Eifer in Publikationen der Propaganda zugute. Mit der Herausgabe offizieller Schriften über die Bewegung ist es ein missliehes Ding. Das kann wohl am besten den Landesorganisationen überlassen bleiben. Das wertvollste Material für denjenigen, der die Bewegung unserer Vereinigung studieren will, ist die Sammlung unserer Kongressprotokolle, die durch Schachteis fleissig zusammengestelltes Register erst recht brauchbar geworden k•'-•'"^ *) Siehe „Die Welt", Separatausgabe Nr. 6, 3. August 1905. j