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Die Welt · 1905-08-11 · 32 (11.8.1905) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
32 (11.8.1905)
Date
1905-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ein Akt der innigsten Pietät und tiefsten Dankbarkeit, die Trauerfeier für den unvergesslichen toten Führer, sollte den würdigen Anfang bilden. Herzls Bild vor Augen, angesichts der Tribüne, „deren Aufrichtung eines seiner unsterblichen Verdienste ist", sollten die Delegierten des zionistischen Judentums beschliessen, ob bereits die Zeit der Landnahme für unser Volk gekommen sei und wer an Herzls Stelle der Bannerträger, das'weithin sichtbare Haupt unserer Bewegung werden solle. Man hat nicht nur in den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen diesem siebenten Kongresse mit fieberhafter Erwartung entgegengesehen. Die Läget der Juden in aller Welt ist ernst genug, dass selbst Leute, die dem Zionismus grundsätzlich femestehen, mit höchstem Interesse den Ergebnissen dieses Kongresses entgegensahen, der vielleicht eine neue Aera in der Geschichte der Juden einzuleiten bestimmt war. Seit dem sechsten Kongresse, seit das Anerbieten Englands, den Juden ein Territorium unter autonomer Verwaltung zu überlassen, den Zionisten und der ganzen Welt zur Kenntnis gebracht worden war, hat es in unserer Bewegung an heftigen Meinungskämpfen nicht gefehlt. Noch waren die Streitigkeiten nicht zum Austrage gebracht, noch der durch die staatsmännische Klugheit Herzls hergestellte Frieden, der beiden Streitteilen gemeinsame Arbeit ermöglichen sollte, nicht zur festen Tatsache geworden, da traf den Zionismus und mit ihm das Judentum der furchtbare Schicksalsschlag, der alles bisher von den Zionisten Erreichte und Begonnene zu erschüttern, zu vernichten drohte, der Tod Theodor Herzls. Zu der wichtigen prinzipiellen Frage, ob die Zionisten noch vor Erreichung ihres Endzieles, der öffentlichrechtlich gesicherten Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina, ein anderes Territorium besiedeln sollten, das in keinem geschichtlichen oder traditionellen Zusammenhange mit Palästina stand, trat durch diesen ungeahnten Unglücksfall die Notwendigkeit einer Aenderung der zionistischen Organisation hinzu, die bisher mit der Person Herzls aufs innigste verknüpft war. Das waren schwere, wie viele meinten, allzu schwere Aufgaben, und die Meinung unserer Gegner und Feinde ging dahin, dass der siebente Kongress an ihrer Lösung scheitern, der Zionismus ihnen ohnmächtig gegenüberstehen werde. Diese Meinung oder dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt. Der Kongress hat, freilich unter schweren Kämpfen, beide Aufgaben gelöst. Das Angebot Englands wurde unter herzlichem Danke für die gute Absieht mit grosser Mehrheit abgelehnt, die neue Leitung gewählt und die Aendcrung der Organisation in ihren Grundzügen festgelegt. Das Ostafrikaprojekt war zwei Jahre lang öffentlich diskutiert, nach allen Pichtungen erörtert worden. Der Bericht der Erforschungsexpedition war allen Delegierten bekannt. Er lautete nicht günstig. Wenn aber auch fast alle darüber einig waren, dass die Zionisten das angebotene Land nicht annehmen könnten, vso war damit noch nicht die prinzipielle Frage erledigt, ob man überhaupt kein Territorium ausserhalb Palästinas besiedeln dürfe. Darum wurde im Kongresse mit der grössten Heftigkeit gekämpft, die Frage musste in unzweideutiger Weise entschieden werden. Die Entscheidung lautete: Ablehnung des Angebotes und Ablehnung jedes eventuellen anderen Angebotes, das nicht eine Siedlung in Palästina oder seinen Nebenländern betreffen sollte. Der Antrag des Aktionskomitees, der mit ausserordentlich grosser Mehrheit angenommen wurde« hatte folgenden Wortlaut : I, Der VII. Zionistenkongress erklärt: Die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programms, das „die Schaffung einer öffentliclirechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck wie als Mittel 1— jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. II. Der Kongress besohliesst: Der Regierung Seiner britischen Majestät für das Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke

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