Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- Separat-Ausgabe Nr. 6 (3.8.1905)
- Date
- 1905-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No. 6 Separat-Ausgabe „Die & Welt« Seite 3 Der Antrag des Delegierten Schachtel, den zweiten Dividendencoupon der Bankaktien der Palästiaa- Kommission zur Yerfügung zu stellen, wird von Dr. Heymann ernstlich bekämpft und vom Präsidenten nicht zur Abstimmung gebracht. Dr. Mühsam beantragt, dass ausser den 4 Generalrednern, die zur Organisation sprechen, auch noch ein Redner zur Propoganda aufgestellt werde. Herr Moritz Leyy (Basel) bittet um Auskunft über die Legalisierung des Nationaifonds. Der Nationalfondskommissär, Herr Kremenezki, verspricht die Beantwortung für die nächste Sitzung. Hierauf erteilt der Präsident Herrn Wolffsöhn das Wort zur Mitteilung über die Ergebnisse der ausserordentlichen Generalversammlung der Bank. Wolffsohn: Es wird gewünscht, dass ich hier mitteile, wie die Abstimmung der zweiten Generalversammlung auf Abänderung der Statuten ausgefallen ist. Es wurden betreffs der ersten Resolution 5922 Stimmen für die Abänderung und 568 dagegen abgegeben. Für die zweite Resolution wurden 5905 Stimmen für und 578 Stimmen dagegen abgegeben. Die Abänderung der Statuten ist somit angenommen. (Bravo!) Dann erhalten die 4 Generalredner, Boruchow, Dr. Braude, Herr Simon und Herr Matussow das Wort zur Kritik des Berichtes der Organisationskommission. Sämtliche Redner stellen Abänderungsanträge. Dr. Ehrenpreis, der Referent Jer Organisationskommission, verteidigt deren Entwurf. Hierauf interpelliert Dr. Magnus das Präsidium wegen eines Plugblattes, das von Herrn Dr. Gronemann und 4 andern Herrn gezeichnet ist. Dr. Gronemann gibt die Erklärung ab, dass gegen sein Wissen das Flugblatt im Kongresse verteilt worden sei. Ueber das meritorische, ob jemand, der ein anderes Territoriuni ausserhalb Palästinas und seiner Nebenländer in Aussicht nehme, der zionistischen Organisation angehören könne, erklärt der Vorsitzende Dr. Marmor ek, dass wohl den einzelnen Zionisten die theoretische Arbeit für eine solche Aenderung der vom diesjährigen Kongresse gefassten Resolution gestattet werden könne, dass aber selbstverständlich die Leitung und alle Organisationen unbedingt bis zu einer event. von einem spätem Kongresse vorgenommenen Abänderung strikte an der Resolution festhalten müssen. Wach einigen geschäftlichen Mitteilungen wird hierauf die Sitzung um halb 12 Uhr nachts geschlossen. Die letzte Kongress-Sitzung. Mittwoch, Beginn 's/±12 Vormittag. Die für 10 Uhr vormittags angesetzte Sitzung konnte erst um 3/4l Uhr eröffnet werden, weil der Perinanenzausschuss mit seinen Vorschlägen nicht früher fertig geworden war. Den Vorsitz führt Dr. Alex. Marmorek. Zuerst hält Dr. Adler das Wort, der namens der Misrachi-Gruppe die Erklärung abgibt, dass sie auch fernerhin fest und treu für den Zionismus einstehen wolle. Hierauf erhält das Wort zur Verlesung der Anträge des Permanenzausschusses Herr Dr. Hantke. Seine Vorschläge werden vom Kongresse mit grosser Majorität angenommen. Der Kongress wählte folgendes engere A. C.: D. Wolffsohn, Prof. Warburg, Jacobus Kann, Dr. Kohan Bernstein, Ingenieur M. Ussischkin, Leopold J. Greenberg und Dr. Alex. Marmorek. Ueber den Sitz des A. C, als welcher Berlin oder Köln in Frage kommt, wird das grosse A. C. entscheiden. In das grosse A.-C. wurde gewählt: Zunächst die frühem Mitglieder des engern A.-C. Dr. L. Kahn, Dr. O. Kokesch, Ingenieur J. Kremenezki und Architekt Oskar Marmorek. Mit immer sich erneuerndem Beifall nimmt der Kongress die Wahl der vier Herren vor. Ferner für Oesterreich: M. T. Schnirer, Dr. Weleminsky, Dr. Goldwasser, Dr. Korkis und A. Stand. Für Ungarn: Samu Bettelheim. Für Deutschland: Dr. Bodenheimer, Berthold Feiwel, Dr. Friedemann, Dr. A. Hantke. Italien: Dr. Feiice Bavenna. Schweiz: Dr. Edmund Wormser. Belgien: Heinrich Grünau. Serbien: Dr. Alkalay. Bulgarien : Dr. Bimalowsky. Rumänien: S. Pineles, Dr. Moskowitz und Heinrich Rosenbaum. Vereinigte Staaten: Dr. Harry Friedenwald, Lewin Epstein, Zolotkoff, Cyrus Sulzberger, Dr. Magnus. Kanada: Olarence de Sola. Südafrika: Goldreich, Kessler. Russland : Dr. Tschlenow, Ingenieur Temkin, Scheinkin, Dr. Lewin, Dr. Sapir, Rechtsanwalt Rosenbaum, Dr. Jakobsohn, Slatopolski, Michael Rabinowitsch, Dr. Leo Kohan, Bezallel Jaffe: Dr. Idelsohn, Ingen. Bruck, Rabbiner Rabinowitsch, Isaak Goldberg und N. Sokolow. Australien: Herr Vecht. Die Skandinavischen Länder: Dr. Frankel. England: Sir Francis Montefiore, Joseph Cowen, Dr. Dreyfuss, Mr. Moser und Dr. Weitzmann. Argentinien: N. Crenowitsch. Hierauf wurden noch gewählt: 10 Mitglieder des Legitimationsausschusses, 3 des Kongressgerichtes, ferner zum Kongressanwalt: Dr. Max Bodenheimer, zu Revisoren: Herr Bodlischewski, Herr Feldstein, Herr Gewitsch und Dr. Klee. In die Palästina-Kommission wurden gewählt: Prof. Warburg, Dr. Soskin und Prof. Franz Oppenheimer. In die Propaganda-Kommission 25 Mitglieder. Nach den Wahlen wurden die Anträge des Organisationsausschusses angenommen. Hierauf übergibt Herr Frommensohn die Flagge, die auf der Weltausstellung in St. Louis flatterte ins Eigentum des Kongresses. Dr. Adler dankt namens des Kongresses dem Präsidium für seine energische und doch stets gerechte Leitung der Geschäfte. Hierauf übernimmt Herr D. Wolffsohn den Vorsitz und hält folgende Schlussrede : „Wir sind mit der Arbeit zu Ende. Mir iällt die ehrenvolle Aufgabe zu, diesen Kongress zu schliessen, nachdem es leider unserem hochverehrten Präsidenten, Dr. Nordau, der ihn eröffnet hat, rein unmöglich war. bis zum Schlüsse hier zu bleiben. Hoher Kongress! Ich danke Ihnen für die soeben vollzogene Wahl, obwohl ich mir bewusst bin, dass uns eine schwere, verantwortungsvolle Last auferlegt wurde, doppelt schwer, wenn wir zu dem hinaufschauen, der diese Tribüne unseres Volkes geschaffen und unsere Bewegung geleitet hat. Keiner von uns kann es wagen, sich mit dieser Grösse zu messen. Wir haben nur den guten, festen AVillen, unserer Sache und unserem Volke zu dienen. Ich habe nunmehr die Pflicht, die angenehme Pflicht, allen zu danken, die uns bei diesem Kongresse mitgeholfen und unterstützt haben. Vor allem der Stadt Basel für ihre bewährte Gastfreundschaft, dann der Synagogengemeinde, ihrem Vorstand und ihren Beamten, den Komitees und allen, die zu der würdigen Trauerfeier unseres unvergesslichen Führers, Dr. Herzl, beigetragen haben. Sie alle haben bewiesen, dass sie ein warmes Herz für unsere heilige Sache haben. Aber auch denen, die nicht von unserem Volke sind, die hieher gekommen sind, um uns ihre Sympathien zu beweisen, auch denen danke ich für ihr warmes freundliches Interesse. Unser Volk ist dankbar und wird nie die Guten und Edlen vergessen, die uns in unserer Not helfend zur Seite gestanden.