Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 31 (2.8.1905)
- Date
- 1905-08-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 81 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 13 geben erscheinen, dass es nicht doch irgendwie durch Vertrauensmissbrauch, durch Unglücksfälle des betreffenden Namensgebers verloren gehen könnte? Mir ist von einem meiner Klienten, einem sicheren Mordechai Mendilsohn aus Beyruth, der Fall bekannt, dass er mit noch zwei anderen ein grösseres Gut, ich glaube, auch Sedschera, gekauft hatte, welches auf. den Namen des einen der drei Kompagnons in's Grundbuch eingetragen wurde, oder befanden sich die Rechtstitel der grundbücherlich noch nicht übertragenen Gutsteile in den Händen des eines Gesellschafters. Dieser ging hin, verschuldete es und verkaufte es schliesslich an die „Ica", die nur ihn allein als den Berechtigten ansah. Nachdem er inzwischen gestorben war, haben die beiden andern Kompagnons ihr Vermögen in der Höhe von mehreren 100.000 Frcs. vollständig eingebüsst . . . Wie würden sich dann die Verhältnisse gestalten, wenn sich ein solcher Unfall bei einem für den Jüdischen Nationalfonds gekauften Grundstücke ereignen würde? Glauben die Herren Kuratoren, dass sie dies gegenüber ihren Auftraggebern verantworten könnten? Würde man sie da nicht geradezu einer verbrecherischen Fahrlässigkeit in Verwaltung des zu treuen Händen anvertrauten Volks Vermögens . mit vollem Rechte zeihen können? Freilich wird dem gegenübergehalten werden, dass ja der Kongress die Ermächtigung und quasi den Auftrag gegeben habe, schon jetzt mit dem Ankaufe zu beginnen. Allein ich wage kühn die Behauptung, dass ebenso wie ich gewiss auch kein anderer unter den Kongressteilnehmern war, der über die Rechtsverhältnisse und die Unsicherheiten genau unterrichtet gewesen wäre, unter welchen ein solcher Ankauf jetzt geschehen kann. Es geschieht auch den weisesten Leuten, dass sie in bezug auf bestimmte Wissensgebiete gleich neugeborenen Kindern sind. Und das waren wir alle, ohne dass man die traurigen Erfahrungen anderer kannte und aus denselben etwas gelernt hätte. Jetzt aber, nachdem sich einzelne Stimmen warnend dagegen erhoben haben, nachdem verschiedene Vorfälle bekannt wurden, die gegen die Ausübung und Betätigung der vom Kongresse erteilten Vollmacht sprechen und man auf die Gefahren mit den Fingern hinzuzeigen vermag, befinden wir uns in der Lage des Advokaten, der nach Erhalt einer Vollmacht zu irgend einer Handlung die Ueberzeugung gewinnt, dass er bei Vollführung derselben seinem schlecht beratenen Klienten anstatt einer Interessenförderung eine gewaltige Schädigung zufügen würde und für den in einem solchen Falle die Notwendigkeit eintritt, dem Mandanten zu berichten und neuerlich zu befragen. Wir müssen von dem schlecht informierten Kongress an den besser informierten Kongress appellieren! Solange wir selbst im Dunkeln tasteten, haben wir wenigsten den Entschuldigungsgrund gehabt, dass wir in gutem Glauben handelten, und wenn uns etwas Widriges passierte, hätten wir wohl nur sagen müssen: Aschamnu! Wenn wir aber in Kenntnis der Dinge und Verhältnisse noch immer fortfahren würden, diesen gefahrvollen Weg weiter zu wandeln, dann wehe uns! Denn wir müssten ehrlicherweise eingestehen, ein bitteres: B a g a d n u! Nun werde ich meine kleine Resolution vorlesen, die ich Sie bitte anzunehmen, wenn Sie Ihren Nationalfonds heilig halten und seine Erwerbungen unanfechtbar machen wollen. Ich bitte Sie zur Aufhebung des letzten Beschlusses folgendes zu beschliessen: „Der VII. Zionistenkongress beschliesst auf Rechnung des Nationalfonds so lange keine Landankäufe zu machen, als sie nicht auf sicherer rechtlicher Grundlage stattfinden können." (Beifall.) Und nun komme ich Ihnen noch mit einer Drohung: Ich werde keine Bombe schleudern, aber wenn Sie meinen Beschlussantrag nicht annehmen, werde ich ein kleines Büchelchen schreiben, dafür sorgen, dass es in die Hand aller kommen soll und ich werde Sie dann überzeugen und dann meine Herren, werden Sie den Beschluss fassen. Dagegen werden Sie sich für den inzwischen entstandenen Schaden selbst verantwortlich machen müssen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Alexander Marmorek: Herr Ussischkin und ich haben den Text seiner Resolution in beiden Punkten, auf die ich Ihre Aufmerksamkeit gerichtet habe, geändert. Diese beiden Punkte sollen nach der von uns gemeinsam gemachten Fassung folgendermassen lauten: Punkt 3: „Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der Palästinischen Judenheit durch Heranziehung von neuen intellektuellen Kräften". Der Schluss dieses Passus soll lauten: „Der VIL Zionisten-Kongress lehnt jede planlose, unsystematische und philanthropische Klein-Kolonisation, die nicht in den Rahmen des Punktes 1 des Baseler Programmes fallen würde, ab<fc. Ich bitte Sie, diese beiden Aenderungen anzunehmen. Abstimmung. Der Antrag Ussisclikin-Marmorek wird mit grosser Mehrheit angenommen. (Beifall). Dr. S o s k i n : Meine Damen und Herren: Als einer der Berichterstatter der Kommission ergreife ich jetzt das Wort, um auf mehrere Einwände und Vorwürfe, die unserer Kommission gemacht worden sind, zu erwidern. Herr Scheinkin macht uns den Vorwurf, dass Alt-Neuland nur in deutscher und nicht in russischer Sprache erscheint. Wir haben uns in Verbindung gesetzt mit russischen Gesinnungsgenossen, doch bis jetzt konnte aus verschiedenen Gründen eine Uebersetzung ins Russische nicht erfolgen. Dass eine Bibliothek in Palästina notwendig ist, damit sind wir unbedingt einverstanden. Vorläufig war uns Berlin für die Bibliothek ausserordentlich von Nutzen. Die Köthener Kurse sind selbstverständlich nicht ein absoluter Erfolg. Ich glaube, dass zum zweitenmal die Sache besser wird, und dass man mit dem ersten Versuche auch zufrieden sein muss. Die „Palästina-Handelsgesellschaft" ist erst vor kurzem gegründet worden und wird selbstverständlich in Palästina arbeiten, sobald sich Terrain gefunden hat. Es wurde die Frage gestellt, ob Terrain für die Kischinewer Waisen erhoben wurde. Wie es scheint, ist Ihnen die Tatsache noch nicht bekannt, dass wir ein Terrain gekauft haben. Dass wir für den Nationalfonds kein Land kaufen erklärt sich daraus, dass wir bis jetzt die rechtliche Form nicht gefunden haben. Herr Pasmanik antworte fch: „Selbstverständlich können , wir in Palästina nicht Arbeiten machen, wenn wir nicht unsere Vertrauensmänner dort haben. Herr Pasmanik hat uns mitgeteilt, das verschiedene Personen aus Palästina mit uns nicht zufrieden sind. Wir können nur wünschen, dass man in Zukunft ein bischen mehr Heisshunger für Palästina hat. Bis jetzt haben wir nichts gemacht, und in den letzten 2 Jahren haben wir so viel gemacht als wir leisten konnten. In Basel finden Palästinakurse statt. Ich bitte diejenigen, die dafür Interesse haben, hier diesen Kursen beizuwohnen.