Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-08-02 · 31 (2.8.1905) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
31 (2.8.1905)
Date
1905-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316164--47192-3342064
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 31 Separat-Ausgabe „Die s£ Welt« Seite 5 reden; es soll energisch gearbeitet werden. Er macht einige Ausstellungen an Einzelheiten des Berichtes, wie „Alt Neuland", Bibliothek, Literatur und Baumwollhandel. Dr. Pasmanik. Früher hat man uns gesagt, dass man ohne Charter in Palästina nichts tun könne. Jetzt sagt uns die Palästina-Kommission gerade das Gegenteil. Was für eine Arbeit werden wir leisten müssen? Das Geld des Nationalfonds können wir privaten Gesellschaften leihweise geben. Wir haben sodann die verschiedenen Institutionen in Palästina so schnell als möglich einzurichten und der Privatinitiative alle Mittel für agrarische und industrielle Unternehmungen in die Hand zu geben. Wir sollten dazu eine Palästinakommission oder einzelne Vertrauenspersonen haben, die in Palästina selbst wohnen. Nach einem Exkurs über den Landkauf für eine landwirtschaftliche üntersuchungsstation und die Expertise der Herren Soskin und Aberson, kommt der Redner darauf zu sprechen, was für Konzessionea man erringen sollte, wobei er befürwortet, die diplomatische Arbeit in Konstantinopel zu konzentrieren, Die erste Konzession wird sein, dass der Nationalfonds ein Irade bekommt, damit er das Recht hat, Land auf eigenen Namen in Palästina zu erwerben. Die zweite Konzession sollte die Steuerautonomie sein. Die Juden sollen ihre Zentralsteuer selbst als Pauschalzahlung in Pacht nehmen. (Beifall). Frau S wenigorozkaya: (spricht russisch) Beschränkt sich der Kürze der Zeit wegen darauf, an die Kommission einige Fragen zu stellen. Sie hat in dem Bericht der Kommission gelesen, man könne den industriellen Markt Palästina's erweitern, indem man die Nebenländer einbezieht. Aber auf Grund zweijährigen Aufenthaltes in Aegypten und Palästina kann sie versichern, dass die Verhältnisse von den damit betrauten Personen durchaus ungenügend erforscht worden sind. Sie fragt ferner, warum man die 600 Dunamen vorzüglichen Landes in der Gegend von Tiberias, die man habe kaufen wollen, sich noch nicht vertraglich gesichert habe, während man sich bereits mit Landkäufen in schwer zugänglichen Gebirgsgegenden beschäftige. Dr. Jakobson. Man hat uns vorgeworfen, dass wir keine politischen Zionisten seien. In unserer Freiburger-Resolution wird als erste Seite unserer Tätigkeit die politische Arbeit genannt. Die politische Arbeit soll sich nicht darauf beschränken, mit verschiedenen Regierungen zu verhandeln, sie soll sich darauf richten, die Meinung der aufgeklärten zivilisierten Welt zu gewinnen. Daneben muss die Arbeit in Palästina gehen. Wir müssen, wie Zangwill gesagt hat, Bedingungen schaffen für die Weiterentwicklung: das Land. Dieses müssen wir industriell und ökonomisch erobern. (Beifall.) Jabotinski: spricht russisch gegen die Beschränkung der Redezeit und beantragt angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes 6 Generalredner zu wählen, die je eine Stunde sprechen sollen. G r ü n h u t (Jerusalem) möchte die Machtsphäre der Palästina-Kommission erweitert wissen. Vor zwei Jahren hat ein Kongress in Palästina getagt. Dieser Kongress hat, ich möchte fast sagen, blutige Spuren hinterlassen. Dieser Kongress ist einzig und allein deshalb zustande gekommen, weil uns heilig versichert wurde, dass er im Namen unseres seligen Führers eröffnet würde. Vorgänge, die so tief in unsere Bewegung einschneiden, dürfen nicht ohne Kontrolle gelassen werden. Ich möchte daher, dass unsere Kommission für alles, was in Palästina geschieht verantwortlich gemacht werden könnte. Der Redner protestiert sodann gegen den Import von S c h k u 1 i m aus Russland in Palästina durch S c h e i n k i n , und fährt fort: Glauben Sie, dass in Palästina keine öffentliche Meinung existiert? Wir sind heute dort 300 Schekelzahler, die sich Vergewaltigungen nicht gefallen lassen. Der deutsche Palästina - Verein unternimmt verschiedene Ausgrabungen im heiligen Land. Ich würde empfehlen, dass auch unsrerseits wenigstens ein Fachmann entsendet würde zur Prüfung und Berichterstattung. Zum Schlüsse erwähne ich, dass wir Palästinenser Hand in Hand gehen mit dem politischen Zionismus. (Beifall.) Dr. Alex. M a r m o r e k : Ich bin gewöhnt alle Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Wie ich die Resolution Ussischikin gehört und gelesen habe, sind mir zwei Punkte aufgefallen, die ich verändert haben möchte und muss. Wir haben alle auf das Basler Programm geschworen. Die Verhandlungen haben bewiesen, dass wir nicht dulden wollen, dass das geringste davon nach irgend einer Seite geändert werde. Nun finden sich in Punkt 3 des Antrages Ussischkins folgende AVorte: „Kulturelle und ökonomische Hebung und Organisation der palästinensischen Judenheit „durch Heranziehung neuer Kräfte". Ich bin überzeugt, dass der Antragsteller damit nicht in die alte Chowewe-Zion-Politik verfallen wollte. Er hat uns privatim erklärt, dass er von jener alten Krankheit geheilt ist. Darum wird er mit uns der Ansicht sein, dass dieser Punkt präzisiert werden muss, damit nicht der geringste Zweifel besteht. Der Ausdruck „durch Heranziehung neuer Kräfte" kann missdeutet werden. Ich habe zuerst gemeint, er bedeute: „durch Heranziehung neuer Kolonisten." Das wollen wir nicht, da wir darauf geschworen haben, dass unter keiner Bedingung die öffentlich rechtliche Heimstätte irgendwie geändert werde und dass von der politischen Seite absolut nichts weggenommen werde. (Beifall.) Hr. Ussischkin wird mir gewiss sofort Recht geben und sagen, mit diesem Wort habe er die Heranziehung neuer Lehrkräfte für Ackerbau schulen gemeint, nicht neue Kolonisten. Sonst würde Hr. Ussischkin in den gleichen Fehler verfallen, wie gestern die Linke. Ob die Umstürzler Territorialisten oder Ohowewe-Zionisten sind, ist für mich dasselbe. Wir bleiben beim Basler Programm. (Lebhafter Beifall.) Ich stelle den Antrag zu sagen: „Durch Heranziehung neuer Lehrkräfte und Lehrer an Ackerbauschulen.'4 (Beifall), Der zweite Punkt, der mir noch gefährlich erscheint, und in folgender Weise zur Aenderung vorgeschlagen wird, ist folgender. Schluss des Antrags Ussischkin: „Der VII. Zionistenkongress lehnt jede Kleinkolonisation, d.h. jede planlose, unsystematische und philanthropische Besiedelungstätigkeit ab . . . Ich habe mich mit einigen Freunden eben besprochen und wir sind zu der Ansicht gekommen, dass dies eine etwas vage Sache sei, und dass durch Einfügung von drei oder vier Wörtern das Unbestimmte dieses Vorschlages gehoben würde. Wisind der Ansicht, dass wir nichts Unbestimmtes hineinbringen sollen, damit wir uns und der Welt keine Taue schung bringen. AVenn wir nur ein kleines Zipfelchen vom Basler Programm abschneiden, dann wird schliesslich nichts mehr übrig bleiben. Wir wollen doch nicht die Sache zu einem kleinen Odessaprogramm umgestalten (Bravo!). (Redner wird vom Vorsitzenden unterbrochen, dass seine Zeit um sei). Ich habe heute zum ersten Mal an einem Kongresse überhaupt gesprochen. Ich möchte folgende Worte einfügen, dann wird Herr Ussischkin mit mir einverstanden sein: „Die sog. Kleinkolonisation im Sinne des Chowewe-Zionismus". Das müssen wir erreichen, sonst haben wir das Basler Programm zerstört (Grosser Beifall).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.