Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 31 (2.8.1905)
- Date
- 1905-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Die $ Welt1 Separat-Ausgabe No. 31 Vorsitzender Teinkin: Es liegen zwei Anträge vor. Sie lauten: 1) vier Generalredner zu wählen, 2 pro und 2 contra (angenommen). 2) Vier Generalredner zu wählen, 2 pro und 2 contra, aber die Rednerzeit auf eine 1/± Stunde zu beschränken (angenommen mit Redezeit Y2 Stunde). Dr. EL Loewe (zu einer Anfrage): Ich möchte den Präsidenten anfragen, er möchte uns den Beschluss des Kongresses auslegen, wonach beschlossen worden ist, zwei Redner dafür und zwei dagegen zu bestimmen, wofür und wogegen? Vorsitzender Temkin: „Für die Realarbeit und für die Ussisckkin'sche Resolution". Er liest nun die Liste der Redner ab und bittet diese, sich im Zimmer Nr. 2 zu versammeln. Zu einer Erklärung hat das "Wort Hr. Dr. Marmorek. Dr. Marmorek: Meine Herren! Herr Ussischkin und ich haben uns auf folgende Fassung der von mir beantragten Form geeinigt: 1. Punkt 3 wird lauten: Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit durch Heranziehung von neuen intellektuellen Kräften. 2. Der VII. Zionistenkongress lehnt jede planlose, unsystematische und philantropische Besiedlungstätigkeit im Sinne des Ch ow ewe-Zionismus ab. Vorsitzender Wolffsohn: Wir können jetzt zum Berichte des A.C. nicht übergehen, weil der Kongress beschlossen hat, zunächst über die Bank hier zu diskutieren. Herr Vecht hat das Wort. V e c h t (zuerst englisch, dann deutsch): Ich möchte die Kolonialbank bitten, dass sie eine Filiale in Südafrika errichten möge; denn es werden dort viele Geschäfte getrieben. Ich habe von den Leuten aus Afrika den Auftrag bekommen, der Kongress möge der Bank Instruktionen erteilen, dass sie eine Filiale in Johannesburg und Captown eröffne. Ich bin überzeugt, dass wenn die rechten Leute gefunden werden, dies von Vorteil für die Bank ist. Man soll von England einen tüchtigen Mann hinschicken, der kann sich auf dem Platze dann selbst überzeugen, die richtigen Leute finden und das Projekt verwirklichen. Belkowski: Das wichtigste was wir jetzt zu entscheiden haben, ist, was für eine Stellungnahme wir zu der morgigen Kolonialbank-Versammlung nehmen sollen. Die Tätigkeit unserer Kolonialbank, des finanziellen Instrumentes unserer politischen Bewegung darf sich nur auf Syrien und Palästina beziehen. Trotzdem wurde eine Klausel aufgenommen, dass diese Tätigkeit sich auch aui andere Länder erstrecken kann. Sie werden sich wohl erinnern, was für ein Sturm dadurch in unserer Bewegung hervorgerufen wurde. Diese Frage hat am 3. Kongress mehrere Sitzungen beschäftigt. Der Aufsichtsrat hat den Vorschlag des Kongresses akzeptiert, dass die Tätigkeit unserer Bank sich vorzugsweise auf Palästina und Syrien erstrecken solle. Diese Aenderung der Bankstatuten wurde bisher nicht durchgesetzt. Es ist begreiflich, dass durch die Ugandafrage die höchste Zeit gekommen ist. diese Aenderung durchzuführen und für die morgige General- Versammlung wird das geplant, was schon damals prinzipiell akzeptiert wurde. Nun aber wurde damals geplant, man solle einige Aenderungen der Statuten selbst vornehmen und darunter auch diese, dass man allen Inhabern der Aktien das Recht, in den Versammlungen zu erscheinen, einräumen solle. Ich war gerade derjenige, der für diesen Vorschlag eingetreten ist. Jetzt aber habe ich meine Meinung in dieser Hinsicht geändert. Ich möchte den Kongress bitten, obigem prinzipiell zuzustimmen. Dr. Kokesch: Herr Professor Belkowski hat Furcht, dass wir § 52 unserer Statuten ändern. Er glaubt, es sei eine grosse Gefahr vorhanden, wenn alle Besitzer von Aktien in der Generalversammlung zugelassen werden und zwar aus dein Grunde, weil er gesehen hat, dass sich Personen vereinen, die nicht zionistischer Gesinnung sind und doch Inhaber von Aktien sein können. Er hat aber auch eine Institution unserer Bank Verfassung vergessen, welche eine solche Gefahr ausschliesst. Er wird als Aufsichtsrat der Bank wissen, dass der Aufsichtsrat als Inhaber der Fondershares, Gründeraktien, genau halb so viel Stimmen hat als alle andern Mitglieder der Generalversammlung. Es ist also gar keine Gefahr vorhanden, selbst wenn fast lauter Gegner des Zionismus in die Generalversammlung kommen , weil der Aufsichtsrat sie immer paralisieren kann. Die Inhaber der Fonder-shares können nur Mitglieder des A. C. sein; sie sind verpflichtet, die Beschlüsse des Kongresses zu befolgen, und auf diese Weise hat immer der Kongress die Aufsicht über die Bank, und es ist sichergestellt, dass die Generalversammlung niemals etwas gegen die Beschlüsse des Kongresses beschliessen kann. Infolgedessen werde ich Sie bitten, dem Antrag Belkowski nicht zuzustimmen, sondern die vorgeschlagenen Statutenänderungen, wie sie vorgeschlagen sind, in der Generalversammlung der Bank anzunehmen. Das hat seinen bestimmten Grund. Die Gesetze in England sind sehr schwerfällig wenn man einen Punkt dieser vorgeschlagenen Statutenänderung annehmen sollte, so ist Gefahr vorhanden, dass man nochmals an die Behörden gehen muss, was mit vielen Kosten verbunden sein wird. Deswegen bitte ich, den Antrag Belkowski nicht anzunehmen. (Beifall). Goitein. Ich wollte bitten, man sollte zunächst auf dem Kongress jetzt die für die Generalversammlung geplante Resolution unterbreiten, da wir doch verschiedene Delegierte haben, die nicht im Besitze von Aktien sind, die aber doch ein Interesse haben an dem Fortgang der Bank. Wellkowski unterstützt den Vorredner. B a s e e spricht russisch für den Antrag. Der Antrag: Die Debatte über die Bankfrage zu schliessen, wird angenommen. Kremenezki verliest unter grossem Beifall den Bericht des jüdischen Nationalfonds: Bericht über den Jüdischen Nationalfonds erstattet am VII. Zionisten-Kongress in Basel von Ingenieur J. Kremenezki. Wir erlauben uns, im nachstehenden über das Resultat der Nationalfondssammlungen für die Periode vom VI. bis VII. Kongresse, das ist vom 1. August 1903 bis 1. Juli 1905, ausführlich Bericht zu erstatten, ferner einen Ueberblick über unsere bisherige Tätigkeit zu geben und die Massnahmen, die für die Zukunft zu treffen sind, dem hohen Kongresse zu unterbreiten. Wie aus den detaillierten Angaben zu ersehen ist, sind die Sammlungen in einigen Ländern gegen die ungenügenden Ergebnisse der ersten Periode leider noch zurückgegangen. Wir wollen auf die Ursachen dieses Rückganges sowie auf die Massnahmen, die zu treffen sind, um die Einnahmen zu vergrössern, später zurückkommen und lassen jetzt die Daten der bisherigen Ergebnisse folgen: