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Die Welt · 1905-08-02 · 31 (2.8.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
31 (2.8.1905)
Date
1905-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 31 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 3 habe, alle Kommissionen zu besuchen. Dadurch, dass Herr Dr. Kokesch als Mitglied dieser Kommission gewählt wird, könnte es scheinen, als ob die andern nicht das Recht hätten, dieser Kommission beizuwohnen. Vizepräsident Dr. Alex. Marmorek: Mein Bruder hat einen Irrtum begangen. Die Herren vom A. C. haben wohl das Recht, den Kommissionen beizuwohnen aber sie haben keine beschliessende Stimme. Infolgedessen würde Herr Dr. Kokesch wohl in der Kommission sitzen, aber nicht abstimmen können. Präsident W o 1 f f s o h n schlägt zur Geschäftsordnung vor, die Diskussion über Organisation und Propaganda und Agitation zu verbinden und vorläufig den Herren Warburg und Soskin das Wort zu ihren Referaten über Palästina zu geben. Delegierter Rosenthal protestiert gegen verschiedene Bräuche der Geschäftsordnung. Er vermisst auf der Tagesordnung die Banksitzung und beantragt, dass die Beratung über die Bank gleich jetzt vorgenommen werde, damit dann die Sitzung der Aktionäre einen rein formalen Charakter haben könne. (Beifall.) Der Antrag des Präsidenten wird mit überwältigender Mehrheit angenommen. Der Präsident erteilt Herrn Professor Warburg des "Wort. Prof. Wa rhu r g, von stürmischem Beifall begrüsst, erstattet den Bericht der zionistischen Palästinakommission, den wir ebenso wie den des Dr. Soskin bereits in Nr. 4 der Separatausgabe veröffentlicht haben. Nach Verlesung des mit grossem Beifalle aufgenommenen Referates fährt Professor Warburg fort : Vielleicht ist es mir erlaubt, im Anschluss hieran eine kleine Anregung vorzubringen, die mit dem Andenken unseres verstorbenen Führers eng zusammenhängt. Wir hatten nämlich die Idee, dass an einem hervorragenden, auch geschichtlich wichtigen Orte in Palästina unserem verstorbenen Führer ein Gedenkplatz gestiftet werden möchte. Wie Sie wissen, liegen die rechtlichen Verhältnisse momentan so, dass es schwer, ja beinahe unmöglich ist, Gelder aus dem Nationalfonds für den Ankauf von Land in Palästina zu erwirken. Für die Frage des Landkaufes in diesem Falle würde aber von anderer Seite leicht gesorgt werden können. Wir von der Palästina-Kommission glauben, dass es kein besseres Andenken an einen lebenden Menschen, an einen verstorbenen Menschen, überhaupt für den Menschen gibt, als lebende Wälder, ein lebender Oelbaumwald, der dauernd daran erinnert. Sie werden von der Oelbaumspende genug gehört haben und wissen, dass zu einem Oelbaumwald etwa 10,000 Oelhäume gehören, die eine Summe von ca. 60,000 M. erfordern. Nun dachten wir folgendermassen: Wenn die Delegierten der einzelnen Ortsgruppen, die hier anwesend sind, sich verpflichten, in ihrer Ortsgruppe in diesem Winter für diese Oelbaumspende zu sammeln und je nach der Grösse und Wohlhabenheit, seien es 50, seien es 100 Oelbäume, schaffen, so würde das genügen, mit 100—200 Ortsgruppen innerhalb eines Jahres diesen grossen Oelbaumwald, ein herrliches Zeugnis für unsern lieben verstorbenen Führer zu schaffen. Ich will eine Liste auflegen, auf welcher sich die einzelnen Delegierten für ihre Ortsgruppen für eine bestimmte Anzahl Bäume verpflichten. Die Eintragung der betr. Ortsgrup])en in das Buch, w^ürde natürlich erfolgen. So wären wir im stände, vor Schluss des Kongresses der Welt verkünden zu können, dass dieser Oelbaumwald an hervorragend geschichtlicher Stätte in Palästina zum Andenken an unsern grossen Führer gesichert ist. (Lebhafter Beifall). Den Herren Prof. Warburg und Dr. Soskin wird für die gründliche Palästina-Forschung der Dank des Kongresses ausgesprochen. Hierauf erhält das Wort Dr. Pasmanik: Wir haben bis jetzt nur negative Arbeit geleistet. Es handelt sich darum, die furchtbare Krise zu überwinden und positive Arbeit zu leisten. Ich stelle den Antrag, eine Palästina-Kommission aus der Mitte des Kongresses zu wählen, welche die verschiedenen Anregungen und Resolutionen aus der Mitte der Landsmannschaften und des Kongresses entgegenzunehmen, zu prüfen und Bericht zu erstatten hat. (Beifall.) Arch. Marmorek: Wir haben diese Kommission auf früheren Kongressen gehabt. Es hat sich aber* ergeben, dass sie zwecklos war. Ich bitte Sie den Antrag abzulehnen und eventuelle Anregungen unserer ständigen Palästina-Kommission zu übermachen, welche sie gewiss eingehend prüfen wird.. Die Häufung von Kommissionen kann dem Kongress nur schaden, da gewöhnlich einzelne Mitglieder in verschiedene Kommissionen gewählt werden und in der Folge einzelne Kommissionen öfters nicht zusammentreten können. Der Antrag Pasmanik wird hierauf abgelehnt. Del. S h i r e : Wir haben am ersten Kongresstag den Bericht des A. C gehört. Meiner Meinung nach sollten wir die Diskussion über den Bericht -zuerst fortsetzen und dann dem A. C. das Absolutorium erteilen, bevor wir die andern Traktanden behandeln. Rosenthal: Ich beantrage Fortsetzung der Debatte über die Palästina-Kommission und alsdann Abhaltung der Banksitzung, damit die Aktionäre nicht von den Territorialisten vergewaltigt werden (Beifall). Del. Aberson spricht russisch. Er meint, dass die jüdische Kolonialbank ein politisches Instrument der zionistischen Bewegung ist und nicht ein Privatunternehmen. Deshalb können wir dem A. C. das Absolutorium nicht erteilen, bevor der Aufsichtsrat einen Bericht gemacht hat, den wir diskutieren. Er schlägt vor, eine Nachtsitzung abzuhalten, um die Frage der Bank zu diskutieren. Präsident Kohan-Bernstein bemerkt, dass eine Nachtsitzung nicht abgehalten werden könne, und verliest nochmals die vorliegenden drei Anträge über die Reihenfolge der Tagesordnung. Del. Rosenthal beantragt, da man keine Nachtsitzung abhalten könne, morgen formell die Banksitzung zu eröffnen und sofort wieder zu schliessen, damit man im Kongress die Bankfrage richtig diskutieren könne. Der Antrag, zuerst über den Bericht der Palästina- Kommission sodann über die Bankfrage und schliesslich über den Rechenschaftsbericht zu debattieren, wird mit Mehrheit angenommen. Sodann wird der Antrag Rosenthal auf eine formelle Banksitzung mit grosser Mehrheit ebenfalls angenommen. Vizepräsident Wolffsohn übernimmt den Vorsitz und macht einige geschäftliche Mitteilungen Del. Taubes ersucht das Präsidium zu veranlassen, dass jedem Delegierten ein Exemplar der Referate zugestellt werde, speziell das Elaborat über die Organisation und über die Bank. Sonst sei man nicht in der Lage, ordnungsgemäss zu verhandeln (Beifall). Präsident Wo 1 f fs o h n antwortet und schliesst nach einigen Mitteilungen um I245 die Sitzung.

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