Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Separat Ausgabe No 4. „Die # Welt Seite 9 und ich werde dieselbe in zwei grossen Gruppen behandeln : die eine Gruppe kann mit der früher gemachten Begründung immerhin als wissenschaftliche bezeichnet werden, der andere Teil umschliesst Unternehmungen wirtschaftlicher Natur. I. Bei den wissenschaftlichen Arbeiten unterscheiden wir: a) eigene Forschung, b) Popularisierung der Wissenschaft über Palästina. a. Als eigene Forschungen sind wir in der Lage zu bezeichnen: 1) Die geologische Expedition nach Palästina, die im Januar 1904 ausgesendet wurde. Die Expedition bestand aus den Herren Dr. M. Blankenborn und Agronom A. Aronsohn und hielt sich drei Monate im Lande auf. Sie hatte zur Aufgabe, das Vorkommen von abbau-würdigen Mineralien festzustellen, sowie das Gebiet des Toten Meeres landwirtschaftlich zu erkunden. Das Ergebnis dieser Expedition besteht: in ausführlichen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Berichten, in einer Reihe von mineralogischen und botanischen Sammlungen. 2. In dieselbe Kategorie der eigenen Forschungen gehört: die Einrichtung von meteorologischen Beobachtungsstationen in Palästira. Es ist wohl überflüssig, darauf hinzuweisen, welche Bedeutung die Kenntnis des klimatischen, zpeziell der Niederschlagsverhältnisse für das Studium der Anbaubedingungen eines Landes und für die Hygiene seiner Bewohner hat. Wir waren in der Lage, in Verbindung mit dem „Deutschen Palästinaverein", der seit einer längeren Reihe von Jahren in verschiedenen Punkten. Palästinas zahlreiche meteorologische Stationen besitzt, mehrere solcher Stationen auch auf den jüdischen Kolonien zu gründen. Wie die Station in Jerusalem die Zentrab für die deutschen abgiebt, so bildet unsere Station in Sichron-Jakob die Zentrale für die jüdischen Stationen. Die Wetterberichte werden periodisch in der Zeitschrift unserer Kommission „Altneuland", sowie auch in der „Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins" veröffentlicht. Ausserdem gelangen Jahresberichte über die Meteorologie des Landes zur Veröffentlichung in den „Monatsheften der internationalen Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus" in Wien. b. Von der Ueberzeugung ausgehend, dass die Kenntnis Palästinas ein hochbedeutendes Moment für die Verbreitung und Vertiefung unserer Idee abgiebt, war die Kommission auf verschiedenen Wegen bemüht, die Wissenschaft über Palästina zu popularisieren. In die Kategorie diesbezüglicher Arbeiten gehören : 3) die Herausgabe der Zeitschrift «Altneuland», die in einem ersten Jahrgange 1904 vorliegt und im Jahre 1905 weiterläuft. «Altneuland» bemühte sich, neben der Verbreitung von Kenntnissen über Palästina in einer Folge von wissenschaftlichen und populären Artikeln auch das Verständnis für die Kolonisation als System, als ein planmässiges Ganzes in weitere Schichten zu tragen. An Aufsätze sozial-ökonomischer Natur reihten sich solche kolonialer, ethnographischer, geologischer, hygienischer, statistischer und allgemein-geographischer Natur. 4) Die Kommission richtete eine B i b Ii othe k d e r Palästina-, Orient- und Kolonisations-Litter atur ein, die der Kommission bei Ihren Arbeiten gute Dienste geleistet hat. Die Bibliothek stand jedermann zur freien Benutzung zur Verfügung. 5) Demselben Zwecke der Popularisierung der Kenntnisse über Palästina dienten die von der Kommission herausgegebenen Broschüren (Separat-Abdrücke aus «Altneuland») über einige wirtschaftliche Fragen. 6) Die Mitglieder der Kommission veranstalteten in verschiedenen Orten Vorträge instruktiver Natur sowohl über Palästina, wie über Kolonisation und Sozialwissenschaft. Schliesslich organisierte die Kommission 7) in Verbindung mit dem höheren technischen Institut in Kothen koloniale Kurse in der Zeit vom 27. März bis 8. April 1905. An diesen Kursen beteiligte sich das Kothen er Institut durch Hergabe seiner technischen Kräfte, mehrerer Dozenten, für Vorlesungen aus dem Gebiete der technischen Wissenschaften, die Bezug auf Kolonisation haben. Ausserdem stellte das technische Institut Hörsäle und Deinonstrationsobjekte zur Verfügung. Unsere Kommission beteiligte sich persönlich durch seine Mitglieder und durch Hergabe von Demoustrations- Objekten, ferner durch Hinzuziehung mehrerer fachmännischer Kräfte, die Vorlesungen speziell über Palästina und den Orient hielten. Die Kurse waren zwar von 206 Personen besucht; leider aber waren unter diesen nur 50 Juden. Wahrend der grösste Teil der Zuhörer, ausser Studenten, der Körliener Bürgerschaft angehörte, waren von den jüdischen Zuhörern immerhin 15 von auswärts herbeigeeilt. Wenn also auch die Köthener Kurse in beziig auf den Besuch noch viel zu wünschen übrig liessen, so müssen sie doch immerhin als ein erster gelungener Versuch betrachtet werden, Akademikern in einer zugänglichen Form die Wissenschaft über Palästina zu vermitteln. Wir nehmen an, dass ein zweiter Versuch in dieser Eichtling, wie er soeben in Basel unternommen wird, von bedeutend grösserem Erfolge gekrönt sein wird. Wir gewannen die Ueberzeugung, dass die Abhaltung von Ferienkursen ein mächtiges Mittel zur Verbreitung des Interesses an unserem Lande und unserer Idee bedeutet. IL Wir gehen nunmehr zur Berichterstattung über die Unternehmungen wirtschaftlicher Natur über, bei denen wir drei grössere Gruppen unterscheiden: a) die Gruppe von eigenen Unternehmungen, b) von Vorbereitungen für Unternehmungen und c) Organisation von Unter nehmung er. In die erste Gruppe gehören: a. 8. Die landwirtschaftliche Erkundung in Kleinasien und S y r i e n, die vom Berichterstatter selbst im Oktober 1904 bis Januar 1905 unternommen wurde. Diese Erkundung wurde von uns veranlasst in Verbindung mit der „Deutsch-levantinischen Baurnwollgesellschaft" und hatte den Zweck, die Möglichkeiten der B a u m w o 11 k u 1 t u r im südlichen Teile Kleinasiens und in Nordsyrien festzustellen. Das Ergebnis war ein ausführlicher Bericht, der unserer Bank übeigeben wurde, sowie eine Sammlung zahlreicher Boden- und Baumwollproben, die eine Analogie inbezug auf unser spezielles Gebiet, nämlich Palästina, gestatten. Im Anschluss daran fand ein mehrwöchentlicher Besuch Palästinas statt, bei dem ausser einer Reihe von laufenden Arbeiten, auf die hier nicht näher eingegangen weiden darf, auch die Aussichten der Baumwollkultur näher