Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (1.8.1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Die # Welt" Separat-Ausgabe No. 4 V, Verhandlungstag. (Vormittagssitzung.) Bericht der Palästinakommission erstattet von Prof. Dr. War bürg. Auf den Antrag der deutschen Landsmannschaft wurde bekanntlich auf dem VI. Kongress eine Palästina- Kommission eingesetzt, bestehend aus 3 Sachverständigen, deren Zweck in fünf Paragraphen festgelegt wurde. Neben der Errichtung einer landwirtschaftlichen und technischen Versuchsstation, sowie eines landwirtschaftlichen und technischen Auskunftsbureaus, einer medizinischen Untersuchungsstation und der Herausgabe einer Zeitschritt für Palästinakunde, war der in § 1 festgelegte Hauptzweck: Die wissenschaftliche und praktische Erforschung Palästinas und der für diese in Betracht kommenden Länder in wirtschaftlicher, technischer, rechtlicher und geographischer Beziehung. Bezüglich der Organisation der Kommission war die wichtigste Bestimmung, dass sie ihre Aufgaben selbständig durchzuführen und dem A. C. Bericht zu erstatten hat, und ferner, dass sie bei Beratung und Beschlussfassung über Angelegenheiten der P. C. im A.C. und den Jahreskonferenzen mit beratender Stimme hinzu zu ziehen ist. Von Bedeutung ist noch der Beschlüsse dass die Kommission für 2 Jahre ein Budget von jährlich mindestens 15,000 Fr. erhält, sobald die unentbehrlichen laufenden Ausgaben gedeckt sind, aber nicht, bevor die Sdiekeleinzüge zur Deckung der unentbehrlichen laufenden Bedürfnisse hinreichen. Dass nicht nur zur Errichtung der vi-rsHiirdmen Institute und für die Herausgabe einer Zeits. hrih für Palästinakunde, deren Selbsterhaltung doch auf absehbare Zei so jüut wie ausgeschlossen ist. sondern auch für die Wissenschaft liehe und praktische Erforschung Palästinas etc erhebliche Geldmittel nötig sind, liegt auf der Hand. Denn ein Bücherstudiuni über Palästina kann unmöglich die Unterlagen für wirtschaftliche Untersuchungen schaffen, deren wir bedürfen. Wir brauchen genaue Untersuchungen über das Land, in geologischer, agronomischer, meteorologischer Beziehung, wir sollen die Absatzverhältnisse in Palästina und die Bedürfnisse der dortigen Bevölkerung studieren, wir müssen die besten Märkte für palästinische Produkte ausfindig machen, und die dort gebräuchlichen Gescbäftsüsancen kennen lernen, um die Erntebereitung und die Art des Versandes den Erfordernissen der einzelnen Markte anpassen zu können wir wollen die einzelnen in Palästina eingeführten Produkte studieren im Hiublick darauf, ob sie sich nicht dort selbst in konkurrenzfähiger Weise herstellen lassen, alles Dinge, die man nur durch Reisen, Studien an Ort und Stelle, Konferenzen mit im praktischen Leben stehenden Leuten, sowie vor allem durch Versuche und Experimente erfahren kann, nicht aber am Schreibpult in der Heimat. So ging denn auch im Jahre 1904 ein Mitglied hinüber, um für verschiedene brennende Fragen in Palästina und den Nachbarländern die nötigen Untersuchungen anzustellen, und auch sonst blieb die Kommission stets in der regsten Verbindung mit Palästina, gründete dort meteorologische Stationen und befasste sich auch mit der Einleitung der in unserem Programm geforderten grossen Organisationen. Die Tätigkeit der Palästina-Kommission in Europa bestand im wesentlichen darin, eine Reihe der uns von Palästina her gelieferten Anregungen zu studieren, einige neue Organisationen und Expeditionen zur praktischen Erschliessung Palästinas einzuleiten, die von dorther eingegangenen Produkte, Mineralien, Vegetabilien etc. zu studieren, sowie durch Vorträge, Herausgabe einer Zeitschrift und Zusammenstellung einer kleinen Palästina- Bibliothek anregend zu wirken. Wir hoffen, dass es uns gelungen ist, namentlich auch dadurch, dass viele der Artikel in unserer Zeitschrift in zionistischen Blättern abgedruckt wurden, die Kenntnisse über die realen Wirtschafts- und Kolonisationsverhältnisse Palästinas, sowie seiner Nachbargebiete wesentlich zu verbreiten. Herr Dr. Soskin wird Ihnen sogleich ein detailliertes Bild unserer Arbeiten geben, ich möchte hier nur noch bemerken, dass die Palästina-Kommission nur einen Teil der in diesen 2 Jahren begonnenen Untersuchungen und Unternehmungen zu Ende zu führen in der Lage war. Grossenteils lag dies zwar in der Natur der Sache, indem es sich um langwierige Arbeiten handelte, teilweise war es aber auch eine Folge der finanziellen Lage der Kommission, indem sie leider nur zwei Fünftel der als Minimum bewilligten Summe in den beiden Jahren erhielt, da die bis auf den letzten Monat überaus spärlich einlaufenden Schekelgelder kaum zur Deckung der unentbehrlichen laufenden Bedürfnisse des Aktions-Komitees hinreichten, so dass für die Palästina-Kommission nichts übrig blieb. So lähmend auch die finanzielle Unsicherheit der Palästina-Kommission auf ihre Tätigkeit einwirkte, so arbeitete sie doch weiter, in der jetzt auch eingetroffenen Erwartung, dass durch den Kongress die Schekelgelder wieder reichlicher iiiessen würden. Freilich mussten zu unserem Leidwesen die Arbeiten eingeschränkt werden, und manches recht Wichtige wurde nicht in Angriff genommen, wodurch wir erreichten, mit nur drei Viertel der für unsere Arbeiten ausgesetzten Minimalsumme auszukommen. Dass dies kein gesunder Zustand ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden; es wäre ausserordentlich wünschenswert, wenn sich ein Modus finden Lesse, welcher die Arbeiten der Kommission von dem zufälligen Emiauf der Schekelgelder unabhängig machte. Hoffen wir, dass entweder der Kongress ein solches Mittel ausfindig macht, oder dass wenigstens die Schekelgelder in der Zukunft so überreich Hiessen werden, dass sich ein Stauwerk damit füllen lässt, aus dem die Palästina-Kommission für ihre Arbeiten einen, wenn auch bescheidenen, so doch sichern Zufluss erhält. (Beifall) Bericht über die Tätigkeit der Kommission zur Erforschung Palästinas erstattet von Dr. S. Soskin, Meine Damen und Herren! Hochgeehrte Versammlung! Nachdem Herr Professor Warburg in seinen einleitenden Worten im allgemeinen über die Prinzipien sich ausgesprochen hat, die der Tätigkeit unserer Kommission zugrunde liegen, werde ich nur gestatten, im nachfolgenden einen detaillierten Bericht über die Arbeit der Kommission für die Zeit vom letzten Kongress an bis jetzt vorzulegen. Wenn wir auch als eine Kommission zur Erforschung Palästinas eingesetzt wurden, so zeigte doch die Arbeit selbst, dass die theoretische Erforschungsarbeit allein ohne Rücksichtnahme auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes unmöglich war. Die wissenschaftlichen Arbeiten, die unsere Kommission unternahm, hatte darum meist eine wirtschaftliche Begründung und Unterlage. Nach diesen einleitenden Bemerkungen gestatte ich mir auf die Arbeit der Kommission selbst einzugehen,