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Die Welt · 1905-08-01 · [Separat-Ausgabe] (1.8.1905) · p. Seite 7

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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IsTo. 4 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 7 industriellen Entwicklungsmöglichkeiten und Bildung eines Stabes von Ingenieuren. Technikern, landwirtschaftschaftlichen Lehrern und Verwaltungsbeamten. Auch die Erlangung von Konzessionen für Bergbau und Hafenbauten etc. sei mit Nutzen zu betreiben. Die territoriale Ausnahme bestehe darin, dass in den Nachbarländern Palästinas, auf deren Erwerbung die politische Tätigkeit nicht gerichtet sei, der Infiltration oder praktischen Kolonisationsarbeit keinerlei Bedenken entgegenstünden. Diese Länder bezeichnete der Redner als die Interessensphäre des jüdischen Volkes. Redner sprach sodann über die anderen Punkte des Basler Programms und erwähnte unter besonderem Beifall der Versammlung das verächtliche Verhalten eines Teils des westeuropäischen Assimilationsjudentuins gegenüber den Bestrebungen, den Sinn für jüdisches Selbstbewusstsein und Ehre zu erwecken. Bezüglich der Organisationsprobleme behandelte der Redner eingehend die Prinzipien einer zweckmässigen Organisation. Er betonte, dass der Individualität des jüdischen Volkes und der Tatsache der Zerstreuung im Gohis eine Dezentralisation entsprechen würde, während die politische Notwendigkeit für die scharfe Konzentration spreche. Beide Prinzipien müssten in der zionistischen Organisation vereinigt werden. Redner befürwortet ein A. C mit einem Präsidenten an der Spitze und bezeichnet als die geeignetste Persönlichkeit hierfür den grossen Inspirator unserer Bewegung, Dr. Max Nordau. In Verbindung: mit diesem A. C. müsse ein Dreimännerkollegium geschaffen werden, welches gemeinschaftlich die Geschäfte der zionistischen Bewegung verwalte. Redner skizziert sodann die zionistische Organisation, die sich auf d^n Schekelzahlern aufbaue. Er hält jedoch ausser den Ortsgruppen auch die Bildung von zionistischen Sondervereinen für möglich, ferner die Bildung von Federationen neben der Landesorganisation in ein^m für sich geschlossenen Landgebiete. Falls diese Federation, wie z. B. die misrachistische sich über verschiedene Länder verbreite, hält derselbe dies für gefährlich, da hierdurch die Möglichkeit einer religiös gefärbten Sonderbewegung neben der allgemeinen zionistischen gegeben sei. Von dem grossen A. C. wünscht Redner, dass es nicht mehr aus den verschiedenen Landsmannschaften zusammengesetzt sein solle, sondern eine Vertretungskörperschaft der gesamten zionistischen Bewegung ohne Rücksicht auf die Laudeszugehörigkeit der einzelnen Mitglieder. Redner schliesst mit dem Hinweis, dass der Zionismus sein Ziel nicht durch die Macht der vertretenen Meinungen erlangen könne, sondern nur auf dem Weg der Kompromisse und der gegenseitigen Verständigung und schliesst mit den Worten: „Nur eins steht über allen Kompromissen und das ist die zionistische Idee selbst, um die wir uns wie um ein Palladium auf diesem und den folgenden Kongressen Schulter an Schulter scharen wollen. Möge sich unsere künftige Führung das Vertrauen des jüdischen Volkes erwerben, dass sie dieses Heiligtum, das blau-weisse Banner unserer Zukunft un* verletzt vorantrage durch den Sturm der Zeiten, bis wir in der Lage sind den Resten unseres grossen Fühiers eine Grabstätte dort zu bereiten, wo das Heim sein wird des jüdischen Volkes für die künftigen Aeonen der Menschheitsgeschichte/' (Stürmischer Beifall). Nun hält Mr. Gr eenberg unter grossem Beifall die gestern von uns gebrachte. Rede. Rosenbaum beantragt, nicht mehr weiter zu debattieren, sondern die Wahlen vorzunehmen und dann den Beschluss zu fassen. Trietsch übt während der Geschäftsordnungsdebatte scharfe Kritik am Referat Bodenheimer wegen seiner politischen Bemerkungen. B o r u c h o w spricht russisch. Er ist der Meinung, man solle den Antrag Rosenbaum nicht zur Abstimmung bringen. Die verschiedenen Gruppen mit ihren verschiedenen Meinungen sollten sich vorerst äussern können, bevor zur Wahl der Kommission geschritten werde. In der Kommission müssten die verschiedenen Ansichten und Gruppen vertreten sein. Der Antrag R o s e n b a u m wird in die verschiedenen Sprachen übersetzt und in der Abstimmung mit grosser Mehrheit angenommen. Dr. Gronemann spricht über Propaganda und Agitation. Wir bringen das Referat in den nächsten Nummern. Zum Schlüsse stellte Redner folgende Anträge : Anträge zur Agitation. I. DerKongress stellt f o 1 g e n d e L e i tsätze für die Agitation auf: 1. Bei der Propagierung des Zionismus ist die Darlegung des historischen Werdeganges der Bewegung und die nachdrückliche Betonung der nationalen Grundlage unserer Idee unerlässich. Es ist ferner ausdrücklich festzustellen, dass der Zionismus nicht für einen Bruchteil, sondern für die Gesamtheit der Juden arbeitet, 2. Der Schekel darf von denjenigen Juden entgegengenommen werden, welche sowohl die öffentlich-rechtliche Sicherung der angestrebten Heimstätte wie deren Errichtung in Palästina als wesentliche Bestandteile des Programms anerkennen, — auch über die nationale Grundlage des Zionismus unterrichtet sind. II. Der Kongress beschliesst die Einsetzung eines Agitationsausschusses, bestehend aus dem Präsidenten der Organisation und 2 an dessern Sitze wohnenden Mitgliedern, sowie je einem Vertreter jeder Landsmannschaft. Diesem Ausschuss wird aufgegeben: a. Die Einrichtung einer Zeitlingskorrespondenz unter dem Namen „Jüdische Korrespondenz". b. Die Ausarbeitung eines jährlich neu zu redigierenden Agitationsplanes, — unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der einzelnen Länder. c. Die agitatorische Arbeit fortdauernd zu überwachen, um die Einheitlickeit der Bewegung zu erhalten. III. Sämtlichen Gliedern der Organisation wird zur Pflicht gemacht, den Agitationsausschuss in seiner Arbeit zu unterstützen, — insbesondere sind alle Ortsgruppen verpflichtet, dem Ausschussvertreter ihres Landes genauen Bericht über die entwickelte agitatorische Tätigkeit zu erstatten. IV. Dem A.-C. wird aufgegeben, monatliche offizielle Mitteilungen über den Stand der Bewegung an die Vertrauensmänner gelangen zu lassen. Schluss der Sitzung 8 Uhr abends.

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