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Die Welt · 1905-08-01 · [Separat-Ausgabe] (1.8.1905) · p. Seite 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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No. 4 Separat-Ausgabe „Die & Welt" Seite 5 grammes. Dies schmälert den Sinn und den Inhalt unserer Befreiungsbewegung und steht im tiefsten Widerspruch mit den Interessen und den Idealen des jüdischen Proletariats und der breiten jüdischen Volksmassen. Diese Fixierung des Programms auf Palästina bringt nur die im Absterben befindliche Tradition der nicht zielbewussten und unkulturellen jüdischen Volksteile (Rufe: Pfui), sowie des reaktionär gesinnten Teiles der jüdischen Intelligenz zum Ausdruck. (Rufe: Pfui!) Die Gruppe der Zione Zion, die Gruppen der verschiedensten Schattierungen haben ihre priveligierte und zufällig vorherrschende Stellung auf dem VII. Kongress ausgenützt, um der ganzen zionistischen Organisation ein Programm aufzudrängen, das dem Geiste und Ziele des Zionismus nicht entspricht (Ruf: Lüge) und das zionistische Volksbewusstsein verdunkelt. Wir erklären darum, dass wir das Programm der Zione Zion als die Sache unserer Volksbefreiung hemmend betrachten, dass wir unsere weitere Teilnahme an dem Kongresse, dem das jüdische Volk untreu geworden ist, für unmöglich halten. (Bravo.) Wir hoffen, dass alle wirklich demokratischen Elemente im Judentum und Zionismus die Richtigkeit unserer Handlungsweise anerkennen werden und fordern vor allem die konsequenten zionistischen Territorialisteu auf, unserem Beispiel zu folgen und den Kongress zu verlassen. (Bravo, Bravo; grosse Aufregung.) Die Syrkingruppe verlässt den Saal. Dr. Alex. Marmorek verkündet, dass die Sitzung geschlossen ist. (Rufe: Hoch Nordau! Stürmischer Beifall, Hüteschwenken.) (Man singt das Hatikwohlied.) Sonntag, den 30. Juli 1905, Nachmittags-Sitzung. Dr. Nordau eröffnet 51/* Uhr die Sitzung, indem er ausführt: Die Herren Dr. Alexander Marmorek, Dr. Tsohlenow, Dr. Kohaa-Bernstein bringen folgenden Anrrag ein, um dessen Annahme sie den hohen Kongress ersuchen: Der VII. zionistische Kongress sprich*, den Mitgliedern des Aktionskomitees für die ausserordentlich mühevolle und pflichttreue Arbeit ihres Amtes in Sachen des O^tafnkaprojektes seinen besten Dank aus. (Lebhafter Beifall.) In der Aufregung dieser letzten Tage, in welchen wir über so Wichtiges zu verhandeln hatten, hatten wir nicht die Stimmung und Gemütsruhe gefunden, um die im Hintergrund aufgestellte Statue des berühmten Bildhauers Glicenstein so zu würdigen, wie sie es verdient. Ich lenke Ihre Aufmerksamkeit besonders auf dieses Kunstwerk, das seinem Urheber, dem Juden, volle Ehre macht. Die Statue ist, wie Sie wohl selbst erkannt haben, die Verkörperung der Gedrücktheit und zugleich der Stärke des jüdischen Volkes. Sie sehen eine mächtige Gestalt mit gewaltigen Muskeln, fähig zu jeder grossen Tat, in sich zusammengesunken, niedergedrückt von der Wucht des Verhängnisses und brütend über ein ungerechtes Schicksal, das diesen Riesen zur Untätigkeit verurteilt. Ein Jude, der nicht genannt sein will, hat dieses Kunstwerk vom Urheber erworben, und dem jüdischen Volke mit der Bestimmung zum Geschenke gemacht, dass es in einem jüdischen Nationalgebäude, wann und wro ein solches errichtet werden wird, seine Aufstellung finden soll. (Lebhafte Beifallsbezeugungen.) Hoffen wir, dass wir bald Gelegenheit finden werden, diesem hohen Kunstwerk Unterkunft zu gewähren. Inzwischen aber lade ich den hohen Kongress ein, dem Mäcen und guten Juden, dem wir dieses Kunstwerk verdanken, den Dank des Kongresses auszudrücken, (Beifall.) Leon stellt einen Antrag, dahingehend, der Familie des nordamerikaniscbeu Staatssekretärs John Hay den Dank des Kongresses und des jüdischen Volkes für die freundliche Bereitwilligkeit und Teilnahme, die der verstorbene Staatsmann für das jüdische Volk an den Tag gelegt hat, auszusprechen. (Beifallsbezeugungen.) Auf der Tagesordnung steht nun die Organisationsfrage. Berichterstatter zu dieser Frage sind die Herren Dr. 0. Kokesch und Dr. Bodenheimer. Trietsch: Die Debatte über den Rechenschaftsbericht ist noch nicht beendet. Dr. Nordau: Dieses Traktandum ist so wichtig, dass wir es vorerst zur Erledigung bringen wollen. Dr. Koke sch: Verehrter Kongress! Das Aktionskomitee ist bei der Abfassung des neuen Organisationsentwurfes von dem Gesichtspunkte ausgegangen, dass an dem bestehenden Statut so wenig als möglich geändert werden soll. Wir sind der Ansicht, dass wir in unserer Bewegung keine Revolution sondern eine Evolution brauchen, In den 7 Jahren der Bestehens unserer Organisation haben wir die Erfahrung gemacht, dass gewisse Mängel und Lücken vorhanden sind. Es hat sich daher bei der Auffassung des neuen Entwurfes darum gehandelt, diese Mängel zu beseitigen und die Lücken auszufüllen. Einer der Hauptmängel des alten Statuts war das Verhältnis des engeren A. C. zum grossen A, C. Es waren keine Kompetenzbestiminungen, was für Rechte und Pflichten das engere und was für Rechte und Pflichten das grosse A. C. hat. Der neue Organisationsentwurf füllt diese Lücke aus, indem es die Kompetenzen der einzelnen Körperschaften genau feststellt. Bei der Feststellung dieser Kompetenzen sind wir vom Gesichtspunkte ausgegangen, dass die Exekutive des Kongresses das grosse A. C. ist, das engere A. C. aber nur ein Ausschuss desselben. Das engere A. C. hat die Beschlüsse des Kongresses und des grossen A. C. auszuführen und die laufenden Angelegenheiten zu erledigen. Der Organisationsentwurf ist in der „Welt" veröffentlicht worden *, er liegt auch in einer Broschüre gedruckt vor und jeder Delegierte hat Gelegenheit gehabt, die Bestimmungen kennen zu lernen. Ich will mich daher darauf beschränken, die hauptsächlichsten Aenderungen hervorzuheben. Abgesehen von dem Verhältnisse des engeren A. C. zum grossen A. C. mussten wir eine neue Institution vorschlagen, mit Rücksicht darauf, dass in der letzten Sitzung des grossen A. C. beschlossen wurde, ein Direktorium, bestehend aus drei Herren : Dr. Nordau, D. Wolffsohn und Prof. Dr. Warburg als Leitung der Partei zu wählen. Infolgedessen war es notwendig eine Institution einzuführen, die wir noch nicht hatten. Wir haben derselben die Repräsentanz der Bewegung und Initiative gegeben, während dem engeren A. C. die technische Ausführung vorhehalten wurde Eine weitere wichtige Aenderung in dem neuen Entwurf ist folgende: Bisher haben wir mit dem in der ganzen Welt geltenden parlamentarischen Prinzip nicht gerechnet, dass die Exekutive in der Legislative nicht vertreten sein soll. Mit Rücksicht auf" die Persönlichkeit unseres verstorbenen Führers Herzl haben wir bis jetzt die Einrichtung gehabt, dass der Präsident des A. C, der Exekutive, gleichzeitig der Präsident des Kongresses war. Nachdem nun unser grosser Führer gestorben ist, sind wir der Ansicht, dass wir zu dem parlamentarischen

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