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Die Welt · 1905-08-01 · [Separat-Ausgabe] (1.8.1905) · p. Seite 2

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (1.8.1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die $ Welt" Separat-Ausgabe No. 4 Dr. Wunderlich (für Ostafrika): Als Herzl vor dem VI. Kongress aufgefordert wurde, seine Meinung zu sagen, wie er sich die Gestalt des künftigen Judenstaates vorstelle, da schrieb er sein „Alt-Neuland" und unbewusst oder vielleicht absichtlich hat er das Volk, an dessen Spitze er stand, dahin charakterisiert: „Vorläufig seid ihr noch Träumer, einen königlichen Traum träumt ihr, es ist ein Märchen vorläufig." Das ist immer der Fluch gewesen, dass wir Träumer waren, dass wir aber nicht die Wege fanden, um zum Erwachen zu kommen. Das eine soll aber erkannt werden: nicht alle sind blind geblieben. Als Herzl das Uganda-Projekt hier verfocht, da sagte er: Zion ist es nicht und kann es nicht sein, und dasselbe sagen wir politischen Zionisten ebenfalls. Es soll uns ein Mittel sein, um zu dem Ziele Zion zu kommen. Zion ist das grosse Ziel, dem wir nachstreben, der grosse Morgen, dem wir entgegengehen. Auf diesem Wege brauchen wir etwas, was unser heutiger Präsident damals das Nachtasyl genannt hat. Das ist das erste Motiv, das uns veranlasst, heute schon etwas Praktisches zu tun für unser Volk, auf dass es auf dem Wege zur Freiheit nicht zu Grunde gehe. Wir haben zu Herzl das Vertrauen gehabt, dass das Instrument, das die britische Regierung uns in die Hand gegeben hat, zu einer Zionsharfe werden würde. Sie haben es nicht verstanden, was Herzl seinem Volke gab. Sie haben es nicht empfunden, dass Herzl sein Volk zum Ziele führen musste nur auf dem eingeschlagenen Wege der praktischen Politik. Sie haben auf dem vorigen Kongress zur prinzipiellen Frage Stellung genommen, um die Ostafrika-Frage damit zu entscheiden. Sie haben damals entschieden unter Herzls Leitung, dass die Annahme im Prinzip keine Verletzung des Basler Programms sei und haben den Weg gezeigt, auf dem wir zur praktischen Politik kommen würden. Wenn Sie heute diesen Weg verlassen, dann treiben Sie die schlechteste Politik, die es giebt, die Politik der Inkonsequenz. (Bravo.) Wir brauchen dieses Ostafrika- Projekt unbedingt notwendig, um in der Welt ernst genommen zu werden. Sie haben heute gehört, dass der Zionismus nichts anderes ist als ein neuer Weg zum alten Chowewe Zionismus. Damit haben Sie bewiesen, dass Sie für Herzl tatsächlich nicht das Verständnis haben, das Verständnis dafür, dass er uns zu einem grossen, politisch denkenden Stamme machen wollte. Sie treiben die allerschlechteste Politik, wenn Sie auf dem VI. Kongress sagten : Wir sind prinzipiell dafür, dass unserem Volke ein Asyl geboten wird, und auf dem VJI. Kongress aber dagegen sind. Ich erkläre, dass nicht bloss in Russland, in England, nein auch in Deutschland eine grosse Gruppe (Rufe: Gross nicht) sich gebildet hat, die ebenfalls auf dem Programm stehen, welches die Gruppe Mandelstamm verfochten hat. (Grosse Unruhe). Wir dürfen niemals vergessen, dass diese heutige Minorität künftig vielleicht hier auch die Majorität sein wird. Und was haben wir dann? Dann wird der Beschluss des VII. Kongresses durch einen Beschluss des VIII. Kongresses wieder aufgehoben und wir müssen zum Beschlüsse des VI. Kongresses zurückkehren. In den Augen der Welt wird diese Schaukel-Politik niemals eine schöne Stellung einnehmen. Wir wollen beweisen, dass wir die politische Kraft durch die 8 Jahre lange Erziehung durch Herzl bekommen haben, ihm auf seinem Wege folgen zu können. Sie gehen aber wieder als alte Träumer und Nachtwandler (Gelächter). Nachdem der Kongress einmal die Kommission auszuschicken beschlossen hatte, war es die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Leitung, nicht zu warten, bis man uns einen Lappen zuwarf. Wir mussten die Mittel aufbringen, dass Sie es ausführen konnten, denn das haben wir zum Teil verhindert. Wäre damals der Beschluss ordnungsmassig sobald wie möglich ausgeführt worden, so wäre das anders. Hätte England gesehen, dass es uns ernst war, dass wir uns nicht einschüchtern liessen durch die Revolutionäre aus unserer eigenen Mitte, dann stünden wir heute anders da. Heute noch sind Sie verpflichtet, diesen Beschluss des Kongresses, der noch vorliegt und der nicht ordnungsmässig ausgeführt worden ist, auszuführen. Sie müssen gestehen, der Ostafrika-Beschluss ist nicht ordnungsmässig ausgeführt worden. Es ist zwar eine Kommission ausgesandt worden, aber nicht so, wie Sie gedacht haben. Sie war vielleicht zu kurze Zeit dort, um nachzuforschen, wie erwartet wurde (Beifall). Das haben Sie versäumt. Vor allen Dingen hat Dr. Zangwill uns heute bereits mitgeteilt, dass die englische Regierung sehr wohl bereit wäre, uns ein anderes Stück anzubieten, das für uns geeignet wäre, die Armen zeitweilig aufzunehmen. Sie sind verpflichtet, die Mittel, die auf Grund des VI. Kongresses bewilligt worden sind, dafür aufzubringen, die Politik dadurch fortzusetzen, dass Sie nicht mit der englischen Regierung abbrechen. Für uns, das erkläre ich namens meiner politischen Freunde, ist nur eine Resolution annehmbar, die Portsetzung der Politik Herzls und Zangwills, die dahin geht, dass wir mit England nach wrie vor unterhandeln wollen, von England erreichen, was unser hochverehrter Präsident das vorige Mal das Nachtasyl genannt hat. Delegierter Aberson spricht, wiederholt von Beifall und Widerspruch unterbrochen, russisch gegen das Projekt. Nach 2 Jahren des Streites liegt der Kommissions-Bericht der Ostafrika-Expedition vor uns. Wir müssen jetzt eine prinzipielle Antwort in Bezug auf Ugandismus und Territorialismus geben. Der Ugandismus wurde durch Herrn Zangwill dargestellt. Es wurde immer hervorgehoben, dass er ein Mittel sei, um nach Zion zu gelangen. Er ist aber ein Mittel, das zum Antizionismus geht. Man hat uns auch gesagt, dass wir uns nicht die Sympathie der Maranozionisten verscherzen mögen. Das ist kein Grund, denn sie sympathisieren mit uns, weil sie nicht wollen, dass wir ihre Schmach aufdecken. Charakteristisch ist es für den Ugandismus, dass er, um sich durchzusetzen, nicht so sehr hervorhebt, was an Ostafrika gut ist, sondern das was schwierig ist bei der Erlangung Palästina. Wir haben es auch an vielen Ugändisten gesehen, wie ihre Evolution zum Anti-Zionismus führt. Die Ugändisten sind hauptsächlich Rationalisten, sind Anhänger der mechanistischen Auffassung. Aber die Geschichte entwickelt sich nicht rationalistisch. Stimmen Sie gegen Uganda und für Palästina. Dr. Stein spricht rassisch für die Annahme des Projektes und verliest am Schlüsse seiner Rede folgende Resolution: Die Gruppe der Territorialisten appelliert an die öffentliche Meinung der ganzen Welt und erklärt, dass die Majorität des VII. Zionistenkongresses eine ungesetzliche ist und an dem Kongresse Delegierte teilnehmen, deren Wahl ungesetzlich ist. Dass den Verordnungen des Statutes widersprechend die Wahlen in Russland nicht frei, sondern unter dem Druck der meisten Mitglieder des Aktionskomitees vollzogen worden sind. Dass die Expedition, die zur Erforschung des Ostafrikagebietes entsendet worden ist, aus Mangel an Zeit und an den dazu nötigen Fachmännern keinen genügenden und ernsten Bericht erstatten konnte. Auf Grund dessen erklären wir, die obenerwähnte Gruppe, den ausserordentlichen Kongress als nicht kompetent (Gelächter, Widerspruch) und nicht berechtigt,

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