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Die Welt · 1905-07-31 · [Separat-Ausgabe] (31.7.1905) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (31.7.1905)
Date
1905-07-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „Die # Welt" Separat-Ausgabe Ko. 3 steht, kann aus dem demnächst erscheinenden Bericht des Legitimationsausschusses entnommen werden. Jedenfalls versuchten die Politischen und die Oppositionsgruppen eine Debatte zu provozieren. Es sprachen drei Redner zur Geschäftsordnung, der Kongress lehnte aber mit Abstimmung die Eröffnung der Debatte ab. Der vordere rechte Flügel des Saales war eingenommen von den Zione Zion, die während des Folgenden bis zuletzt kaum einmal eine Bewegung machten. Auch die übrigen Delegierten blieben lange selbst ohne einen Zwischenruf ruhig sitzen, und die Szene spielte sich zwischen der radikalen Opposition, die etwa 20 Sitze am äussersten linken Flügel inne hatte, uad der rechten Gailerieseite ab, sofort als der Kongress gegen Eröffnung der Debatte über die Wahlen gestimmt hatte. Etwa eine halbe Stunde schrie man aus Leibeskräften, dazwischen sang der Chor russische Lieder, stieg auf Sessel, warf Flugschriften in den Saal und klopfte mit Stühlen auf den Boden. Dasselbe geschah auf der Gallerie, wo man noch Sukkurs holte und von wo aus noch etwa 20 Leute, meistens junge Mädchen durch eine Seitentüre in den Saal drangen und lärmen halfen. Zangwill und Greenberg, die zur Beruhigung von der Tribüne herunterkamen, wurden auf die Schultern gehoben, aber das Toben hörte auch dann nicht auf, als das Bureau des Kongresses grösstenteils die Tribüne verliess und die Kronleuchter erloschen. Im Zwielicht der Wandlampen erscholl plötzlich der Ruf: Ussischkin! und die Opposition machte geschlossen eine Bewegung gegen die Tribüne hin. Man vermochte sie aufzuhalten und nun ward unter den Zione Zion der Ruf: „Aut die Tribüne!" laut und diese war im Nu von ihnen vollbesetzt. Endlich vermochten die besonnenen Elemente den allgemeinen Abzug im Dunkel zu veranlassen. Noch in der weiten Vorhalle des Saales gab es lebhafte Szenen. Bis in den hellen Tag war das Kasino von Menschenmassen in höchster Erregung belagert, von Schlaf war wohl bei den wenigsten mehr die Rede. Selbstverständlich war bei der nächsten Sitzung der ungestörte Verlauf der weiteren Verhandlungen gesichert. U. IV. Verhandlungstag, Sonntag, den 30. Juli, (Vormittagssitzung) Die Abstimmung über das Ostafrikaprojekt. Der Autrag des A. C. wurde mit einer kolossalen Mehrheit angenommen. Es erhob sich ein brausender Beifallssturm, der immer wieder von neuem losbrach Der Antrag des A.C. lautete: I. Der VII. Zionisten-Kongress erklärt: Die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Baseler Programms, das „die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina" erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. II. Der Kongress beschliesst: Der Regierung Seiner britischen Majestät für das Angebot eines Territoriums in Britisch-Ostafrika zum Zwecke der Etablierung einer jüdischen Siedelung mit autonomen Rechten den tiefgefühlten Dank auszusprechen. Nachdem eine Kommission zur Erforschung des Territoriums ausgesendet wurde und Bericht erstattet hat, beschliesst der Kongress, dass sich die zionistische Organisation mit dem Vorschlage nicht weiter befassen kann. Der Kongress nimmt mit grosser Genugtuung die Anerkennung zur Kenntnis, welche die britische Regierung in ihrem Streben, eine Lösung der jüdischen Frage herbeizuführen, der zionistischen Bewegung zu Teil werden liees und spricht die Hoffnung aus, dass ihr die guten Dienste der britischen Regierung auch dort zu Teil werden, wo zugleich eine Uebereinstimmung mit dem Baseler Programm erzielt werden könnte. III. Der VII. Zionisten-Kongress bringt in Erinnerung und betont, dass laut § 1 des zionistischen Organisations- Statutes die zionistische Organisation diejenigen Juden umfasst, welche sich mit dem Baseler Programm einverstanden erklären. Die Rede Greenbergs. Anf Antrag Dr. Nordaus hatte der Kongress Herrn L. D. Greenberg mit stürmischem Beifall für seine Unterhandlungen mit der britischen Regierung den Dank ausgesprochen. Mr. Greenberg antwortete: Ich danke dem Kongress aus tiefem Herzen für den aussergewohnlichen und wie ich glaube, ohne Präzedenzfall dastehenden Ausdruck des Dankes, der mir in so freundlicher und generöser Weise zu teil wurde. Ich bitte mich nicht für undankbar zu halten, wenn ich sage, dass ich das Votum als ein wenig überflüssig ansehe, weil ich es bin, der ihnen beständig zu danken hat für das Vertrauen, das Sie auf mich gesetzt haben, welches mich allein befähigte, zu arbeiten, wie ich mit Freude sagen kann, für den Fortschritt unserer Bewegung und zum Besten unseres Volkes. Die Resolution des Aktionskomitees, die heute angenommen worden ist, beendet, wie ich hoffe, eine schwierige und aufregende Frage in der zionistischen Bewegung. Ob der Zweck, den die Resolution hatte, weise oder unklug war, darüber werde ich mich hier nicht auslassen. Die Sache gehört der Geschichte an und diese muss das Tribunal sein, das urteilt. Aber diejenigen, die, wie ich, der Ansicht waren, dass der 6. Kongress im Rechte war bei dem Ostafrikabeschluss, den er angenommen hat, können auch sagen, dass der 7. Kongress von keinem seiner prinzipiellen Punkte bezüglich Ostafrikas abgekommen ist. Denn es war niemals beabsichtigt, dass aktive Kolonisation in Ostafrika von der zionistischen Bewegung unternommen werden sollte, oder dass der Fonds der Bewegung, der Nationalfonds oder der Jevvish Colonial-Trust auf diese Weise benutzt werden sollten. Es war stets die Ansicht, class wenn der Bericht der Kommission es rechtfertigen würde, wir eine spezielle Körperschaft ad hoc bilden sollten in Verbindung mit andern Körperschaften, um dort die Bildung einer jüdischen Siedelung zu unternehmen, und es ist nichts in der Resolution, das prinzipiell ein solches Unternehmen untersagt. loh will daher hoffen, dass die heutige Resolution, obgleich sie nicht alles erfüllt, was wir de facto wünschen können, dennoch — da sie uns von unseren politischen Ansichten nichts fortgenommen hat — ein Mittel sein möge, alle Parteien unserer Bewegung zu vereinigen. Ich weiss, es ist ein starkes Unbehagen auf Seiten der Minorität, indem sie das Gefühl hat, dass die Majorität nicht in der vornehmsten Weise erlangt war, wenn ich mich so ausdrücken soll. Aber es war die Majorität eine enorme und bedeutet einen grossen Sieg, und der ist sicherlich hypokritisch, der allzu genau prüft, wie Siege gewonnen werden, wann immer sie gewonnen werden. Die Siege in der Geschichte würden schlecht aussehen, wenn man sie unter das Mikroskop der Moral und des Rechtes legen würde. Es stehen

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