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Die Welt · 1905-07-31 · [Separat-Ausgabe] (31.7.1905) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (31.7.1905)
Date
1905-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Die # Welt" Separat-Ausgabe No. 3 zu kolonisieren. Es ist also möglich, dass wir im einen oder im andern Lande eine Konzession bekommen. Der Zionismus ist in Palästina schwerer zu verwirklichen als in anderen Ländern. (Rufe: Antizionist!) Unter der jüdischen Lebensfrage verstehe ich die Landfrage. Ich gehe über von den Prinzipien zu dem Praktischen und sage, das Ugandaprojekt ist bei uns kein Zufall, keine Erscheinung, sondern ganz natürlich. (Vors. Marmorek bittet den Redner, sich kurz zu fassen, da noch andere Herren sprechen wollen.) Herr Prof. Warburg hat uns in seinem heutigen Berichte vorgelesen, das man eine Expedition nach Uganda geschickt hat und das Land sich für uns nicht eigne. Es wird auch viel Schwindel dabei sein. (Ruf: Sie sind ein bezahlter Schwindler! Grosser Lärm.) Dr. Marmorek: Ichmuss den Redner bitten, das zurückzuziehen. (Geschieht). Also ist der Zwischenfall erledigt. Chassan fährt weiter: Die Expedition hat das Land nicht erforschen können in der kurzen Zeit, sie hat sich beeilt zurückzukommen, um dem Kongress Bericht zu erstatten. In Uganda haben wir die Möglichkeit, das Ziel des Zionismus zu verwirklichen. (Stürmische Zurufe: Schluss! Man soll ihm das Wort entziehen! Grosse Unruhe.) Vorsitzender Dr. Marmorek bittet, den Redner anzuhören, da er bald fertig sei. Chassan: Ich stelle also den Antrag: Der VII. Kongress drückt seine Zufriedenheit aus mit dem, was das A.-C. getan hat, aber die Unterhandlungen sollen weiter fortgesetzt werden. Es soll eine neue Expedition geschickt werden. (Grosse Unruhe.) Vorsitzender Dr. M arraorek: Der Kongress hat sein Programm, die Diskussion der Ugandafrage richtig zu Ende geführt. Es liegt der Antrag vor, und die Sitzung morgen abends um hier abzubrechen halb 9 Uhr fortzusetzen Es liegt ferner ein Antrag der Herren Dr. Hantke und Dr. Kalmus vor. Sie beantragen die Wahl von je vier Generalrednern für beide Parteien. Diese Wahl kann noch heute durchgeführt werden. Ich werde die Sitzung auf 10 Minuten unterbrechen und die Herren bitten, sich zur AVrahl in zwei Säle zu begeben. Herr Jochelmann beklagt sich. Ich habe ihm, wie er behauptet, das Wort nicht gegeben. Als ich Herrn Jochelmann aufgerufen hatte, da hiess es, er habe das Wort mit Herrn Chassan getauscht, deshalb ist er auch an die Stelle des Herrn Chassan gekommen. Dr. Brande: Mit Rücksicht darauf, dass die eigentliche Zweiteilung der Parteien kaum exakt ist, und dass es bei den Herren, die sich für pro und contra einschrieben, doch verschiedene Schattierungen gibt und verschiedene Meinungsäusserungen auch noch zur Geltung kommen sollten, schlage ich vor, dass wir im Sinne des bereits gestellten Antrages Bodenhcimer die Generalredner durch die Landsmannschaften wählen, damit die Schattierungen innerhalb der Landsmannschaft zur Geltung kommen. Da aber die Möglichkeit vorliegt, dass innerhalb der Landsmannschaften die Majorität sich zu einer Unterdrückung der Minorität könnte verleiten lassen, schlage ich vor, dass unabhängig von den Landsmannschaften auch die Fraktionen sich selbständig durch Generalredner vertreten lassen. Es giebt Landsmannschaften, wo wir ruhig annehmen können, dass die Parteien sich verständigen. Hingegen würde mein Antrag in solchen Landsmannschaften, wo das nicht der Fall ist, den Fraktionen die Möglichkeit geben, vertreten zu sein. Die Zahl der Generalredner würde dadurch nicht erheblich vermehrt werden. Dr. Deiches: Ich muss meinen Antrag aufrecht halten, dass ungeachtet dessen, dass jede Richtung eine gewisse Anzahl Generalredner wählt, die Zione- Zion zwei hervorragende Vertreter entsenden, die ihren Standpunkt vertreten. DrSyrkin: Ich spreche hier im Namen der sozialistisch-zionistischen Delegation, welche durch 30 Delegierte vertreten ist und hinter sich 10,000 organisierte Arbeiter hat. Wir verlangen vom Kongress, dass aus unserer Mitte 6 Generalredner gewählt werden (Widerspruch). Sie sind moralisch verpflichtet, einer Minorität, die sich so sehr im jüdischen öffentlichen Leben in Russrand betätigt, volle Redefreiheit zu gewähren. Weil diese Minorität etwas so prononciert Verschiedenes ist, so hat sie das Recht hier erschöpfend zum Ausdruck zu kommen Gerade weil Sie wissen, dass Sie die Macht in Händen haben und der Kongress wahrscheinlich in Ihrem Sinne entscheiden wird, werden Sie vor der jüdischen und gesamten öffentlichen Meinung verantwortlich sein, wenn Sie diesem gerechten Verlangen nicht entsprechen. Delegierter Herbst: Ich bitte Sie, zu berücksichtigen, dass bei der Entscheidung der Frage der Anzahl der Generalredner hauptsächlich das Moment in Betracht, kommt, wie die Juden der verschiedenen Länder gemäss ihrer geringeren oder grösseren Freiheit und ihren wirtschaftlichen Verhältnissen zu dieser Frage Stellung nehm3n. Infolgedessen beantrage ich, sich nicht auf die Anzahl der zu wählenden Generalredner zu beschränken, sondern auch den verschiedeneu Ländern und Landsmannschaften die Möglichkeit zu geben, durch einen Redner ihre Stellung kimdzugjbei. Vizepräsident Dr. Marmorek verliest noch einmal die verschiedenen Anträge und fährt fort: Ich glaube der weitgehendste Antrag ist der von Herrn Dr. Brau de. Herr Dr. Braude hat jedoch die Anzahl der Generalredner nicht bestimmt (Zuruf: Je einen!) Es giebt 23 Landsmannschaften und jede hat mindestens eine oder zwei Fraktionen. Das macht zwischen 30 und 60 Redner. Dr. Bodenheim er: Es haben sich verschiedene Laadsmannschaften vereinigt. Von den übrigen wird wohl der grösste Teil überhaupt auf Generalredner verzichten. Vizepräsident Dr. Mar in orek: Auf eine solche vage Zusicherung kann sich der Kongress nicht einlassen. Ich werde den Antrag Braude zur Abstimmung bringen. Es erfolgt nun die Abstimmung. Der Antrag Braude wird mit sehr grosser Mehrheit abgelehnt. Ebenso der Antrag Syrkin (Gelächter). Dagegen wird der Antrag Hantke, Kaimus (Wahl von je 4 Generalrednern beider Parteien) mit grosser Majorität angenommen (Beifall). Vizepräsident Dr. M armorek: Es liegt noch ein Antrag des Hrn. Dr. Soskin zur Geschäftsordnung vor, dass jeder Redner blos 15 Minuten sprechen dürfe (Pfiffe, auf der Rechten Proteste.) Dr. Soskin: Ich erinnere zur Begründung meines Antrages daran, dass am letzten Kongress bei der Generaldebatte über das Ostafrikaprojekt ebenfalls blos 15 Minuten Redezeit angenommen wurden. Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich spreche nochmals den schwersten Tadel aus gegen denjenigen, der trotz der Warnung des verehrten Hrn. Präsidenten Nordau wiederum gepfiffen hat. Abramowitsch: Wenn wirklich die Majorität ihre Beschlüsse auf jede Weise zum Durchbruch bringen will, so soll Sie es gleich mit Tücherschwenken tun. Mir gefiele das besser, als diese scheinbar parlamentarische Art und Weise. Vizepräsident Dr. M a r m o r e k : Sie dürfen nur über die Form der Abstimmung sprechen, und sonst keine Begründung geben.

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