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Die Welt · 1905-07-31 · [Separat-Ausgabe] (31.7.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (31.7.1905)
Date
1905-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 3 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 5 kommen können, und deswegen lehne ich dieses Angebot ab. Wenn wir dieses Angebot der britischen Regierung zurückweisen und von ihr verlangen, dass sie uns ein grösseres Territorium giebt, wenn dann die britische Regierung erklärt, sie will es nicht tun, dann ist die Sache erledigt, dann haben wir in jedem Fall die Ehre beim Spiel gewahrt. Die Antisemiten können uns dann nicht vorwerfen, dass wir das Angebot abgelehnt haben. Es ist nicht wahr, dass ich gesagt habe, die Reichen sollen hingehen und die Armen nicht, sondern ich habe gesagt, am Anfang sollen nur tüchtige kommen, Handwerker und Ackerbauer und nicht Krüppel. Und später sollen die Armen, Unfähigen kommen. Ich habe nicht gesagt, dass sie Könige der Schnorrer seien, sondern, sie seien Schnorrer ohne König. Dr. Slouschz spricht zunächst über die Gruppe, der er angehört. «Nie hat die Gruppe der politischen Zionisten das Basler Programm verläugnet, nie hat sie gedacht einen andern Zionismus zu haben! Wir sind mit Zion! Wir haben die Uganda-Frage nicht geschaffen, der Kongress hat sie geschaffen. Wir sind als Gruppe der politischen zionistischen Organisation vor den VI. Kongress getreten; wir haben uns organisiert gegen die Kulturfrage, gegen den unwahren Demokratismus und gegen verschiedene andere Bewegungen, welche den grossen Kongress bedrohten. Wir sind immer auf dem Prinzip gestanden, dass der Kongress das gesamte jüdische Volk vertrete. Ich erinnere Sie nur; wer hat die Frage der Kultur in das gegenwärtige Programm gebracht? Die Herren der Rechten! Wer hat die demokratische Fraktion geschaffen, die erste Gruppe im Zionismus? Die Herren der Rechten! Meine Damen und Herren! Auf dem VI. Zionisten-Kongress wurde eine neue Frage, die Uganda- Frage geschaffen. Wir wussten nichts von Territorialismus. Was hat man mit der Expedition getan? Sie haben den Bericht gelesen. Das Klima ist gut und verschiedene andere Bedingungen sind günstig. Hätte man einen Hafenzugang, so wäre das Land sehr geeignet für die Organisation. Es muss Klarheit geschaffen werden. Es muss etwas getan werden für eine Gruppe, welche 150—160 politische Zionisten zählt, welche immer treu geblieben sind, dass die Gruppe nicht majorisiert werden kann. Diese Gruppe soll nicht terrorisiert werden. Die Herren wollten durch die Uganda-Expedition zeigen; dass Uganda nicht gut sei. Möge die Majorität beschliessen, aber die richtige Majorität! Keine Koalition der alten Oppositionen (Grosser Lärm). Wir politischen Zionisten werden das Basler Programm aufrecht halten, wir werden weiter arbeiten für die Realisierung des Zionismus, wir sind für den reinen politischen Zionismus, für den diplomatisch-politischen Zionismus, und wir werden weiter arbeiten, um öffentliche Rechte in Palästina und den JSTachbarländern zu bekommen, auch wenn Sie heute das Ugandaprojekt zurückweisen. (Beifall). Josef Co wen. (Von andauerndem Beifall begriisst). Meine Damen und Herren! Ich will keine Rede halten, sondern ein Amendement zum Vorschlage Zangwills einbringen. Mein Amendement lautet: „Der Kongress beschliesst, der britischen Regierung seinen Dank für das Angebot eines Territoriums in liritisch-Ostafrika zum Zwecke einer jüdischen öiedelung auszusprechen. Der Kongress bedauert, dass dieses Territorium, wohin er eine Expedition zur Erforschung gesandt hat, für ungeeignet befunden wurde für die Bildung einer solchen Siedelung. Der Kongress ist überzeugt, dass die zionistische Organisation, sobald immer eine Gelegenheit sich dazu ergiebt, Kolonisation mit örtlichen Verwaltungsrechten in Palästina und in seinen Nachbarländern unternehmen soll, und in. Anbetracht, dass die britische Regierung die zionistische Organisation anerkannt hat, hat er das Vertrauen, dass sie auch ferner ihre guten Dienste zur Erreichung des Zieles des Zionismus nicht vorenthalten werde." Die Resolution wird russisch übersetzt. Oowen fügt dann hinzu: Es sind diesem Kongresse zwei Möglichkeiten vorbehalten: Die Majorität kann mit Gewalt über die Minorität hinweggehen; die Minorität kann eine Obstruktion führen, die dem Kongresse stark schaden kann. Die Resolution ist eine Friedensresolution. Aber ich bin kein Friedensstifter, um jeden Preis. Deswegen aliein will ich meinen Vorschlag nicht vorbringen. Was ich will ist das ursprüngliche Basler Programm ohne Aenderung (Stürmischer Beifall), und ich glaube, wenn sie für meinen Vorschlag stimmen, so haben Sie das. Leon spricht englisch und übersetzt kurz französisch : Wir haben nichts zu tun mit persönlichen Angelegenheiten Zangwill präsentiert Ihnen die allein richtige Lösungnehmen wir seine Resolution nicht an, so bedeutet das das Ende unserer diplomatischen Beziehungen. England hat in der nobelsten Weise mit uns gehandelt und uns eine schöne, gegenseitig nützliche Offerte unterbreitet. Nehmen wir auch die Offerte nicht an, so erlauben wir doch unserer Kongressleitung die Unterhandlungen mit England fortzusetzen, damit wir doch einmal unter dem Schutze Englands zu einem Resultate kommen. C h a s s a n (von Beifall begrüsst) spricht Jargon: Das Basler Programm wird falsch kommentiert und falsche Kommentare dürfen wir nicht zulassen. Das Uganda-Projekt ist nicht die einzige Frage. Wir sind zwei Jahre lang terrorisiert worden, durch Agitation und in Zeitungen. Unsere Prinzipien sind vor der unjüdischen 0Öffentlichkeit verlacht worden. Unser Zionismus hat ein soziales Motiv: er ist eine Frucht der Judennot. Im Osten wird die jüdische Bourgeoisie auf alle Weise in ihrer Entwicklung gehemmt. Alle Parteien, alle Klassen von Juden leiden gleicherweise darunter. Das wäre anders, wenn wir ein eigenes Land und eine eigene jüdische (Gesellschaft hätten, Die Juden in Russland sind die grosse Masse des jüdischen Volkes. Aber nun ist die Zeit gekommen, da auch in Osteuropa kein Platz mehr für Juda ist. Wohin soll die Auswanderung gehen? In irgend ein eigenes, unabhängiges Land! Dem jüdischen Volk fehlt nicht Palästina; es fehlt ihm bloss ein eigenes Land. Palästina ist ungeeignet durch seine Regierung. (Heftiger Widerspruch.) Man vergleiche die Kolonisierung in Palästina mit der in andern, freien Ländern, Argentinien u. s. w., wo man uns alle Erleichterungen gewahrt. Wir wissen es ja : die türkische R3gierung ist einer politischen jüdischen Bevölkerung Palästinas abgeneigt. (Heft'ger Widerspruch.) Der Zionismus muss von dem Palästinaprinzip losgelöst werden. (Stürmischer Widerspruch.) Man nennt uns deshalb Verräter. Aber die wahren Verräter am jüdischen Volke sind diejenigen, die uns dts unerreichbare Palästina als einziges Ziel hinstellen. (Grosser Lärm.) ^ach den 7jährigen erfolglosen Verhandlungen mit der Türkei kam das Angebot der englischen Regierung: El Arish und Ostafrika. Die englische Regierung ist daran interessiert, ihre weiten Landstrecken

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