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Die Welt · 1905-07-31 · [Separat-Ausgabe] (31.7.1905) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (31.7.1905)
Date
1905-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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No. 3 Separat-Ausgabe „Die $ Welt" Seite 3 halb unmöglich, und es ist der Antrag gestellt worden, dass die Redner sich jetzt in 2 Sälen versammeln und zwar die Pro-Redner in einem und die Contraliedner im andern, und dass je 4 Generalredner, zusammen also 8 gewählt werden, die im Namen der ganzen liednerreihe sprechen werden. (Proteste). Dr. Alex. Marmorek: Es ist ein Missverständnis, meine Herren! Ich bitte um Ruhe, Herr Dr. Syrien! Meine Herren! hören Sie zu. (Anhaltender Lärm). Wo sind die Ordner? Hören Sie doch zu, bevor Sie schreien, der Antrag soll heissen — (Lärm) ich bitte Sie zu Ihrem Präsidenten so viel Zutrauen zu haben, dass Sie ihn zuerst ausreden lassen, die Herren benehmen sich ungebührlich. Der Antrag lautet: Sie sollen die Zeit der Mittagspause dazu benützen, eventl. Generalredner zu wählen; damit ist noch nicht gesagt, dass die Debatte geknebelt wird. Die Herren werden dann der Reihe nach daran kommen. Sie sollen sich vereinigen und eventl. Generalredner ausreden lassen. Vizepräsident Dr. Marmorek verliest, nachdem wieder Ruhe eingetreten ist, die Liste der Redner, welche sich für oder gegen eingeschrieben haben. Dr. Bodenheimer (von Beifall begrüsst): Ich spreche mich gegen den Antrag auf Wahl von Generalrednern in dieser Form aus. Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist die wichtigste, welche diesen Kongress und auch den VII. Kongress beschäftigt. Ueber eine solche Frage direkt bei Beginn der Verhandlungen, noch ehe überhaupt eine freie Diskussion sich entfaltet hat, durch die Wahl von Generalreclnern zu entscheiden, wird den Eindruck hervorrufen, als ob irgend eine Meinung, die hier im Saale vertreten ist, unterdrückt oder geknebelt werden sollte. (Stürmische Rufe: Sehr richtig!) Ich bin überzeugt, dass diess nicht die Absicht des Präsidiums ist. Allein man geht in dieser wichtigen Frage von der gebräuchlichen Ordnung der Geschäfte im Kongress ab, die darin bestand, dass man zunächst die Meinung der verschiedenen Landsmannschaften anhörte und dass man den Führern der Landsmannschaften Gelegenheit gibt, die Anschauung der Landsmannschaft hier ausführlich zu begründen. Wenn wir jetzt die 120 Generalredner en bloc versammeln, so haben wir keine Garantie dafür, dass unter den Generalrednern die Vertreter der sämtlichen Landsmannschaften und Fraktionen sich befinden. Ich mache Ihnen daher folgenden Vorschlag: Wir benützen diese Pause von einer Stunde um eine Sitzung sämtlicher Landsmannschaften und Fraktionen abzuhalten. Dort werden je nach der Bedeutung einer Landsmannschaft Generalredner gewählt. Ich bitte Sie daher dringend, den Antrag des Präsidenten abzulehnen und meinen Antrag anzunehmen, der dahingeht, den Landsmannschaften sowie den Fraktionen jetzt Gelegenheit zu geben, unter sich über die Wahl von Generalrednern zu beraten (Beifall). Delegierter Trietsch: Es hat sich gezeigt, dass ungefähr 73 Redner gegen und 25 für eingetragen sind. Ich beantrage daher, dass die Generalredner proportional diesen Ziffern zum Wort kommen (Nein!) Ich beantrage weiter, dass nicht mehr als etwa 12 Generalredner gewählt werden und class die Redezeit von vornherein beschränkt werde, dass dadurch der Abschluss der Verhandlungen über den Uganda-Vorschlag heute noch erzielt werden kann. Wir debattieren jetzt 2 Jahre über den Uganda-Vorschlag, sodass wir heute nicht nötig haben unsere Meinung zu erklären. Die Meinungen sind schon fertig. Ich beantrage daher über diesen Antrag sofort zur Abstimmung zu schreiten damit wir Zeit sparen. Dann mögen die Pro- und die Contraredner zusammenkommen und Generalredner wählen. Dr. Deiches: Ich beantrage, dass wir bevor wir an die Wahl der Generalredner herantreten, zuerst zwei hervorragende Vertreter der Zione Zion sprechen lassen, ebenso wie wir zwei hervorragende Vertreter der andern Richtung angehört haben, die Herren Greenberg und Zangwill. Ich hoffe, dass Sie sie mit derselben Geduld angehört werden, wie die andern. Dr. Syrkin: Ich finde es sehr merkwürdig, dass hier ein derartiger Antrag eingebracht worden ist. Gestern ist ein plumperer Versuch gemacht worden die ganze Diskussion übers Kniee zu brechen oder es überhaupt nicht zu einer Diskussion kommen zu lassen (Protestrufe, grosser Lärm), Heute haben es sich die Herren Zione Zion; denn von dieser Seite geht der Antrag aus, besser überlegt und wollen durch ein mehr parlamentarisches Verfahren die Diskussion abbrechen. Ich appelliere an das zionistische Gefühl aller Anwesenden und an ihre politische Verantwortlichkeit. Wir stehen vor einer äusserst ernsten historischen Tatsache, von welcher nicht allein die Zukunft des Zionismus abhängt, sondern vielleicht auch dieweitere Gestaltung der jüdischen Geschichte. Niemals standen solche ernste Fragen vor eine:n Kongress wie jetzt und da soll die Diskussion abgebrochen werden"? Daruni schlage ich Ihnen vor. mindestens heute noch und und vielleicht auch den dritten Tag des Kongresses die freie Diskussion fortzusetzen in der Reihenfolge wie die Redner eingetragen sind. Wenn wir nachher den Eindruck bekommen, dass die Diskussion einigermassen erschöpft ist, dass die Ansichten mehr oder weniger geklärt sind, dann kann man die freie Diskussion abschneiden und Generalredner gleichsam zu einem Resume der Diskussion aufstellen. Ich appelliere darum an Ihr zionistisches Gewissen, diesen Antrag entschieden abzulehnen und der Diskussion freien Lauf zu lassen. (Beifall und stürmischer Widerspruch). Präsident Dr. Nor da u schreitet hierauf zur Abstimmung. Der Antrag auf Fortsetzung der bisherigen Diskussionsweise wird mit einer erdrückenden Mehrheit abgelehnt. Darauf erhebt sich ein tosender Beifall bei der Majorität, und lauter Protest bei der Minorität. Grosse Unruhe und Tumult. Die Minorität protestiert immer heftiger. Delegierte schreien auf einander ein. Da es unmöglich scheint, die Verhandlung momentan fortzuführen, wird die Sitzung um 1 l/-> Uhr aufgehoben. Freitag, 28. Juli, Nachmittagssitzung. o.:so eröffnet Dr. N o r d a u die Sitzung unter Bekanntgabe folgender Depesche: Von der "Wüste des Stillen Ozeans sendet herzlichen Gruss und wünscht friedliche und erfolgreiche Arbeit Stephen Wise. (Beifall). Hierauf erklärt T e m k i n im Namen der Zione Zion, dass dieselben auf die ganze Liste ihrer Redner verzichten und mit der Wahl von Generalrednern einverstanden seien. Die Gegner mögen soviel Redner aufstellen als sie wollen. Das Wort erhält nun Deleg. Ohas an (mit Beifall begrüsst): Der Kongress geht zur Diskussion und Beschlussfassung über eine wichtige Frage über, oder besser: über die wichtigste zionistische Präge. Wir werden aufgefordert uns der Mehrheit zu fügen; die Forderung ist gerecht. Von verschiedenen Seiten ist wegen der Wahlen in Russland über die künstlich gemachte Mehrheit geklagt worden. Ich verlange, die Debatte zu eröffnen bezüglich der

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