Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (31.7.1905)
- Date
- 1905-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „Die $ Welt" Separat-Ausgabe No. 3 Präsisent Dr. Nor dau: Eine Polemik scheint mir hier nicht am Platze zu sein, weil Mr. Gibbons nicht in der Lage ist, sieh zu wehren. W i 1 b u s c h e w i t s c h : Ich möchte bloss resümieren, class mein Bericht falsch verstanden wurde. Ich halte das Gebiet für sehr günstig, aber bloss für Nomadenvölker. Hierauf erhält Israel Z a n g w i 11 das Wort, der mit stürmischem Beifall empfangen wurde. (Die Bede wurde bereits in ]Nrr. 2 veröffentlicht.) Nach Zangwill erhält Sir Francis Montetiore das Wort. Sir Francis Montefiore (Lebhaft begrüsst). (Lärm links, Kufe: Hinaus! Lärm und Tumult, rechts ebenfalls Lärm, der erst nach einiger Zeit eingestellt wird). Vorsitzender Vizepräsident Dr. Alexander M a r - morek: Meine Herren Ordner! Es handelt sich hier um die Würde der Tribüne. Sir Montefiore verlangt das Wort, und ich bitte Sie, ihn anzuhören. Sir Fr anc is M o n t e f i o r e (englisch,Dr.Weitzinann übersetzt Wort für Wort ins Deutsche). Ich halte es für eine grosse Ehre, der erste zu sein, der in absoluter Opposition gegen die Resolution des Herrn Zangwill sich befindet. Ich habe auch die Ehre mitzuteilen, dass ich der grossen nationalen Bewegung sehr ergeben bin, indem ich auf ein gut ausgedachtes Kolonisationsprojekt einen grossen Wert lege, und dem Vorschlage der britischen Regierung den gross ten Wert beilege. Zur gleichen Zeit ist mein Herz zum heiligen Lande gewendet, welches immer das gelobte Land der Juden bleiben wird. Ich glaube, dass meine Ansicht mehr durch das Gefühl als durch blosse Vernunfterwägungen begründet ist, aber ich glaube auch, dass wir beides haben müssen. Es ist notwendig, um ein Land zu kolonisieren, dass der Boden sowie das Klima günstig sind, aber neben diesen Sachen ist es auch notwendig, dass eine Liebe für das Land, welches zu kolonisieren ist, besteht. (Hört! hört!) Wie gross die Liebe des jüdischen Volkes zum Lande seiner Väter ist, ist ersichtlich, wenn wir einen Blick werfen auf den Verlauf der Geschichte. Seit der Zeit, seit demjenigen Momente, als wir unsere Selbständigkeit verloren haben, hat das jüdische Volk sich immer zum Lande der Väter gewandt. Wenn schwere Zeiten über das Judentum hereinbrachen, war es uns ein Trost, wenn gute Zeiten kamen, so war die Liebe zum Ahnenlande das Mittel, welches das Volk zusammenhielt. JNToch bevor Ostafrika vor den Kongress gebracht worden ist, war es die Liebe für Zion, welche die Juden aus allen Ländern zu diesem Kongress hergebracht hat. In früheren Tagen haben sehr viele Juden den Wunsch gehabt, nach Palästina zu gehen, um dort zu sterben, jetzt ist die Zahl derjenigen gewachsen, die den Wunsch haben, nach Palästina zu gehen, um dort zu leben. Sie haben so oft gehört, wenn man gegen Ostafrika gesprochen hat, dass ich derjenige war, der für die Aussendung einer Kommission nach Ostafrika gestimmt hat. Aber wenn ich dies getan habe, habe ich es nur deswegen getan, weil mich unser sei. Führer darum ersucht hat. Da die Stimme des Uebersetzers für die grosse Versammlung nicht ausreicht, ersucht der Vorsitzende Dr. Marmorek Herrn Dr. Magnus, die Rede zu übersetzen. Sir Francis Montefiore: Ich möchte darauf verweisen, dass der Wert des Ost-Afrika Angebotes tatsächlich vorhanden war, es war nämlich ein dijdomatischer Gewinn, denn es hat uns einfür allemal gezeigt, dass eine grosse Regierung wie die englische, die Juden* als eine Nation anerkannt hat, und die Zionisten als den Hauptteil dieser Nation. In Bezug auf die Fruchtbarkeit und Annehmbarkeit des Ost-Afrika-Anerbietens meine ich, sei es unnötig, irgend etwas hier zu sagen, denn diese Frage ist von der ausgesandten Kommission schon entschieden worden. Aber ich möchte, wenn Sie es mir erlauben, noch einmal darauf hinweisen, dass Palästina ein Land ist, das dazu geeignet ist, kommerziellen und agrikultureilen Zwecken zu dienen (Beifall). Was die Bodenbestandteile anbetrifft, ist Palästina keineswegs unfruchtbar und der schlechte Zustand Palästinas ist nur wegen der Vernachlässigung der Landwirtschaft eingetreten. Es ist gut bekannt, dass die besten Autoritäten annehmen, dass Palästina ein Land sei, das sich ganz gut entwickeln liesse. Seitdem ich das letzte Mal die Ehre gehabt habe, vor dem Kongress zu reden, habe ich die Genugtuung gehabt, mit Herrn Colonnel Üonder bekannt zu werden, der die beste lebende Autorität ist für Palästina. (Hört!) Ich bin in Kenntnis gesetzt worden, dass es der Wunsch des Herrn Vorsitzenden ist, dass wir jetzt die Frage von Palästina nicht anschneiden sollen. Diese Frage liegt sehr nahe, aber ich möchte nur sagen, dass wenn die Ostafrikafrage entschieden worden ist, alle Zionisten zusammen arbeiten müssen, damit unsere Arbeit Erfolg habe. Es schien mir immer, dass wenn wrir im Grunde dieselben Gefühle haben, wir doch zusammen arbeiten können und dass wir die Ansichten der Parteien immer berücksichtigen müssen. Ich möchte in Erinnerung bringen, dass wir eine grosse Aufgabe haben und dass wir vernichtet werden, wenn wir nicht zusammenarbeiten. Ich wreiss, dass es viele Redner gibt, die über diese Frage sprechen werden und ich meine, man kann der Versammlung den besten Dienst erweisen, wenn man seine eigenen Bemerkungen so kurz wie möglich macht. (Sehr richtig). Ich möchte zum Schlüsse nur dies bemerken, class es meine Hoffnung ist, dass diejenigen, denen das Wohl des Volkes am Herzen liegt, eine gemeinsame Basis für gemeinsame Arbeit auszuarbeiten versuchen werden (Beifall) und dass Sie dabei nicht verführt werden durch die Behauptung, dass es verschiedene Arten von Juden gibt und dass die Juden nicht auf gemeinsamer Basis zusammen arbeiten können. Ich weiss ganz gut, dass es verschiedene Unterschiede zwischen Juden gibt, aber es sind nur zufällige Unterschiede des Standes und des Reichtums*, denn sind wir nicht alle Kinder derselben Rasse und Verehrer desselben Glaubens? (Grosser Beifall). Wir sind eins und im Namen dieser Einigkeit möchte ich wünschen, dass unsere Arbeit Erfolg habe. (St. Beifall). Vors.Dr. Marmorek: In der Uebersetzuug der Rede des Herrn Greenberg ist folgender Passus ausgelassen worden, der lautet: Erlauben Sie mir, unserem edlen Freunde den tiefsten Dank des Kongresses für die selbstlose grosse Hilfeleistung, die er uns durch die Ermöglichung der Aussendung der Expedition gewährt hat, auszusprechen. Um so tiefer ist die Beschämung, class wir auf Nichtjuden angewiesen waren. Je tiefer aber diese Beschämung, um so grösser der Ruhm der Hilfe. Es ist jedoch eine Bedingung mit dem Anerbieten verknüpft, dass der Geber absolut anonym bleibt. Ich erhielt nur die Erlaubnis, den Namen zweien Personen zu nennen, die offiziell mit unserer Bewegung verknüpft sind. (Beifall). Vorsitzender Dr. Nordau: Es sind 120 Redner für die Ostafrika-Frage eingeschrieben. Es leuchtet Ihnen gewiss ein, dass nicht 120 Redner zum Worte kommen können. Wir würden für diese Angelegenheit allein mindesten 20—25 Sitzungen notwendig haben. Es ist des-